What's next?
Vor jeder Frau
Draußen drückte ein nasskalter Spätnachmittag gegen die hohen Altbaufenster der Berliner Eigentumswohnung. Mein Zeitplan war längst kein gewöhnlicher Alltag mehr, sondern ein lückenloses Korsett. Jeden Tag dieselbe Kette: morgens die Forderungen am Kiosk abfedern, in den Freistunden Emmas Referate glätten, nachmittags den hinteren Trakt penibel auf Hochglanz halten, das von Loona verordnete Zirkeltraining absolvieren und nachts die unerbittliche Enge des Käfigs ertragen.
Aus den Kopfhörern meines Headsets dröhnte dumpfer Gefechtslärm. Am anderen Ende der Discord-Leitung stieß Timo einen frustrierten Laut aus, als seine Spielfigur auf dem Monitor zusammenbrach.
„Mann, schon wieder geholt!“, fluchte er und schlug mit der flachen Hand auf seinen Schreibtisch. Dann holte er tief Luft: „Egal, ich quäl mich hier eh nur noch durch, bis morgen früh der Vorabzugang freigeschaltet wird. Hast du dir den neuen Gameplay-Trailer zu *Apex Core* reingezogen? Die Deluxe Edition kostet zwar achtzig Euro, aber die Vorbesteller-Skins sind absolut krank. Holst du es dir direkt um Mitternacht, John? Dann machen wir das ganze Wochenende die Nächte durch wie früher.“
Ein dumpfer Stich fuhr mir durch die Brust. Vor zwei Monaten hätte ich keine Sekunde gezögert.
„Weiß noch nicht, Alter“, brachte ich mühsam hervor. Meine Oberschenkel brannten vom Training, und jede winzige Bewegung auf dem Bürostuhl ließ das Harz gegen meine gereizte Haut scheuern. „Muss erst mal schauen.“
„Wie, du musst schauen?“, hakte Timo ungläubig nach. „Du hast seit dem Sommer von nichts anderem geredet. Du hast doch sonst immer als Erster die Vorbestellerboni mitgenommen. Was ist denn los bei dir?“
„Ziemlich viel Stress mit Klausuren und Familie gerade“, log ich leise.
Die Wahrheit schnürte mir die Kehle zu. Neben meiner Tastatur lagen bereits wieder Emmas handschriftliche Stichpunkte für das nächste Biologie-Protokoll, die ich heute Nacht noch ins Reine tippen musste. Doch das war nicht alles. Auf meinem Smartphone leuchtete die Banking-App.
*Kontostand: 3,48 Euro.*
Drei Euro und achtundvierzig Cent. Mitten im Monat. Mein Vater überwies mir pünktlich ein großzügiges Taschengeld – und doch war es in den letzten acht Wochen restlos verdampft. Zehn Euro hier für Emmas Bistro-Wünsche, fünfzehn Euro für ihre Frappuccinos, Tankgeld für Leons Wagen, teure Druckkosten für ihre Mappen. Ich zahlte diesen Wahnsinn nicht freiwillig. Ich zahlte ihn einzig und allein, weil Loona es mir befohlen hatte, um Emmas Laune und ihr Schweigen zu sichern.
„Du, Timo… ich muss raus“, murmelte ich ins Headset.
„Jetzt schon? Alter, man kriegt dich gar nicht mehr zu fassen in letzter Zeit.“
„Muss noch was erledigen. Wir hören uns.“
Ich fuhr den Rechner herunter, zog das Headset ab und starrte auf das Display. Die nackte Verzweiflung schnürte mir den Magen zusammen. Ich wusste schlichtweg nicht mehr weiter. Morgen früh würde Emma vor mir stehen, die Hand aufhalten oder mich ins Bistro schicken. Wenn ich mich weigerte, verstieß ich gegen {reader:Loonas} strikte Anweisung. Ich brauchte ihren Rat, bevor ich einen Fehler beging, der alles noch schlimmer machte.
Ich ging den langen Dielenflur hinunter zu {reader:Loonas} Zimmer.
Sie saß an ihrem Schreibtisch. Das Haar fiel ihr glatt über die Schultern, das warme Licht einer Designerlampe spiegelte sich auf ihren Zügen. Vor ihr lagen Skripte ihres Studiums, ihre Finger flogen ruhig über die Tastatur. Reine, unnahbare Perfektion.
Ich klopfte leise an den Rahmen. „Loona?“
Das Tippen hielt nicht einmal inne. „Du weißt, dass ich es hasse, wenn man mich unterbricht, John. Was ist los?“
Ich trat zwei Schritte vor und hielt ihr das entsperrte Display hin. Meine Finger zitterten leicht.
„Mein Konto ist leer. Drei Euro achtundvierzig.“
Nun verstummten ihre Hände. Loona drehte sich langsam auf ihrem Bürostuhl herum. Ihre dunklen Augen überflogen die Zahl, dann hob sie den Blick. Kein Anflug von Mitleid, nur ein kühles, abschätzendes Prüfen.
„Ich habe getan, was du verlangt hast“, sagte ich leise, die Stimme fast tonlos vor Überforderung. „Ich habe jeden Cent für Emma ausgegeben. Ihr Frühstück, ihren Kaffee, den Sprit für Leons Auto am Wochenende, ihre Skripte. Aber jetzt ist nichts mehr da. Ich… ich weiß nicht mehr weiter, Loona. Ich will nicht gegen deinen Befehl verstoßen, aber ohne Geld kann ich ihr morgen nichts kaufen. Was soll ich tun?“
Loona lehnte sich langsam zurück, legte die Hände locker auf die Armlehnen und musterte mich. Das schmale, herablassende Lächeln auf ihren Lippen verriet, dass sie meine Hilflosigkeit zutiefst genoss.
„Wenigstens bist du klug genug, vorher zu mir zu kommen, anstatt eigenmächtig den Gehorsam zu verweigern“, stellte sie mit samtener Stimme fest. Sie stand auf, trat vor mich und legte zwei kühle Finger unter mein Kinn. „Aber glaub nicht, dass ich dir Geld schenke oder deine Rechnungen übernehme. Du hast dafür zu sorgen, dass Emmas Wünsche erfüllt werden. Und wenn deine Mittel erschöpft sind, musst du dir eben neue beschaffen.“
„Aber wie?“, flüsterte ich. „Ich halte hier hinten alles sauber, ich mache den Sport, ich tippe ihre Arbeiten ab… ich habe keine Zeit für einen normalen Job.“
„Du brauchst keinen normalen Job, Kleiner. Du musst dich nur im Haus nützlich machen. Vanessa ist vor zwanzig Minuten aus ihrem Studio zurückgekommen. Neunzig Minuten Hot-Yoga, sie ist völlig erledigt und liegt auf der Wohnzimmercouch mit schweren Beinen und Verspannungen.“
Ich blinzelte verwirrt. „Vanessa…?“
„Sie vergöttert mich, John“, säuselte Loona mit einem feinen, stolzen Glitzern in den Augen. „Und sie sieht ganz genau, wie harmonisch und geordnet die Dinge hier hinten laufen. Geh vor ins Wohnzimmer. Hol eine Schüssel mit warmem Wasser und Lavendelblüten. Bring ihr ihren Tee. Massiere ihre Waden und ihre Füße, bis sie vollkommen entspannt ist. Sei höflich, aufmerksam und lass sie spüren, wie gern du ihr dienst. Wenn sie zufrieden ist, wird sie dich belohnen. Sie schwimmt im Geld unseres Vaters. Wenn du Geld für Emma brauchst, verdienst du es dir bei meiner Mutter. Auf den Knien. Geh.“
Zehn Minuten später kniete ich auf dem weichen Wollteppich im Wohnzimmer. Durch die Flügeltüren zog der Duft von Eukalyptuskerzen, die Vanessa auf dem Couchtisch angezündet hatte. Gedimmte Stehlampen tauchten den Raum in ein sanftes Halbdunkel.
Vanessa lag der Länge nach auf dem großen Samtsofa. Sie trug ein eng anliegendes, champagnerfarbenes Yoga-Set, das sich geschmeidig an ihre sportliche Figur schmiegte. Ihre langen, blonden Haare fielen über die Kissen, die Augen hielt sie halb geschlossen. Neben ihr dampfte der Kräutertee, den ich ihr bereitgestellt hatte.
„Das Wasser tut so gut, John“, murmelte sie leise und zog langsam ihre Füße aus der flachen Schale, die ich auf ein Tuch neben das Sofa gestellt hatte. Sie streckte die Beine lang auf den Polstern aus und wandte den Kopf zu mir. Auf ihren Lippen lag ein entspanntes, warmes Lächeln. „Komm ruhig näher. Du musst dich nicht zurückhalten.“
„Ja, Vanessa“, brachte ich hervor.
Ich rutschte auf den Knien bis an das Fußende heran. Das Harzgehäuse spannte bei der Haltung unnachgiebig im Schritt. Ich verteilte etwas Mandelöl auf meinen Handflächen, ließ es anwärmen und schloss die Hände um ihre Fesseln. Ihre Haut war seidig und warm. Mit ruhigen Zügen strich ich ihre Waden nach oben aus.
Vanessa stieß ein langes, wohlwollendes Seufzen aus. Sie schloss die Augen nicht ganz, sondern sah mit einem vagen, fast verträumten Blick zu mir herab.
„Du bist so aufmerksam in letzter Zeit“, sagte sie leise. Ihre Stimme war melodisch, freundlich und doch schwang ein feiner, doppelbödiger Unterton mit. „Mir ist nicht entgangen, wie sehr du dich an Loona orientierst. Sie hat im hinteren Trakt der Wohnung wirklich die Führung übernommen, nicht wahr?“
Ein kleiner Schreck fuhr mir durch die Glieder, doch ich knetete gleichmäßig weiter. „Wir… teilen uns das eigentlich auf.“
Vanessa lachte leise auf – ein warmes, wissendes Glucksen. „Ach, John. Dein Vater glaubt vielleicht, dass ihr euch die Hausarbeit teilt. Aber ich habe Augen im Kopf. Ich sehe doch, dass du den gesamten hinteren Bereich allein sauber hältst. Jeden Staubkrümel, jedes Bad. Und die Ernährungsumstellung, deine Workouts am Nachmittag… das kommt nicht von dir allein. Das ist {reader:Loonas} Einfluss.“
Meine Wangen fingen augenblicklich Feuer. Die brennende Scham, vor ihr auf dem Boden zu kauern, während sie meine Unterordnung so mühelos benannte, schnürte mir die Kehle zu.
Sie bemerkte meine Verlegenheit sofort. Eine Hand hob sich vom Sofa und strich mir mit erstaunlicher Sanftheit über das Haar am Hinterkopf.
„Du brauchst dich überhaupt nicht zu schämen, John“, flüsterte sie mit beruhigender Weichheit. „Wirklich nicht. Loona hat einfach diese ganz besondere Art, Menschen für sich einzunehmen. Sie hat so einen unglaublichen Einfluss auf ihr Umfeld… ganz besonders auf Männer. Es ist faszinierend zu sehen, wie sie dich dazu bringt, über dich hinauszuwachsen und Verantwortung zu übernehmen. Ich finde das wunderbar.“
Ich senkte den Blick auf ihre Beine, unfähig, etwas zu erwidern.
„Mach dir keine Gedanken wegen deines Vaters“, fuhr sie leise fort, während ihre Finger sanft durch meinen Nacken glitten. „Er hat seine ganz eigenen, ziemlich altmodischen Vorstellungen davon, wie ein Mann zu sein hat. Dieses ganze verstaubte Macho-Gehabe… er würde so ein feines Gespür für Hingabe und Rücksichtnahme gar nicht verstehen. Er würde nur unruhig werden. Deshalb bleibt das auch einfach unser kleines Geheimnis. Ich werde ihm nichts davon erzählen, versprochen. Du machst das großartig.“
Sie zog die Beine ein Stück an, sodass ihre nackten, zarten Füße direkt vor meiner Brust lagen.
„Vergiss die Fußsohlen nicht, John. Nach den vielen Stunden im Stand brauchen die Ballen den meisten Druck.“
Ich nahm etwas mehr Öl, fasste ihre Fersen und drückte mit den Daumen kreisend in ihr Fußgewölbe. Sie lehnte den Kopf zurück, ließ die Schultern fallen und gab sich meinen Händen vollkommen hin. Jedes Mal, wenn sie leise aufseufzte, pulsierte mein gepeinigter Körper gegen den unbarmherzigen Kunststoff. Sie sprach nicht von Herrschaft oder Abrichtung – ihre Worte blieben wohlwollend, sanft und doch erdrückend klar: Sie wusste, wer in diesem Haus das Sagen hatte, und sie genoss es, dass ich mich fügte.
Nach einer knappen halben Stunde zog sie die Beine langsam zurück und richtete sich geschmeidig auf. Sie griff nach ihrer Handtasche neben dem Sofa, zog zwei druckfrische Fünfzig-Euro-Scheine heraus und hielt sie mir mit einem freundlichen Lächeln hin.
„Für deine Mühe, John. Hundert Euro. Du hast mir den Abend gerettet. Wenn du Zeit hast, können wir das nach meinen anstrengenden Tagen gerne wiederholen.“
Ich nahm das Geld mit zittrigen, öligen Fingern entgegen. „Vielen Dank, Vanessa.“
Ich brachte die Schüssel und die Handtücher weg, wusch mir die Hände und lief auf wackligen Beinen den Dielenflur zurück. Mein Herz schlug mir bis zum Hals.
An ihrer Zimmertür lehnte Loona. Sie hatte die Arme verschränkt, das Haar fiel ihr über die Schulter, und ihr Blick bohrte sich sofort in mich.
„Und?“, fragte sie leise, mit einem spöttischen Zug um die Lippen. „Hast du bekommen, was du wolltest?“
Ich blieb vor ihr stehen, hielt die beiden Scheine fest in der Hand und schluckte trocken. „Ja. Sie war sehr zufrieden. Hundert Euro.“
Ein leises, amüsiertes Lachen entkam ihrer Kehle. Sie musterte mich von oben bis unten, trat einen Schritt näher und legte den Kopf schief.
„Hundert Euro… sieh mal an“, schnurrte sie, und ihre Augen funkelten voller Schadenfreude. „Weißt du, was mir gerade klar wird, Kleiner? Denk mal ganz genau nach. Du hast jetzt buchstäblich vor jeder einzelnen Frau in diesem Haushalt auf den Knien gelegen.“
Ich erstarrte. Meine Augen weiteten sich, während ihre Worte in mein Bewusstsein einsickerten.
Vor Loona auf dem Boden ihres Zimmers. Vor ihrer Mutter eben auf dem Teppich des Wohnzimmers. Und vor der Putzfrau, als ich letzte Woche auf allen Vieren die Fliesen im hinteren Flur nachgewischt hatte, während sie kopfschüttelnd an mir vorbeigegangen war.
Mein Atem stockte. Eine Welle ohnmächtiger Erregung schoss wie ein Stromstoß durch mein Becken. Unter dem dünnen Stoff meiner Jogginghose drückte mein Fleisch schlagartig mit einer solchen Wucht gegen das Harzgehäuse, dass mir vor Schmerz und Lust der Atem wegblieb. Ich wurde steinhart – eingesperrt, hilflos und vollkommen entblößt vor ihren Augen.
Loona bemerkte mein Keuchen, sah den Ruck in meiner Haltung und grinste eiskalt.
„Ganz genau, John“, flüsterte sie zufrieden, strich mir flüchtig über die Wange und drehte sich um. „Genau da gehörst du hin. Und jetzt geh schlafen. Du musst morgen früh fit sein für Emma.“
Die Tür fiel vor mir ins Schloss. Mit zitternden Knien und brennendem Fleisch schleppte ich mich in mein Zimmer. Ich legte die Scheine auf den Schreibtisch, streifte die Kleidung ab und kroch unter die Bettdecke. Das Gehäuse schnürte mich gnadenlos ein, mein Puls hämmerte in den Schläfen – und mit dem Gedanken an die Frauen, die mein gesamtes Dasein beherrschten, glitt ich in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
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