Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Chapter 4
by
Meister U
What's next?
Sie kam wieder zu Atem
Zuerst nur das körperliche Heben und Senken ihrer Lunge gegen seine Rippen. Dann das Pochen ihres Blutes in den Schläfen, ein dumpfer, tierischer Rhythmus. Zuletzt, langsam und mit dem Gewicht eines sinkenden Ankers, kehrte das Bewusstsein zurück.
Sie roch Schweiß, Sex und ihre eigene verzweifelte Zerstörung. Seine Hand lag regungslos auf ihrem Rücken, die Finger gespreizt.
Sie schob sich von ihm hoch, ein mühsames Ablösen, bei dem jeder Muskel schmerzte. Sie setzte sich auf die Bettkante, den Rücken zu ihm gewandt. Ihr nackter Rücken fühlte sich an wie eine offene Wunde, der Luft ausgesetzt. Das Summen war weg. Es war einer Stille gewichen, so absolut und leer wie der Weltraum.
Hinter ihr hörte sie ihn sich bewegen, das leise Rascheln der Bettdecke. Sie wartete, bis er sich aufgerichtet hatte, bis sie seinen Atem im Nacken spürte.
„Das war neu“, sagte er schließlich. Seine Stimme war völlig neutral. Ein Statement. Eine Beobachtung, die er ihr überließ.
Liv drehte den Kopf, sah ihn über die Schulter an. Sein Gesicht war wieder unter Kontrolle, aber seine Augen waren wachsam, als stünde er vor einem unbekannten Tier.
„Ja“, sagte sie. Ihre eigene Stimme klang fremd, verbraucht, aber klar. Kein Zittern mehr. Die Flut war abgeebbt und hatte etwas Kaltes, Hartes freigelegt. Sie holte tief Luft. Der Geruch in dem Zimmer war nun unerträglich. Nach Endpunkt.
„Ich bin schwanger.“
Die drei Worte fielen nicht wie Bomben. Sie lagen einfach da, zwischen ihnen auf der zerknitterten, feuchten Bettdecke. Nackter und unausweichlicher als ihre Körper es je gewesen waren.
Bernd bewegte sich nicht. Sein Atem stockte für eine halbe Sekunde, dann setzte er wieder ein, gleichmäßig. Seine blassgrauen Augen verengten sich zu Schlitzen. Sie sah die Maschinerie in seinem Kopf rattern, nicht analytisch, sondern strategisch. Er wog Konsequenzen, nicht Moral.
„Hamburg“, sagte er.
„Hamburg“, bestätigte sie. Sie drehte sich ganz zu ihm um, setzte sich im Schneidersitz auf das Bett, machte keinen Versuch, sich zu bedecken. Ihre Nacktheit war jetzt eine Waffe, eine Tatsache. Ihr Blick war fest auf ihn gerichtet. „Achte Woche.“
Er ließ den Blick langsam über ihren flachen Bauch gleiten, als könne er das Unsichtbare sehen. Dann zurück zu ihrem Gesicht. „Warum sagst du es jetzt?“
„Weil es vorher irrelevant war. Es war ein Datenpunkt. Jetzt ist es die zentrale Variable.“ Sie hielt inne. „Und weil du jetzt hier bist.“
Ein leichtes, sarkastisches Zucken spielte um seinen Mund. „Zur rechten Zeit.“
„Du ziehst nach Stockholm“, sagte sie, und es klang nicht wie eine Bitte oder eine Diskussion. Es klang wie die Verlesung eines Naturgesetzes. „Du bleibst. Du kümmerst dich um das Kind. Mit mir.“
Sein Lachen war ein kurzes, trockenes Ausatmen. „Liv. Ich bin nicht der Typ, der ein Häuschen bezieht. Monogamie ist keine Option. Nie gewesen.“
„Wer spricht von Monogamie?“ Ihre Augen funkelten mit dem gleichen dunklen Licht wie zuvor. „Ich will keinen Ehemann. Ich will einen Komplizen. Einen Vater. Dein Bodycount“, sie betonte das Wort mit einer leichten Verachtung, „kann so hoch sein, wie du willst. Solange du deine Pflichten hier erfüllst. Solange du da bist, wenn es nötig ist.“
Er starrte sie an, wirklich fasziniert jetzt. Das war keine emotionale Erpressung. Es war ein Vertragsentwurf. Ein Bündnis. Es war, in seiner perversen Logik, vernünftig.
„Und was bekomme ich?“, fragte er, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Eine lässige Pose, die die angespannte Aufmerksamkeit in seinen Augen Lügen strafte.
„Zugang.“ Sie lehnte sich vor. „Du bekommst ein Kind. Eine bleibende Spur. Eine Form von Kontrolle, die über das Momentane hinausgeht. Und du bekommst mich. Nicht als Besitz. Als Partnerin. In diesem.“ Sie machte eine vage Geste zwischen ihnen. „In der Erziehung eines Wesens, das unsere DNA trägt. Denkst du nicht, das wäre das interessanteste Experiment von allen? Zu sehen, was daraus wird? Mit unserer… Prädisposition?“
Sie sprach seine Sprache. Nicht die der Gefühle, sondern die der Macht, der Neugier, der dauerhaften Einflussnahme.
„Und wenn ich Nein sage? Wenn ich heute Abend zurück nach Berlin fliege?“
Dann lächelte Liv zum ersten Mal seit ihrer Ankunft am Flughafen ein echtes, kaltes Lächeln. Es erreichte ihre grau-grünen Augen nicht.
„Dann tue ich es allein. Und das Kind wird wissen, dass sein Vater das Interessanteste, das ihm je passiert ist, weggeworfen hat, um weiterhin irgendwelche willfährigen Frauen in Berlin zu vögeln.“ Sie zuckte mit den Schultern. „Dein Verlust. Aber du wirst immer wissen, dass es hier ist. Dass ein Teil von dir in dieser sauberen, vorhersehbaren Stadt lebt, den du nicht kontrollierst. Das würde dich aufreiben, Bernd. Langsam. Und ich würde sicherstellen, dass du es nie vergisst.“
Sie meinte es. Jedes Wort. Es war keine Drohung aus Wut, sondern aus eisiger Gewissheit.
Er schwieg lange. Sein Blick wanderte von ihrem Gesicht zu ihrem Bauch, zum Fenster, zur geschlossenen Tür. Er sah die Falle. Sie war aus Stahl und Wahrheit geschmiedet, und er hatte selbst mitgeholfen, sie zu bauen, in Hamburg, an der Tür ihres Zimmers eben, in jedem stillen, verständnisvollen Blick, den sie je getauscht hatten.
Er ließ die Hände sinken.
„Ich brauche mein Zeug aus Berlin“, sagte er schließlich.
Livs Herz machte keinen Sprung.
„Du kannst nächste Woche fliegen und es holen. Das Gästezimmer ist erstmal deins.“ Sie stand auf, ging mit nackten, sicheren Schritten zu ihrem Kleiderschrank, zog einen weiten Bademantel heraus und schlüpfte hinein. Die Verhandlung war beendet. Die Umsetzung begann.
„Und was machen wir jetzt?“, fragte er, noch immer auf dem Bett sitzend, beobachtete, wie sie sich wieder in eine Art von Ordnung hüllte.
Sie band den Gürtel des Bademantels fest um ihre schmale Taille und drehte sich zu ihm um.
„Jetzt“, sagte sie, „machen wir Tee. Und dann reden wir über praktische Dinge. Krankenversicherung. Kinderzimmer.“
Sie verließ das Zimmer, ließ ihn allein zurück in dem Chaos, das sie angerichtet hatten, und mit der unausweichlichen, schwindelerregenden Gewissheit, dass sein Leben gerade, von dieser stillen, schwangeren Frau, der er nie wirklich hatte widerstehen können, eine völlig neue, permanente Wendung genommen hatte.
Draußen im Flur blieb Liv einen Moment vor der Wand stehen, legte eine flache Hand gegen den kühlen Putz und schloss die Augen. Der Geruch von ihm war noch in ihrer Nase, auf ihrer Haut. Das Summen war weg.
An seine Stelle war etwas anderes getreten: Ein eiserner, unerschütterlicher Wille. Sie hatte die Kontrolle nicht zurückerobert.
Sie hatte eine ganz neue, größere übernommen. Über ihn. Über das Kind. Über ihr gemeinsames, unheilvolles Erbe.
Und es fühlte sich, zum ersten Mal seit Hamburg, nicht wie Kontrollverlust an. Es fühlte sich wie der Beginn von allem an.
Die Küche war klein, aber ordentlich, gefliest in einem hellen, schwedischen Blau. Der Dampf vom ersten, vergessenen Tee hing noch als Feuchtigkeit in der Luft. Doch die friedliche Stille war gebrochen.
Astrid stand am Kühlschrank, eine halb geöffnete Flasche Apfelsaft in der Hand. Sie musste sie gerade herausgeholt haben. Sie war klein, zierlich, mit einem Gesicht wie ein ängstliches Reh und aschblonden Haaren, die in einem losen Zopf über ihre Schulter fielen. Als Liv und Bernd eintraten – er notdürftig in Jeans und Henley gekleidet, sie im Bademantel, erstarrte sie mitten in der Bewegung. Ihre großen, hellblauen Augen weiteten sich, schwenkten von Livs offenem Haar und gerötetem Gesicht zu dem fremden, großen Mann hinter ihr, dann wieder zurück.
Ein leises, fast unhörbares „Oh“ entfuhr ihr.
Livs Schritt stockte nicht. Sie setzte ihren Weg fort, als wäre Astrid ein Möbelstück, ging zur Spüle, spülte die alten Teetassen aus. Ihre Bewegungen waren effizient, lautlos.
„Astrid. Das ist Bernd“, sagte Liv, ohne sich umzudrehen. Ihre Stimme war glatt, sachlich, die Stimme, mit der man eine Tatsache feststellt. „Bernd, das ist Astrid, meine Mitbewohnerin.“
Bernd nickte Astrid knapp zu. Sein Blick war der gleiche, durchdringende, mit dem er alles musterte, aber er hielt ihn nur kurz. Genug, um die Schüchternheit zu erkennen, die fast wie eine zweite Haut um das Mädchen lag.
Astrid schloss langsam den Kühlschrank. Sie stellte die Saftflasche mit äußerster Vorsicht auf die Arbeitsplatte, als könnte sie explodieren. Ihre Hände zitterten leicht.
„Hallo“, murmelte sie, ihr Blick fest auf die Flasche gerichtet. Ein errötendes Pflaster breitete sich über ihre Wangen und ihren Hals aus.
Liv drehte sich um, lehnte sich gegen die Spüle. Sie kreuzte die Arme vor der Brust, der Bademantel schloss sich enger um sie. Ihr Blick ging von Astrids gesenktem Kopf zu Bernd, der sich jetzt an den Türrahmen lehnte, die Hände in den Hosentaschen.
„Bernd ist der Vater meines Kindes“, sagte Liv. Die Worte fielen in die kleine Küche wie Steine in einen stillen Teich. Kalt. Klar. Unwiderruflich.
Astrids Kopf schnellte hoch. Ihr Mund stand einen Spalt offen. Verwirrung, dann eine Welle schockierter Verlegenheit überschwemmte ihre Züge. Sie starrte Liv an, als hätte sie sie falsch verstanden, dann wagte sie einen gehetzten Blick zu Bernd, zu seinem schmalen, ausdruckslosen Gesicht, und wieder zurück zu Liv. Ihre Augen huschten zu Livs Bauch unter dem Bademantel, als könnte sie die Wahrheit dort sehen.
„Ich… oh…“, stammelte sie. „Das ist… ich wusste nicht… dass du…“ Die Sätze zerbröselten. Sie schien zu überlegen, ob sie gratulieren sollte, Beileid wünschen oder sich einfach in Luft auflösen. Die Schüchternheit kapselte sie ein, machte sie hilflos gegenüber der brutalen Direktheit.
„Es ist eine neue Entwicklung“, fuhr Liv fort, als erkläre sie eine Änderung im Müllentsorgungsplan. „Bernd wird nach Stockholm ziehen. Er bezieht das Gästezimmer. Vorläufig.“
Astrids Blick flog zu Bernd. Vorläufig? Die Implikation – dass dieser eindringliche, fremde Mann, der offensichtlich gerade Sex mit Liv hatte, nun dauerhaft in ihrer kleinen WG leben würde –Sie schluckte sichtbar.
„Das ist… sicher gut“, brachte sie schließlich heraus, eine leise, gehetzte Floskel. Sie griff wieder nach der Saftflasche, umklammerte sie wie einen Rettungsring. „Für… für das Kind. Das ist wichtig.“
„Ja“, sagte Liv einfach. Sie beobachtete Astrids panische Reaktion mit einer Art kühlem Interesse.
Bernd sagte immer noch nichts. Er beobachtete das kleine Drama mit gelangweilt wirkender Miene, aber Liv sah das flackernde Interesse in seinen Augen. Astrid, in ihrer zerbrechlichen Verlegenheit, war ein völlig anderer Menschentyp als alles, was er gewohnt war. Keine Herausforderung. Keine Komplizin. Ein reines, weiches Opfer der Umstände. Sie war für ihn wahrscheinlich unsichtbar, oder höchstens ein Haustier.
„Ich… ich muss lernen“, sagte Astrid plötzlich und wandte sich zur Küchentür. Sie konnte den Raum nicht länger ertragen. Die Spannung, die von Liv und Bernd ausging war zu viel für ihr schüchternes Nervensystem. „Entschuldigung.“
Astrid schlüpfte an Bernd vorbei, ohne ihn anzusehen, ihr Blick am Boden klebend. Ihr Fluchtweg war klar: die Schwelle zur Küche, dann der Flur, dann die Sicherheit ihres Zimmers.
Livs Stimme schnitt durch die angespannte Stille, klar und undramatisch, wie eine Dozentin, die eine naheliegende Frage stellt.
„Möchtest du Bernd nicht dein Zimmer zeigen, Astrid?“
What's next?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Der Komplize
[Bernd vögelt sich durch Stockholm | Johanna spinn-off]
Berlin liegt hinter ihm. Vor ihm: Liv. Kühl, berechnend, schwanger von ihm. Ihre Einladung nach Stockholm ist kein Neuanfang, sondern die nächste Stufe eines perfiden Spiels. Liv, die Meisterin der Inszenierung, hat das Spielfeld vorbereitet. Bernd, der stille Stratege, soll es besetzen.
Updated on Mar 19, 2026
by Meister U
Created on Jan 11, 2026
by Meister U
- All Comments
- Chapter Comments