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Chapter 5 by Daemony Daemony

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Beichte oder Buße

Ein Schatten huschte über die Zeltwand. Groß, verzerrt, unförmig wie eine Bestie. Aber es war kein Tier. Tiere konnten keine Reißverschlüsse öffnen. Das Geräusch mit dem sich die Zeltklappe öffnete, Zentimeter für Zentimeter, jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken. Wie Fingernägel auf einer Schiefertafel. Jemand öffnete den Eingang.

Carola setzte sich ruckartig auf, riss die Decke an sich, um sich notdürftig zu bedecken, ihr Herz hämmerte gegen ihre Rippen. Sie starrte zum Eingang wie ein Reh in die Scheinwerfer des Autos, das auf es zuraste und es gleich erfassen würde. Die Zeltplane hob sich und eine Gestalt beugte sich in die Öffnung – im Gegenlicht nur ein Schattenriss, aber unverkennbar, groß, breitschultrig.

Georg.

Er sagte nichts. Trat nur ein. Schloss die Klappe hinter sich und setzte sich auf den Boden. Sah sie stumm an. Das diffuse Licht des Feuers, das von draußen hereindrang, tauchte die eine Hälfte seines Gesichts in warmes Bernstein, der Rest lag im schwarzen Schatten. Als wäre er gespalten, als trüge er zwei Persönlichkeiten in sich.

Carola hielt den Atem an. Sie konnte sich nicht bewegen. Wollte es auch nicht.

Beide schwiegen. Schauten sich nur an. Carola versuchte in seinem Gesicht zu lesen, was in ihm vorging. Es war schwierig. Er war gekommen, weil ihn etwas dazu drängte, so viel war klar. Aber was es war, konnte sie nicht erkennen. Sie meinte Ärger in ihm zu spüren. Vielleicht sogar Wut. Wut auf wen? Und Sorge. Angst? Nein. Das passte nicht zu einem Priester. Nicht zu Georg.

Sie erinnerte sich an ihren dummen Spruch vom Lagerfeuer. Erst sündigen und nachher beichten. Sie musste kichern. Der **** war noch nicht verschwunden und machte sie übermütig.

"Bist du gekommen, um mir die Beichte abzunehmen, Pater?" Das letzte Wort betonte sie bewusst provokant. "Oder willst du selbst beichten?"

Sein Mundwinkel zuckte. Fast ein Lächeln. Aber kein freundliches. Sofort wurde sein Ausdruck wieder streng. Sein Kiefer malte.

„Nein“, sagte er ernst. „Das Beichten setzt Reue voraus. Einsicht des Sünders, dass er gesündigt hat. Doch auch wenn diese fehlt, kann er dennoch Buße tun.“

Seine Fäuste ballten sich und es schien, als koste es ihn eine bewusste Willensanstrengung, sie wieder zu öffnen. Carola zitterte plötzlich, obwohl sie nicht fror. Die Atmosphäre im Zelt hatte sich verändert. Das Gleichgewicht war gekippt. Sie schaute zu ihm auf, fast flehentlich.

"Wenn - falls ich Büßen wollte... würdest du mir dabei helfen?"

Er antwortete nicht sofort, atmete tief ein. Sein Brustkorb hob sich. Wohldefinierte Muskeln spannten sich unter dem schwarzen T-Shirt. Dann ließ er die Luft entweichen, langsam, kontrolliert.

"Ja."

Nur ein Wort. Aber mit der Wucht eines Meteoriteneinschlags.

Die dünnen Decke glitt aus Carolas auf einmal schwach gewordenen Fingern und rutschte an ihr herunter. Georg achtete nicht darauf, zeigte nicht, ob es ihn überraschte, dass sie darunter nichts mehr anhatte. Seine Augen hielten ihren Blick fest.

Sie kniete sich hin, senkte den Kopf. Ihre Worte waren kaum hörbar, doch klang kein Zweifel mit.

"Ich bereue nichts. Aber ich will büßen."

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