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Chapter 10 by Reyhani Reyhani

What's next?

Thomas improvisiert

Am besten setze ich meinen Entschluss gleich in die Tat um. Unangenehme Mails soll man nicht aufschieben, sonst erledigt man sie nie. Und das wäre fatal, mir läuft die Zeit davon. Wer weiß, was Dirk auf seiner Shoppingtour mit Sina so anstellt? Je eher Lily ihn abzieht, umso besser.

>Liebe Lily, können wir uns schnell treffen? Ich vermisse dich und muss dringend mit dir über den Versuch sprechen. Etwas

Ich höre auf zu schreiben, starre einen Moment ins Leere und lösche alles wieder. Sie hatte mir ja eingeschärft, unser Verhältnis geheim zu halten und nicht mit der Arbeit zu vermischen. Also fange ich noch einmal an:

>Sehr geehrte Frau Dr. Gregorius, könnte ich sie um ein persönliches Gespräch über das Projekts Seidenspinner bitten. Es haben sich unerwartet Komplikationen bezüglich

„Thomas!“

Hat man hier denn nie seine Ruhe?! Was will Jessica denn jetzt schon wieder?

„Sofort kommst du her!“

Das klingt allerdings dringend. Seufzend erhebe ich mich aus meinem Bürostuhl und mache mich auf die Suche. Ich finde sie im Schlafzimmer auf dem Rücken auf dem Bett liegend. Ich räuspere mich, aber sie rührt sich nicht, starrt weiter an die Decke.

„Thomas, wir müssen reden“, sagt sie mit einer Grabesstimme, ohne mich anzusehen.

Mir wird erst kalt, dann heiß. Ich nehme an, dass es um Dirk geht. Oder weiß sie von mir und Lily? Ich muss vorsichtig sein. Vielleicht kann sie mir sogar helfen. Also gehe ich in die Offensive:

„Du hast recht, Schatz, ich muss mich entschuldigen, dass ich Dirk so plötzlich und für so lange hier einquartiert habe. Jetzt, wo Sina da ist, ist es wirklich zu eng. Und hast du gesehen, wie er unser Mädchen ansieht?! Er muss sofort gehen!“

Jessica hat den Kopf gehoben und starrt mich mit offenem Mund an.

„Oder bist du anderer Meinung?“, hake ich ein bisschen unverschämt nach.

Jetzt findet meine Frau ihre Sprache wieder.

„Das ist mal wieder typisch: Wenn es um dein Prinzesschen geht, dann wirst du aktiv. Aber mir gegenüber kriegst du den Mund nicht auf. Keine Erklärung, kein gar nichts. Was glaubst du, was für ein schlechtes Gewissen ich gehabt habe? Dafür hat meine Hirnkapazität gerade noch gereicht. Davon abgesehen war ich in der letzten Woche doch nur die Fickpuppe von deinem sogenannten besten Freund, seine Schwanzanbeterin, seine läufige Stute …“

„ … rossige Stute. Hündinnen sind läufig …“

Ich kann grade noch einem Kissen ausweichen, das Jessica auf mich schleudert. Sie kniet jetzt im Bett und funkelt mich böse an.

„Und dann beobachtest du uns auch noch und fängst an, dir darauf einen runterzuholen. Mit meinem schlechten Gewissen dir gegenüber ist es seitdem endgültig vorbei. Ich will endlich eine Erklärung oder ich packe meine Sachen!“

Das ist nicht wirklich eine Option. Dann müsste ich Dirk ganz alleine von Sina fernhalten. Und irgendeine Erklärung hat sie ja wirklich verdient. Jetzt bin ich derjenige mit dem schlechten Gewissen. Allerdings kann ich ihr ja auch schlecht sagen, dass ich sie als Versuchskaninchen in einer Studie zu Sexuallockstoffen, an denen meine Firma forscht, an meine Chefin verkauft habe.

Wohl oder übel muss ich improvisieren.

„Schatz, ich wollte dir doch nur etwas Gutes tun. Wir schlafen doch schon so lange nicht mehr miteinander und da dachte ich ... Als ich Dirk zu uns eingeladen habe, habe ich ihm quasi die Erlaubnis gegeben. Er war schon in der Schule als Casanova bekannt und offenbar hat sich nichts an seinen Fähigkeiten und an seiner Ausstattung geändert. Das hätte ich dir ja wohl unmöglich vorher sagen können, oder?!“

Jessica lauert misstrauisch. Offenbar ist sie immer noch wütend und weiß nicht so recht, ob sie mir glauben soll. Ich fahre fort, meine Geschichte auszuschmücken.

„Ich weiß, das ist alles ein bisschen unorthodox. Aber ich habe einfach nach dem ersten Strohhalm gegriffen, der sich mir angeboten hat. Das war Dirk. Und gefallen tut es dir doch schon irgendwie, nicht?! Ich finde es jedenfalls sehr heiß, euch zuzugucken. Ich weiß auch nicht, was da in mir vorgeht.“

Das ist jetzt ausnahmsweise mal die Wahrheit. Ich habe wirklich keine Ahnung. Eine Vermutung vielleicht. Es muss sich um so eine Art Rückkopplung handeln. Wir haben einen Sexuallockstoff entwickelt und Dirks Aftershave damit präpariert. Dabei haben wir einen revolutionären Ansatz verfolgt. Es ist die männliche Version von Jessicas eigenen Pheromonen, die sie während des Eisprungs ausdünstet. Ich habe während der Vorbereitungsphase den Wäschekorb geplündert – was man nicht alles für die Wissenschaft tut. Der Wirkstoff, den Dirk benutzt, ist also speziell auf Jessica eingestellt.

Aber auf einmal habe auch ich darauf reagiert. Vielleicht, weil ich schon so lange mit ihr zusammenlebe und auf sie geeicht bin? Wenn es mich dermaßen erregte, meine Frau beim Sex zu beobachten, ist sie dann nur Mittel zum Zweck, ein Filter, den mein heterosexuelles Gehirn eingebaut hatte, um nicht durchzudrehen? Will ich in Wirklichkeit auch mit Dirk ficken, genauso wie Jessica?

Diese Fragen kann mir wohl nur meine Chefin, die geniale Biochemikerin Lilith Gregorius, beantworten. Aber erst mal muss Jessica meine Geschichte schlucken. Sie guckt nicht mehr ganz so skeptisch. Es huscht sogar ein verklärtes Lächeln über ihr Gesicht, bevor sie langsam antwortet:

„Ich kann wohl schwer leugnen, dass es mir gefallen hat. Und das will ich auch nicht mehr. Wie gesagt, mit dem schlechten Gewissen ist Schluss. Ich verstehe das auch alles nicht und kenne mich kaum wieder. Aber Dirk hat etwas in mir geweckt … einen Appetit. So könnte man es nennen. Ich würde dir verzeihen. Aber dafür musst du etwas für mich tun.“

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