Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Chapter 44
by
kleinehexe
What's next?
Vor der Tür zu einer fremden Welt
Der Regionalzug setzte sich mit einem leisen Ruck in Bewegung. Das gleichmäßige Rattern der Räder mischte sich mit dem gedämpften Murmeln der wenigen Fahrgäste im Waggon. Caroline saß am Fenster und hielt die frisch gedruckte Ausgabe vom Stadtanzeiger in den Händen. Sie hatte sie sich noch schnell am Bahnhofskiosk besorgt. An diesem Morgen hatte sie den Verlust ihres Autos erneut verspürt. Erst war sie wie eine Irre zum Bus gehetzt, um ihren Anschluss mit der Bahn nicht zu verpassen, um dann jedoch mit deren Verspätung leben zu müssen. Wie einfach hätte es doch alles sein können mit einem fahrbaren Untersatz.
Der Geruch von Druckerschwärze stieg ihr in die Nase, während draußen langsam die Vororte an ihr vorbeizogen. Ihr Blick blieb an der Titelseite hängen. Der Artikel über den Überfall am Postplatz nahm tatsächlich den größten Teil der Seite ein. Genau so, wie sie ihn gestern Nachmittag geschrieben hatte. Absperrbänder, das SEK im Hintergrund, eine der Aufnahmen, die sie am Tatort gemacht hatte.
Für einen Moment breitete sich ein zufriedenes Gefühl in ihr aus. Der Text war sauber gesetzt und ohne Änderungen gedruckt. Die Einleitung war genau so, wie sie sie geschrieben hatte. Selbst der Verweis auf den ausführlichen Bericht im Innenteil stand an der gleichen Stelle. Zufrieden blätterte sie um und erkannte auch dort ihren Text sofort wieder. Absatz für Absatz, Satz für Satz. Und dennoch blieb ihr Blick an einer Stelle hängen.
Unter der Überschrift stand kein Name. Kein „Caroline Feldmann“. Kein einziger Hinweis auf sie, die Autorin. Einzig und allein: „Die Redaktion“. Sie runzelte leicht die Stirn und ließ den Blick noch einmal über die Seite wandern, als würde sich der fehlende Name beim zweiten Hinsehen vielleicht doch noch irgendwo verstecken. Aber das tat er nicht. Schlagartig schossen ihr die Worte ihres Redakteurs durch den Kopf. „Leider werden wir Ihren Namen nicht unter den Artikel schreiben können. Damit werden Sie wohl oder übel leben müssen.“
Nachdenklich strich sie mit den Fingern über den Rand der Zeitung und lehnte den Kopf gegen die Fensterscheibe. Die Landschaft flog draußen an ihr vorüber, während der Fakt an ihrem Ego kratzte. So hatte sie sich das Ganze nicht vorgestellt. Sie war davon ausgegangen, dass er sich dabei lediglich auf ihre Kolumne bezogen hatte. Jetzt schien es so, als würde die nächste Zeit dann alles von ihr inkognito veröffentlicht. Auch wenn sie wusste, dass er sie damit nur schützen wollte, wurmte es sie trotzdem.
Unwillkürlich wanderten ihre Gedanken wieder zu dem Anruf vom Vortag und dem bevorstehenden Treffen. Je näher dieser Termin rückte, desto deutlicher spürte sie dieses eigenartige Gemisch aus Neugier und freudiger Erwartung in sich. Die Stimme der Frau am anderen Ende war ruhig gewesen. Sachlich und **** professionell. Ganz anders, als sie es erwartet hätte. „Morgen um zehn.“ Ein Satz, so einfach gesagt, und gleichzeitig die Eintrittskarte in eine ihr fremde, unbekannte Welt.
Caroline verzog leicht den Mund. Allein schon der Gedanke daran fühlte sich noch immer seltsam an. Sie hatte sich zwar in den letzten Tagen durch unzählige Artikel, Videos, Blogs und ein paar halbseidene Foren geklickt, doch je mehr sie sah und las, desto klarer wurde ihr, wie wenig sie doch über diese Welt tatsächlich wusste. Zusätzlich zu den Fragen, welche sie sich für das Interview zurechtgelegt hatte, stellten sich ihr ganz andere Fragen. Wie würde dieses Gespräch wohl ablaufen? Würde sie einfach an einem Tisch sitzen und Fragen stellen wie bei jedem anderen Interview? Oder erwartete sie etwas anderes? Allein der Gedanke ließ sie kurz nervös lächeln.
Trotzdem konnte sie nicht verhindern, dass sich in ihrem Kopf Bilder formten, gespeist aus ihrem Halbwissen und allgemeinen Klischees. Dunkle Räume mit Spielzeugen aus Leder und seltsamen Möbeln, in denen Rollenspiele zwischen Dominanz, Kontrolle und Unterwerfung stattfanden. Alles Dinge, über die sie bisher nur gelesen hatte und die nicht recht in ihre Vorstellungen von realen Sexpraktiken passen wollten. Sie schüttelte leicht den Kopf, als wollte sie die Vorstellungen wieder loswerden.
Aber genau deshalb saß sie hier im Zug. Um herauszufinden, wie viel davon überhaupt stimmte. Sie faltete die Zeitung langsam zusammen und legte sie neben sich auf den Sitz. Draußen zog eine weitere kleine Station ohne Halt vorbei. Dennoch begann der Zug bereits langsamer zu werden. Caroline richtete sich auf und sah wieder aus dem Fenster. Sie griff nach ihrem Handy und öffnete noch einmal die gespeicherte Route. Zug bis hierher, dann der Bus.
Der Zug rollte in den Bahnhof ein und kam mit einem leisen Zischen zum Stehen. Nur wenig später stand sie wieder draußen in der Wärme des Vormittags und war auf dem Weg zur Bushaltestelle. Ein paar Fahrgäste warteten bereits unter dem kleinen Glasdach der Haltestelle. Sie stellte sich etwas abseits und warf erneut einen Blick auf ihr Handy. Die Adresse stand dort noch immer. Unspektakulär und irgendwo am Stadtrand gelegen, wie ihr Google Maps bereits verraten hatte.
Die Fahrt dauerte nur wenige Minuten. Zu kurz, um sich wirklich abzulenken, aber lang genug, damit ihre Gedanken wieder anfingen zu kreisen. Als sie schließlich ausstieg, war die Straße wie erwartet ruhig. Keine Geschäfte, kein großes Treiben, keine Passanten. Nur ein paar parkende Autos zwischen den Bäumen am Gehweg. Ihr Handy wies ihr zielsicher den Weg auf den letzten Metern.
Schließlich blieb sie stehen. Eine etwas eingerückte und von Bäumen umgebene ältere Villa aus dem vergangenen Jahrhundert. Von außen sah das Gebäude vollkommen unspektakulär aus. Caroline sah nochmals auf ihr Handy, wo Google Maps bereits siegessicher verkündete, sie habe ihr Ziel erreicht.
Der einzige Zugang schien die Zufahrt von der Straße zu sein, welche jedoch durch ein massives, schmiedeeisernes Tor verschlossen war. An der Seite machte sie die in eine Messingplatte eingelassene Sprechanlage mit dem Schriftzug „Winter“ aus. Kein Zweifel. Hier war es. Für einen Moment blieb sie einfach stehen und betrachtete die Sprechanlage.
Bisher war alles nur Theorie gewesen. Recherche im Web, E-Mails, ein Telefonat. Aber jetzt war sie tatsächlich hier. Sie atmete noch einmal tief durch und drückte nach kurzem Zögern den Knopf der Sprechanlage.
What's next?
News-News-News
Von den Abenteuern einer ehrgeizigen Reporterin - Wie weit ist sie bereit zu gehen?
Von den Abenteuern einer ehrgeizigen Reporterin - Wie weit ist sie bereit zu gehen? Storyupdate 15.02.2026 -> jetzt Public
Updated on Apr 15, 2026
by Papas_Liebling
Created on Aug 3, 2023
by kleinehexe
- All Comments
- Chapter Comments
