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Chapter 3 by kokosmilch kokosmilch

What's next?

Was konnte schon schiefgehen?

Na wunderbar, Celestine. Da hast du dich ja mal wieder selbst übertroffen.

Eigentlich hätte es mir schon im Vornherein klar sein müssen, dass es eine blöde Idee war, mich selbst als Wecker zu versteigern. Aber Sue konnte einfach so penetrant und überzeugend sein, mit ihren Erzählungen von den armen Kindern in Ostafrika, die mit ihren großen Augen so dankbar guckten. Und ja, so hatte ich nach dem vierten oder fünften Gläschen Sekt zugesagt, bei ihrer Auktion mitzumachen.

Noch schlimmer; ich hatte es in meiner Sektlaune sofort lautstark in den Saal hinausposaunt. Da konnte ich danach keinen Rückzieher mehr machen.

Es klang ja auch so beeindruckend und angebracht: Ich, Celestine Morgenstern, die gefeierte Opernsängerin würde eine Matinee als Privatkonzert geben und die Einnahmen für einen guten Zweck spenden. Bessere Publicity konnte man sich kaum wünschen.

Hätte ich nur eine Minute länger nachgedacht, wäre mir aufgefallen, zu was genau ich mich verpflichtete. Prompt hatte natürlich auch kein Kunstkenner das Höchstgebot abgegeben, sondern irgend so ein reicher Schnösel, der in der Pause noch fragte, ob Verdi ein Wein sei.

Also stand ich hier in aller Herrgottsfrühe in dieser verschlafenen Vorstadtstraße, Villengegend. Die Häuser mit breiten Auffahrten und hohen Hecken ringsum. So verlassen, dass selbst die Straßenlaternen gähnten.

Mein Schal flatterte im kalten Wind, während ich in meiner Handtasche nach dem Hausschlüssel kramte, den Leopold Hartmann III. am Abend zuvor mir beinahe feierlich überreicht hatte.

"Bitte pünktlich um sechs Uhr. Bevor meine Hausangestellten da sind."

Was konnte da schon schiefgehen?

Die kleine imaginäre Celestine auf meiner rechten Schulter schrie mir ins Ohr: Hallo?! Bist du noch ganz dicht? Du gehst allein im Dunkeln in die Wohnung eines Wildfremden - das ist der Anfang jeder schlechten Horrorgeschichte. Ihre gutmütige Schwester auf meiner linken Schulter versuchte zu beschwichtigen: Es ist doch für die armen kranken **** in Afrika. Denk an das viele Geld, das du damit der Auktion eingebracht hast. Denk an die großen dankbaren Augen.

Ich schob den Schlüssel ins Schloss und stellte mir vor, dass der gute Herr Hartmann auf der Spendengala zu tief ins Glas geschaut und sich nicht mehr daran erinnerte, dass er meine Morgenarie ersteigert hatte. Im besten Fall hätte er vergessen, die Alarmanlage auszuschalten. Im schlimmsten Fall würde er mich als Einbrecherin von der Polizei verhaften lassen. Ach, herrje.

Nein, Schluss mit Grübeln. Ich straffte meinen Rücken, klemmte den Notenständer, den ich albernerweise mitgebracht hatte, fester unter meinen Arm, atmete tief durch und trat in den unbeleuchteten Flur.

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