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Chapter 45
by
kleinehexe
What's next?
Zwischen zwei Türen
Am Rand des Geschehens, etwas erhöht über dem Bereich der Tanzfläche, standen die beiden nebeneinander. Zurückgezogen aus dem Trubel und ein wenig im Abseits, von wo sie das Geschehen im Blick behalten konnten. Sie unterhielten sich kurz miteinander, während ihre Blicke immer wieder über den Raum wanderten.
Sie brauchte einen Moment in dem hektischen Licht, um sicherzugehen, dass sie sich nicht täuschte. Es war ganz unverkennbar Felix. Schlaffe Körperhaltung, die perfekt zu seinen stillosen Klamotten passte und dabei das gut gefüllte Glas in der Hand. Er wirkte neben Frank so farblos wie ein Schluck Wasser. Seine Ausstrahlung erfasste sie erneut und lächelnd dachte sie an ihr erstes Zusammentreffen im Büro von Felix zurück. Auch wenn dieses nur sehr kurz gewesen war, so hatte er doch Eindruck hinterlassen.
Sie konnte ihren Blick nicht von ihm abwenden und beobachtete die beiden verstohlen weiter. Während Felix irgendetwas Raues, Unangepasstes an sich hatte, wirkte Frank fast schon zu gut für diesen Ort. Gepflegtes Hemd, ruhige Bewegungen und eine Ausstrahlung, die selbst noch aus der Entfernung wirkte.
Fast im selben Moment sah Felix zu ihr herüber. Erst beiläufig, dann blieb sein Blick an ihr hängen. Ein leichtes Erkennen huschte sichtbar über sein Gesicht. Er beugte sich zu Frank hinüber und sagte etwas zu ihm. Auch Frank blickte jetzt zu ihr und lächelte. Es war kein aufdringliches Lächeln von ihm. Eher ein ruhiges, welches aber sein Interesse an ihr in sich trug.
Caroline zögerte noch einen Moment bevor sie innerlich mit den Schultern zuckte. Was soll's. Sie setzte sich in gespielter Langsamkeit in Bewegung und schlängelte sich durch das Gedränge.
„Na, wen haben wir denn da?“, begrüßte sie Felix als Erster und hob leicht eine Augenbraue. „Hast wohl schon Sehnsucht nach uns?“ Sein Ton war dabei nicht unfreundlich, aber auch nicht besonders herzlich. Offenbar wusste er nicht recht, wie er mit der Situation umgehen sollte.
„Wir kennen uns doch“, fragte Frank sie direkt und reichte ihr die Hand. „Letztes Wochenende, richtig?“
„Stimmt“, erwiderte Caroline. „Sie waren doch von dem Etablissement nebenan.“
Ein kaum merkliches Grinsen huschte über Franks Gesicht. „Frank.“ Noch immer hielt er ihre Hand dabei und sah ihr in die Augen. „Und Du bitte.“ Es kostete sie Kraft, sich von seinem Blick zu lösen und wieder Felix zuzuwenden.
„Du scheinst ja jedenfalls keine nach mir zu haben, so wie Du mich einfach abbestellt hast“, kommentierte sie jetzt seine dämliche Begrüßung von eben und genoss es, ihm dabei Contra zu geben.
„Abbestellt?“ Frank zog leicht eine Augenbraue hoch und sah von ihr fragend zu Felix. „Hab ich da was verpasst?“
Felix nahm einen Schluck aus seinem Glas, als müsste er erst überlegen, ob sich eine Antwort überhaupt lohnen würde. „Ach, nichts Dramatisches“, sagte er schließlich und zuckte dabei mit den Schultern. „Sie war nur für ein Wochenende. Und außerdem hab ich im Moment genug Leute.“
Caroline verschränkte provozierend die Arme vor der Brust. „Hmm, komisch? Am Freitag klang das noch ganz anders“, stichelte sie weiter.
Felix verzog kurz den Mundwinkel. „Ja, ist auch schon wieder ein paar Tage her“, wiegelt er schließlich ab. Frank betrachtete Caroline einen Moment lang schweigend, wobei sein Blick dabei unauffällig über sie glitt, als würde er prüfen, ob das Bild in seinem Kopf zusammenpasste.
„Du hast doch hier gearbeitet?“ hakte er schließlich nach.
„Nur kurz“, antwortete sie knapp. „Als Aushilfe an der Bar.“
„Interessant“, meinte er schließlich. „Weil… bei mir nebenan suchen wir auch ständig Aushilfen und neuen Gesichtern.“
Felix stieß ein trockenes Lachen aus. „Natürlich tust du das.“
Frank ignorierte einfach seinen Kommentar und wandte sich ein Stück mehr Caroline zu. „Ist tatsächlich so. Uns fehlt eigentlich ständig jemand.“
„Im Stripclub?“ Caroline zog dabei leicht die Augenbrauen zusammen und lächelte ihn tiefblickend an. Innerlich amüsierte sie das gerade immer frivoler werdende Gespräch. Auch wurde ihr gerade bewusst, wie dicht er bei ihr stand, wobei sie jedoch seine Nähe nicht als unangenehm empfand.
„So könnte man diesen Ort nennen“, bestätigte er und lächelte sie ruhig an. Auch er schien mehr und mehr Gefallen an diesem Talk zu haben.
„Pass auf, Frank verkauft dir das gleich wie einen Wellnessurlaub“, grätschte Felix plötzlich direkt dazwischen und schnaubte sichtbar unhörbar neben ihnen.
„Ich verkaufe gar nichts“, erwiderte Frank gelassen. „Ich stelle nur fest, dass jemand offensichtlich Arbeit sucht und mein lieber Kollege hier sie gerade vor die Tür gesetzt hat.“
Felix drehte den Kopf zu ihm. „Ich hab sie nicht vor die Tür gesetzt“, versuchte er sich erneut zu erklären.
„Nein? Klang gerade noch so.“
Caroline spürte, wie sich zwischen den beiden eine kleine Spannung aufbaute und konnte sich ein Grinsen nicht ganz verkneifen. Das Missfallen von Felix darüber, dass sie sich so gut mit Frank verstand, amüsierte sie zusehends.
Frank wandte sich wieder Caroline zu. Sein Ton war ruhig und bestimmt. „Ganz ehrlich“, sagte er. „Der Laden nebenan ist vielleicht nicht jedermanns Sache. Aber er läuft gut. Und die Leute verdienen ordentlich.“
Caroline musterte ihn kurz, als wollte sie abschätzen, ob er das jetzt ernst meinte. „Und was genau sollte ich dort dann machen?“
Frank lächelte wieder dieses ruhige, beinahe geduldige und beruhigende Lächeln.
„Das kommt ein bisschen darauf an“, sagte er „Im Prinzip aber Bedienung. Also nichts, was Du hier nicht auch schon gesehen hättest.“
Felix schüttelte leicht den Kopf. „Du vergisst den Teil mit den Stangen.“
„Die gehören zum Ambiente“, entgegnete Frank trocken.
Caroline lachte laut auf. „Ich weiß ja nicht“, sagte sie schließlich und flirtete zurück „also Stripclubs haben ja irgendwie so einen … Ruf. Ich hab da so Sachen gehört?“
„Viele Dinge haben einen Ruf“, erwiderte Frank entspannt. „Die Realität ist meistens weniger dramatisch. Warum kommst Du nicht einfach mal mit rüber?“
Dabei deutete er mit dem Daumen in Richtung Ausgang. „Dann kannst Du Dir anschauen, wie schlimm es wirklich ist.“
Caroline spürte, wie ihr die Wärme zu Kopf stieg und sich ein Kribbeln aus Erwartung in ihr ausbreitete.
Sie sah zu Frank und sie sah zu Felix. Zwei Männer, zwei Türen. Und plötzlich lag es allein an ihr, welche sie öffnen wollte.
Auf jeden Fall schien der Abend gerade interessant zu werden.
Und jetzt?
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