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Chapter 16 by Reyhani Reyhani

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Arbeitsessen

Ich wache spät auf. Die Nacht war schrecklich schön. Voller Sorgen wegen Johanna und voller geiler Bilder. Die ans Kreuz gefesselte Coco überlagert von Madeleine. Eine wirre Mischung. Ich bin aufgekratzt und müde zugleich. Draußen ist es kalt und trübe, genau wie man sich den ersten Sonntag im November vorstellt.

Madeleine ruft an und übernimmt die Rolle der Mittagssonne. Sie ist vergnügt und lädt mich zum Abendessen zu sich ein. Sie will ihr Versprechen einlösen, mich über Coco auf dem Laufenden zu halten. Draußen wird es schon wieder dunkler und der Nebel wird immer zäher, aber meine Sorgen sind wie weggeblasen.

Ich kann es noch so oft ein Arbeitsessen nennen, es ist für mich längst zu einem Date geworden. Oder warum habe ich mich sonst so in Schale geworfen?! Immerhin schaffe ich es, an dem offenen Blumengeschäft vorbeizufahren, ohne vom Gas zu gehen. Aber das klappt nur, weil ich die Flasche Wein auf dem Beifahrersitz fest im Blick habe.

„Schicke Gegend!“, begrüße ich Madeleine, als sie mir in einem kurzen, schwarzen Kleid, das ihre schlanke Figur betont, die Tür öffnet. Es ist die Belle Etage einer Gründerzeitvilla, die irgendwann in Apartments aufgeteilt wurde.

„Hab ich mir zusammen mit dem Laden nach der Scheidung gekauft“, erklärt sie lachend und nimmt den Wein entgegen. Dann führt sich mich unter dem lauten Klacken ihrer hohen Absätze auf dem Parkett in die riesige, offene Küche.

An der Spüle steht ein Junge, oder besser gesagt ein junger Mann und putzt Salat. Madeleine stellt ihn als Tom vor. Ist das ihr Sohn, ein anderes Überbleibsel aus dieser offenbar so lukrativ beendeten Ehe? Ich habe keine Ahnung, ob sie überhaupt **** hat.

„Tom ist ein ganz alter Freund. Weißt du, ich liebe es meine verschiedenen Freundeskreise zusammenzubringen. Die Mischung führt oft zu einer ganz besonderen erotischen Spannung. Das kann ich jeden Tag im Geschäft beobachten.“

Also keine ****, sondern ein Freund wie ich. Wie ich? Auf jeden Fall jünger und mit mehr Muskeln, die sich deutlich unter seinem T-Shirt abzeichnen. Und die älteren Rechte hat er obendrein noch. Ich erkenne ihn nicht, aber es könnte einer der drei Novizen sein, die bei der Halloween-Party die Mutter Oberin umlagert haben. Na das kann ja ein heiterer Abend werden. Ich komme mir auf einmal total lächerlich vor. Wie konnte ich nur glauben, ich hätte ein Date mit der begehrenswerten Madeleine?!

Ich habe zu früh geunkt. Tom stellt sich als ein ausgesprochen angenehmer Zeitgenosse heraus. Studiert Mathe und Physik – ausgerechnet auf Lehramt. Wir verstehen uns auf Anhieb und er fragt mich über die Situation an der Schule aus. Er ist definitiv nicht hier, um seine älteren Rechte zu verteidigen. Aber warum denn dann?

Warum ich hier bin, verrät Madeleine in ihrer unnachahmlichen Art beim Essen:

„Ich wollte dir ja noch von Coco erzählen. Sie schlägt sich weiterhin prächtig. Du hast sie auch schon gesehen, nicht wahr, Tom?! Wie findest du sie?“

Tom legt seine Gabel zur Seite. „Ganz o.k, aber du weißt doch, Madeleine, dass ich auf erfahrene Frauen stehe. Und ein bisschen viel Babyspeck hat diese Coco für meinen Geschmack auch ... Ach, könnte ich noch was von dem Salat haben?!“

Madeleine bedankt sich mit einem Lächeln und einer sanften Berührung an Toms Arm für das Kompliment. Dann reicht sie ihm die Schüssel. Irgendwie triggert mich dieses Geturtel. Ich habe das Gefühl, ich muss Johanna verteidigen. Oder Coco? Auch wenn ich mich dadurch als alter, geiler Sack oute? Das ist mir aber jetzt egal. Ganz gegen meine Art rede ich, bevor ich zu Ende gedacht habe.

„Also ich finde sie toll! So mutig und selbstbewusst. Und wegen ihres Körpers muss sie sich absolut nicht schämen. Echt zum Anbeißen. Das liegt natürlich auch an der raffinierten Inszenierung, die Madeleine zaubert.“

Wenn es ums Schleimen geht, muss ich mich nicht verstecken. Offenbar habe ich den richtigen Ton getroffen, denn Madeleine steigt voll darauf ein:

„Mir kribbelt es auch immer in den Fingern, wenn ich sie in diesem roten Latex-Teil sehe, das sie so liebt. Da verstehe ich jeden, der mal kräftig zulangt. Ich muss mich leider in meiner Rolle als Chefin auf die erzieherischen Berührungen beschränken. Sprich einen ermunternden Klaps auf die Titten oder auch mal ein tröstende Umarmung. Meine Lust am Grapschen muss ich zurückstellen und anderswo ausleben.“

Madeleine seufzt theatralisch, schneidet sich noch ein großes Stück von ihrem Lammfilet ab und steckt es in dem Mund. Als sie fertig gekaut hat, fährt sie fort, indem sie mich herausfordernd mustert.

„Aber hey, für dich gilt das ja nicht. Wenn du mal kräftig abbeißen willst, musst du nur Samstags in den Laden kommen.“

Ich will schon zu einer umständlichen, verklausulierten Erklärung anheben, warum das nicht geht. Da reißt Madeleine selbst das Steuer rum.

„Ich kann mir aber auch vorstellen, dass du als Pädagoge an was ganz anderem interessiert bist. Ich sage dir, es geht nichts über Cocos Blick, wenn sie mal wieder eine Herausforderung gemeistert hat. Stolz wie Oskar. Echt süß.“

Ich verkneife mir eine sarkastische Bemerkung. Was war das, bitte schön, für eine perverse Aufgabenstellung: Sich zu unterwerfen, sich zu präsentieren und befummeln zu lassen wie eine Schaufensterpuppe.

Tom ist da leichter zu überzeugen.

„Ich dachte, diese Coco soll nur den Umsatz ein bisschen ankurbeln. Aber du hast ja richtig Ambitionen.“

„Es hat zwischen uns gleich klick gemacht, als sie zum ersten mal in den Weißen Salon gestolpert ist. Sie war so lieb und folgsam, da konnte ich sie unmöglich abweisen. Wer weiß, an wen sie sonst geraten wäre. Sie ist ein Naturtalent. Schon nach zwei Wochen hat sie das Prinzip verstanden: Sie folgt mir und wird dafür mit all diesen Erfahrungen belohnt, die sie sonst nie gemacht hätte … oder die sie unter anderen Umständen vielleicht zerstören würden …“

Madeleine legt eine nachdenkliche Pause ein. Dann spricht sie weiter:

„Im Moment ist ihre größte Belohnung noch eine feuchte Muschi, wenn ich sie zwinge, die gesellschaftlichen Regeln des Anstandes zu brechen. Aber mittelfristig soll sie sich natürlich selbst belohnen. Autonomie und so. Ich bin sicher, dass meine kleine Coco mich schon bald ziemlich stolz machen wird. Wir werden uns alle noch wundern, was in dem Mädchen steckt.“

Ich muss gestehen, ich bin ziemlich gerührt von Madeleines Ansprache. Auch wenn sie etwas pathetisch war, fühlt sie sich irgendwie echt an. Aber zum Glück holt uns Madeleine gleich zurück aus dem Himmel der Erziehungsideale auf die Erde. Dafür liebe ich sie.

„So, jetzt wollen wir aber mal zum gemütlichen Teil des Abends übergehen. Ich mache mich frisch und bringe mich schon mal in Stimmung. Wenn ihr die Küche aufgeräumt habt, könnt ihr auch rüberkommen.“

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