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Chapter 6 by Levantin Levantin

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5 Tage später

Es waren mittlerweile 5 Tage vergangen, seitdem ich von Loona überrascht worden war. Ich bin ihr so gut es ging aus dem Weg gegangen, was zum Glück relativ leicht war. Loona studiert BWL und war tagsüber meistens in der Uni. Abends traf sie sich mit Freunden oder ging auf Partys. Ich hingegen war tagsüber in der Schule und den restlichen Tag verbrachte ich in meinem Zimmer. Das Wochende war am schwersten gewesen, doch da wir als **** im Grunde nie gemeinsam Mahlzeiten einnahmen, ging auch das erstaunlich gut. Ich war seit dem Ereignis wie ausgewechselt. Ich stand neben mir, so als ob ich mich selbst in einem Film beobachten würde. In der Schule gelang es mir, mich normal zu verhalten, das war nicht sonderlich schwer. Hier hatte ich genügend Ablenkung und Loona stellt für mich hier keine Gefahr dar. Meistens war ich eh für mich alleine. Ich hatte nicht viele Freunde zu diesem Zeitpunkt. Mein besten Freund, den ich seit meiner Kindheit kannte, war mit Beginn dieses Jahres mit seiner **** in eine andere Stadt gezogen. Wir hatten regelmäßig Kontakt, allerdings online, während wir zusammen Leg of Legends spielten. Die letzten 5 Tage jedoch konnte ich mich nicht dazu durchringen. Meine Gedanken kreisten nur um Loona. Wenn ich hörte, wie sie abends nach Hause kam, wartete ich angespannt darauf, dass sie in mein Zimmer platzen würde. Ich malte mir tagsüber Gespräche mit ihr aus, wie ich sie zur Rede stellen würde, ihr ihr Handy aus der Hand reißen, die Videos und Fotos löschen und sie anschreiben würde. Meistens waren es jedoch eher Gedanken darüber, wie sie in mein Zimmer trat und mich erniedrigte, mich auslachte und ****, nackt die Wohnung zu putzen, ihre Füße zu küssen oder ihren Mund. Irgendwie endeten meine gedanklichen Ausflüge immer damit, dass wir Sex hatten. Auch wenn ich das nach wie vor für unrealistisch hielt. Warum in aller Welt sollte sie sich mit mir einlassen? Ich war ihr Stiefbruder und dazu noch nicht sonderlich attraktiv.

Ich betrachtete mich im Spiegel in meinem Zimmer. Ein junger Mann sah mir aus ihm entgegen. Ich war 184 cm groß, schlank, drahtig gebaut, mit kurzen braunen Haaren auf dem Kopf, die meist zerzaust aussahen. Ich trug eine runde schwarze Brille und hatte blaugraue Augen. Eigentlich mochte ich meine Augen. In der Schule wurde ich, seit ich klein war, damit aufgezogen, wie Harry Potter auszusehen. Dass ich immer wieder anmerkte, dass Harry eigentlich grüne Augen hatte, änderte leider nichts. Zu allem Überfluss hatte Daniel Radcliffe blaue Augen, und nur weil der Idiot allergisch auf die grünen Kontaktlinsen war, hatte Harry in den Filmen ebenfalls blaue Augen, was die Ähnlichkeit zwischen uns leider erhöhte. Die meisten Leute erinnerten sich eher an den Harry aus den Filmen als an den aus den Büchern. An den Beinamen Potter hatte ich mich schon gewöhnt, und zum Glück wurde er nach einer Weile auch wieder langweilig. Die Popularität der Bücher ließ jedoch zu meinem Bedauern auch in späteren Jahren nicht nach. Loona hatte grüne Augen. Ihre Augen waren perfekt.

Ich hörte den Schlüssel in der Wohnungstür und erstarrte. Mein Puls beschleunigte sich, und ich bekam einen Kloß im Hals. Das Schlucken fiel mir schwer, und mein Blut begann leise in meinen Ohren zu rauschen. Loona benutzte in letzter Zeit oft die zweite Eingangstür zu unserer Wohnung. Um diese zu erreichen, musste man durch den Seitenflügel gehen und dann in den 4. Stock. Ich schluckte. Würde sie heute wie damals in mein Zimmer kommen? Ich hatte vorsichtshalber alles getan, um das zu erledigen, was sie mich für 5 Tage „gebeten“ hatte. Ich hatte unseren Teil der Wohnung sauber gehalten, war einkaufen gegangen und hatte das Bad geputzt, obwohl sie eigentlich dran gewesen wäre. Die Liste mit meinen Fantasien und Fetischen hatte ich ihr jedoch nicht zukommen lassen. Sie war nach wie vor als Word-Dokument auf meinem PC. Ich hatte lange daran gesessen, doch als es soweit war, sie ihr zu schicken, konnte ich mich nicht dazu durchringen. Ich saß mindestens 20 Minuten täglich vor meinem PC und starrte den „Senden“-Button in meinem E-Mail-Programm an.

Ich hörte ihre Stimme, sie schien mit jemandem zu telefonieren. Ich versuchte mich ein wenig zu entspannen. Das bedeutete wahrscheinlich, dass sie nicht zu mir in mein Zimmer platzen würde, zumindest nicht sofort. Meine Hände begannen zu schwitzen, und mein Penis regte sich erneut. Nachdem ich 10 Minuten lang auf meine Zimmertür gestarrt hatte wie ein Kaninchen auf die Schlange, schaffte ich es, meinen Blick von der Tür abzuwenden und meinem PC zuzuwenden. Verdammt, ich musste mich zusammenreißen. Ich öffnete Discord und betrat unseren Gaming-Kanal. Timo war schon online und in einer Runde Leg of Legends.

„Wo warst du die letzten Tage, Mann? Ich dachte schon, dir ist etwas passiert“, hörte ich seine Stimme über mein Headset.

„Ich habe dich auch vermisst. Wie läuft deine Runde?“, fragte ich.

„Schlecht, Mann. Unser Healer ist scheiße, und der Kerl auf der Bottom Lane feedet die ganze Zeit. Ich könnte ausrasten, Mann“, beschwerte sich Timo.

„Wenn du mich nicht als Heiler hast, jammerst du eh immer rum. Ich bin in der nächsten Runde dabei, also hör auf dich zu beschweren.“

„Du hast leicht reden. Du musst ja nicht mit diesen Gehirnamputierten zocken. Aber jetzt mal ehrlich, wo warst du die letzten Tage?“

„Ich hatte viel für die Schule zu tun, und naja, ich musste mehr im Haushalt machen und Zeit mit der **** verbringen“, log ich. Die Lüge fiel mir nicht schwer, aber ich bezweifelte, dass Timo darauf hereinfallen würde. Er wusste, wie gut ich in der Schule war.

„Du meinst wohl eher, du hast deiner heißen neuen Mitbewohnerin hinterherspioniert. Zu schade, dass ich nicht mehr bei dir in der Nähe wohne. Ich wäre sonst 24/7 bei dir und würde mich an deine neue Schwester heranmachen“, scherzte Timo und lachte, was von einem wilden Fluch und einem Rant über seinen Scheiß healer abrupt unterbrochen wurde. Ich verdrehte die Augen, auch wenn ich froh darüber war, dass Timo abgelenkt war. Anders als ich war Timo schon immer gut mit Mädchen klargekommen und hatte schon mehrere Freundinnen gehabt. Im Moment war er wieder Single, nachdem seine Freundin herausgefunden hatte, dass er mehrere Affären nebenher hatte. Besonders zu stören schien es ihn jedoch nicht.

Mein Handy vibrierte, und ich holte es aus meiner Tasche. Eine Nachricht ploppte auf dem Sperrbildschirm auf. Sie war von Loona:

Küche, Kaffee, Reden?

Mein Mund wurde schlagartig trocken, und ich fuhr mir mit der Zunge über meine trockenen Lippen. Es war wohl so weit, die Stunde der Wahrheit war gekommen. Ich starrte wie gebannt auf mein Handy.

John, hallo, hörst du mir zu? " Timo klang ungeduldig. „Kommst du jetzt online und hilfst mir hier aus der Klemme? Oder was? Meine Runde ist gleich vorbei.“

Mein Handy vibrierte erneut, eine weitere Nachricht.

Jetzt, John, müssen wir reden!

„Ich kann leider doch nicht. Tut mir leid, ein anderes Mal. Versprochen!“

„Warum jetzt? Was ist los? Was hast du zu tun, lass mich hier nicht hängen!“

„Später, mein Vater will etwas von mir.“

„Erzähl keinen Unsinn; dein Vater ist zu dieser Zeit nie zu Hause. Außerdem ..." Ich schloss Discord und schnitt Timo mitten im Satz das Wort ab. Meine Hände begannen wieder zu schwitzen. Ich tippte auf ihre letzte Nachricht:

Bin unterwegs.

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