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Chapter 9 by ThormGravis

Findet sie den Fremden?

ja, aber zuerst bewaffnet sie sich

Ein Blick zurück zum Durchgang und der dahinter liegenden Empore, offenbarte Lara nur Zerstörung und qualmende Trümmer. Es war zwar sicherlich möglich, den entstandenen Schaden reparieren zu lassen, zumal es Lara nicht am nötigen Kleingeld mangelte, dennoch empörte es sie auf gewisse Weise, dass jemand in ihrem Anwesen wütete. Gewöhnlich war es Laras Vorrecht, die Heimstätten anderer Personen zu verwüsten. Glücklicherweise war kein Schaden an den kulturell unwiederbringlichen Fundstücken ihrer zahlreichen Reisen entstanden, die sie in verschiedenen Sälen in ihrem Anwesen aufbewahrte, aber dennoch trug der Anblick der Zerstörung nicht gerade zu Laras Stimmung bei.

Ihr erster Gedanke war daher der Wunsch nach Vergeltung. Sie wollte den Fremden nicht zwangsläufig tot sehen, ihm aber eine eindeutige und sehr schmerzhafte Lektion erteilen. Gerade wenn er behauptet hatte, von ihr gehört zu haben, sollte er es doch besser wissen und sich nicht mit ihr anlegen. Aber zunächst brauchte sie eine bessere Bewaffnung. Der Kampf gegen ihre bisherigen Gegner war zwar gut ausgegangen, jedoch würde sie sich mit etwas mehr Distanz-Schlagkraft ausgestattet besser fühlen, besonders wenn sie an den seltsamen Stab des Fremden dachte. Sie war auf ihren Reisen schon diversen Formen von Magie begegnet, doch so etwas wie dieser Zauberstab war ihr noch nicht unter die Augen gekommen. Dieses Artefakt würde sich sicherlich gut in ihrer Sammlung machen, was ein tröstlicher und anspornender Gedanke war.

Mit ein wenig Glück hielt der seltsame Fremde sie für tot. Dann würde seine Wachsamkeit vielleicht sinken und im günstigsten Fall würde er keinen seiner Schergen - wie viele er davon auch immer mitgebracht hatte - vor der Waffenkammer Wache stehen lassen. Dennoch ließ sich Lara nicht zur Unvorsichtigkeit hinreißen und bewegte sich schleichend durch die Gänge von Croft Mansion. Als sie den Saal mit südostasiatischer Kunst und (geraubten) Relikten dieser Gegend durchqueren musste, wartete sie einige Augenblicke im Schatten einer alten Statue, die sich neben der Tür erhob. Von dort spähte sie in den Saal und zu den anderen Türen, ob es irgendwo eine verdächtige Bewegung gäbe, aber scheinbar lauerte hier kein Gegner auf sie. Sie wartete noch einige Herzschläge lang, in denen sich ihre prallen Brüste im Bikini leicht hoben und senkten, dann lief sie quer durch den Raum und den nächsten Gang entlang.

Schließlich gelangte sie zur Tür ihrer Waffenkammer, die mit starken Stahlbolzen in Rahmen und Schloss gesichert war. Es gab keine Spuren für den Versuch, gewaltsam hier einzudringen. Sie drückte ihren Daumen auf das Scanfeld des Touchscreens, dann gab sie einen elfstelligen Code ein. Die Tür wurde elektronisch entriegelt und Lara schlüpfte in den Raum hinein. Da er keine Fenster oder anderen Ausgänge besaß, wagte sie es, das Licht einzuschalten. Die Lampe flackerte kurz und erhellte dann ein wahres Arsenal an Handfeuerwaffen, Messern, schusssicheren Westen und anderem Zubehör, das wahrscheinlich ausreichte, eine ganze Kompanie auszurüsten. Einige Kisten mit Munition, Handgranaten und Dynamit waren in akkurat beschrifteten Kisten an der hinteren Wand gelagert. Als Privatperson durfte Lara laut britischem Recht dies alles wohl nicht besitzen, aber darum hatte sie sich noch nie geschert. Offiziell waren all die hier versammelten Gerätschaften als Sport- und Jagdwaffen deklariert und dank ihrer Zugehörigkeit zum Adel überprüfte kein Staatsdiener die Richtigkeit dieser Angaben.

Lara schnallte sich einen Gurt um die Hüfte und steckte zwei Desert Eagle in die Holster. Dazu kamen einige Extra-Magazine und ein Messer, die sie in den Laschen des Gürtels verstaute. Schließlich griff sie noch zu einer umgebauten doppelläufigen Flinte, die statt Schrotkugeln Hartgummigeschosse abfeuerte, die weniger tödlich, dafür um so schmerzhafter waren und ohne weiteres Knochenbrüche verursachen konnten. Sie war zwar keine Freundin solch unhandlicher, klobiger Waffen, doch bei der Widerstandsfähigkeit der schwarzen Hünen wollte sie kein Risiko eingehen. Sie schulterte die Flinte und fühlte sich besser. So ausgerüstet konnte es auf die Jagd gehen.

Die Suche nach dem Fremden erwies sich als einfacher als gedacht, denn nach dem Verlassen der Waffenkammer hörte sie einen Singsang, der sie verdächtig an kultische Zeremonien erinnerte. Sie folgte dem Geräusch, bis sie sich sicher war, dass die Stimme aus dem Saal mit ostafrikanischer Kunst kam. Für diesen Kulturbereich hatte Lara einen eigenen Saal einrichten müssen, da allein ihre Reisen nach Ägypten schon genügend Beutestücke für eine ganze Ausstellung eingebracht hatten. Die meisten geraubten... ähm... organisierten Gegenstände hatte sie irgendwelchen Museen vermacht, da Croft Mansion sonst mittlerweile aus allen Nähten platzen würde. Nur die wertvollsten Stücke behielt sie für sich selbst.

Lara vermied den Haupteingang zum Saal, sondern schlich sich auf Umwegen und eine alte Treppe, die heute kaum noch genutzt wurde, zu einem kleinen Söller direkt über der vier Meter großen Statue Thutmosis III., von der die ägyptische Regierung glaubte, sie sei bei einem Grabeinsturz zerstört worden. Lara ließ die Bürokraten gerne in diesem Glauben, sonst hätte sie sie auf diplomatischen Druck vielleicht zurückgeben müssen. Sie Statue war nicht nur wunderschön und eines der wenigen Bildzeugnisse des Pharaos der 18.Dynastie, sondern in diesem Fall auch eine hervorragende Deckung für Lara, aus deren Schutz sie genau beobachten konnte, was der Fremde tat.

Was kann Lara beobachten?

Comments

      More fun
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