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Chapter 74 by ThormGravis

Wo landen sie? Wie geht es weiter?

eine einsame Landebahn

Level III: Bolivien

Eine halbe Stunde später stieg Lara Croft aus dem Flugzeug, das auf einer alten Flugbahn im Nirgendwo gelandet war. Es gab keine Hangars und kein Terminal. Der Tower war halb verfallen und von allen Seiten war der Dschungel des bolivianischen Hochlandes nahe herangekommen. Die asphaltierte Piste hingegen war sorgsam gepflegt und wurde offenbar von allen Versuchen der Natur, dieses Terrain endgültig zurückzuerobern, geschützt.

Für Lara lag der Fall klar auf der Hand: Eine gut in Stand gehaltene Landebahn, die einem modernen Learjet eine sanfte Ankunft erlaubte, gelegen in einer einsamen Gegend Südamerikas und dazu ohne Flughafengebäude, konnte eigentlich nur bedeuten, dass hier gewöhnlich Drogenschmuggeln stattfand. Wahrscheinlich landeten hier in regelmäßigen Abständen Cessnas, die mit Kokainpäckchen beladen wurden, und dann unter dem Radar weiterflogen. Lara kam der Gedanke, dass es sich bei Sanches´ einflussreichem Freund, für den er sie hierher gebracht hatte, höchstwahrscheinlich um einen Drogenbaron handelte. Vielleicht hatte er Sanches das Amt eines Generalkonsuls nur verschafft, damit dieser - ausgestattet mit diplomatische Immunität - die verbotenen Waren nach Europa schaffte.

Lara Croft blieb für einen kurzen Augenblick auf der obersten Stufe der kleinen Treppe stehen, die ausgeklappt worden war, um einen bequemen Ausstieg zu gewährleisten. Sie trug wieder ihr typisches Outfit bestehend aus Stiefeletten, einer provokant knappen Hotpants, die ihren Arsch betonte und unter der sich nur ein winziger String versteckte, sowie einem bauchfreien Top, dessen großzügiger Ausschnitt von ihrem prachtvollen Vorbau ausgefüllt wurde. An ihre Oberschenkel waren zwei Holster mit Desert Eagle geschnallt. Lara musste zugeben, dass es sich großartig anfühlte, wieder Pistolen am Leib zu tragen. Ihre Augen wurden von einer stylischen Sonnenbrille bedeckt und über der Schulter trug sei einen Rucksack, den sie mit sorgsam ausgewähltem Inventar gefüllt hatte.

"Wo sind wir hier?" fragte sie, während sie die Treppe herabstieg.

"Ich glaube nicht, dass dieser Flugplatz einen Namen hat", antwortete Sanches, der sich von dem Marathonfick immer noch nicht erholt hatte und seinen fetten Leib mühevoll die kurze Treppe herunter wuchtete. Er deutete nach Westen. "In etwa zwanzig Kilometer kommt dort der Punkt, an dem sich die Grenzen von Bolivien, Chile und Peru treffen." Dann zeigte er auf einen Berg im Südwesten: "Das ist der Nevado Sajama, der höchste..."

"Schon klar", unterbrach ihn Lara, "der höchste Berg in Bolivien. Ungefähr 6500 Meter hoch. Ein Vulkan, wenn ich mich recht entsinne, der aber schon lange nicht mehr ausgebrochen ist. Im Pleistozän, nicht wahr?"

"Kann schon sein." Sanches zuckte mit den Achseln. "Jedenfalls kamen alle Berichte, die meinen Freund beunruhigen aus dieser Gegend."

"Das ist etwas vage. Ein paar hundert Quadratkilometer Dschungel auf gut Glück zu durchsuchen wird nicht viel bringen, wenn ich keine anderen Anhaltspunkte habe. Das könnte Jahre dauern und ich hätte dennoch nur oberflächlich gesucht." Es war weniger eine Kritik als eine nüchterne Feststellung. Lara hatte große Lust darauf, wieder in einen Dschungel einzutauchen. Vorfreude auf Entdeckung und Gefahren pochte in ihren Adern.

"Ich habe dir auf dieser Karte drei Punkte markiert", erläuterte Sanches und reichte ihr das zusammengefaltete Papier. "Punkt A ist ein verlassenes Dorf eines indigenen Stammes, aus dem die ersten Berichte kamen. An Punkt B findest du einen alten Handelsaußenposten an einem Dschungelfluss. Er wird von einem Kerl namens Stevens betrieben, einem sonderbaren alten Kauz, der von Indios alte Artefakte und Fundstücke kauft und sie im Gegenzug mit abgelaufenen oder durch die Studien gefallenen Medikamenten zu überteuerten Preisen versorgt."

"Ein reizendes Kerlchen", kommentierte Lara und warf einen prüfenden Blick auf die Karte. "Und was ist Punkt C?"

"Das ist eine alte Tempelanlage, die noch nicht sonderlich gut erforscht ist. Mein Freund aus dieser Gegend, der mich um Hilfe gebeten hat, hat viele Geschichten gehört, dass es dort unheimlich zugehen soll. Angeblich gibt es dort eine obskure Sekte. Keine Ahnung, ob das etwas mit unserem Problem zu tun hat, aber ich dachte es kann nicht schaden, wenn du davon weißt."

Lara nickte und verstaute die Karte wieder. "Ich nehme an, dass du nicht mitkommst oder hier wartest, bis ich wieder da bin." Sie prüfte ihre Waffen und Magazine und warf einen letzten Blick über die im Rucksack verstaute Ausrüstung.

"Ich bin ein sehr beschäftigter Mann, Lara", grinste Sanches, "aber wenn du abgeholt werden willst, benutzt du einfach das Funkgerät. Ich garantiere dir, dass Tag und Nacht jemand bereitsteht, um dich zu holen. Keine halbe Stunde nach deiner Meldung landet ein Pilot wieder hier an Ort und Stelle. Und in exakt einer Woche schicke ich auch eine Maschine vorbei, falls das Funkgerät versagen sollte."

"Klingt vernünftig", attestierte Lara. "Dann wäre da nur noch eine Sache..."

"Aber sicher doch." Sanches grinste und zückte eine kleine Injektionspistole, in der bereits ein Röhrchen mit einer gelblichen Flüssigkeit eingespannt war. "Wie versprochen: Ein kleiner Vorgeschmack auf das Gegenmittel, damit du im Dschungel vor Geilheit nicht ausläufst." Er setzte die Nadel am Hals der immer noch leicht misstrauischen Grabräuberin an und drückte ab. Die Gelegenheit nutzte er, um Lara nochmals gierig an die Brust zu packen. Lara spürte wie das Mittel sie durchströmte und hoffte, dass Sanches nicht falschspielte. Er erriet offenbar ihre Gedanken und grinste: "Wir haben einen Deal und ich halte mich daran. Wenn du zurückkommst, liegen deine Informationen und die volle Dosis bereit."

Lara nickte und verzichtete auf jeden weiteren Kommentar. Sie wollte endlich los und die Wildnis eines noch weitgehend unberührten Dschungels spüren. Sie wandte sich um und war wenige Schritte später zwischen dem dichten Grün des Urwaldes verschwunden.

Welchen Punkt auf der Karte steuert Lara an? Oder hat sie ein anderes Ziel?

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