Ja, was will Ishtar denn nun?
Sie hat ein Angebot für ihn
"Soll mir das was sagen?" Alex legte den Kopf zur Seite. "Ich kenne keine Ishtar."
"Es ist ein Codename, genau wie Roadie einer ist", lächelte Ishtar, "oder Eidolon, oder Pandora. Ich trage ihn aus den selben Gründen wie du und deine Kampfgefährten: damit der Staat es schwer hat, mich zu verfolgen. Und letzten Endes wollen wir alle das selbe: eine Welt, in der wir das sein können, was wir sind, ohne Hass oder Angst vor uns."
Alex lachte bitter auf. "Deshalb musstest du mich auch quasi an meinem Schwanz hierher bringen und mir meine Kraft aussaugen, damit ich keine Chance hab, wenn deine zwei Kumpels da mich nachher aufmischen."
Ishtars Lächeln verschwand. "Das war nicht meine Absicht", sagte sie. "Ich wollte einfach nur in Ruhe mit dir reden."
"Wenn du denkst, wir verfolgen die gleichen Ziele, warum sprichst du mich dann nicht einfach so an?" Alex verschränkte die Arme. "Warum mich erst willenlos machen und hier hinbringen?"
"Du hättest mich abblitzen lassen können, wenn ich dich einfach so anspreche", gab Ishtar zurück. "Und draußen besteht immer die Gefahr, dass jemand unsere Unterhaltung hört. Die Regierung hat überall ihre Ohren."
Alex ließ das nicht gelten. "Und mich auspumpen, damit ich mich nicht mehr wehren kann?"
Auf Ishtars Gesicht erschien wieder ein Lächeln. "Wenn ich mit dir reden will, musst du dafür auch an was anderes als ans Abspritzen denken können. Und dass ich dein Sperma weggeschluckt habe... Na ja, das kann ich schon, seit ich dreizehn bin. Ich mach's eigentlich immer, wenn ich nicht schwanger werden will. Denk dir nichts bei. Wirklich, ich will dir nichts tun. Einfach nur mit dir reden. Hör mir zu, und wenn ich fertig bin, kannst du gehen. Ich versprech dir, niemand wird dich davon abhalten."
"Du willst also reden", gab Alex zurück. "Okay. Was willst du?"
"Ich will mit euch zusammenarbeiten", sagte Ishtar. "Ihr habt im letzten Jahr ne Menge guter Sachen getan, und ich möchte mich euch anschließen. Dir, und Eidolon, und den anderen."
Alex sah sie prüfend an. "Wie kommst du dabei auf mich? Was meinst du denn, was 'wir' so getan haben?"
Ishtar schmunzelte. "Der Farbanschlag am Gesundheitsministerium zum Beispiel", meinte sie. "Der Riese, der hinterher im Darknet viral gegangen ist, das warst doch eindeutig du."
"Woher willst du das wissen?" Alex' Misstrauen war keinen Deut kleiner. "Als ich draußen vor dem Automaten stand, war ich einsachtzig, wie jetzt."
"Romy hat's mir verraten", gab Ishtar unbefangen zu.
Alex sah sie verblüfft an. "Romy?"
Ishtar nickte. "Romy und ich, wir kennen uns schon lang. Früher waren wir sogar mal richtige Freundinnen, in den letzten Jahren sind wir allerdings... Na ja, wir haben uns ein bisschen auseinandergelebt. Hatten nicht mehr so viel miteinander zu tun. Wir stehen uns aber immer noch so nahe, dass sie mir brühwarm von Eidolons und deinem Besuch bei ihr erzählt hat. Und auch, dass du dir ihr Auto ausgeliehen hast. So hab ich dich nämlich gefunden."
"Ah ja." Alex war heilfroh, dass Pandora in diesem Moment nicht hier war - wenn sie jemals erfahren hätte, dass Romy einer Fremden etwas von ihren Kontakten zu Eidolon erzählt hatte, möglicherweise noch über irgend einen nicht abhörgesicherten Kanal, wäre sie mit Sicherheit ausgeflippt. "Also, du hast gehört, was wir so tun und willst bei uns mitmachen. Hab ich das richtig verstanden?"
"Hast du."
Bedauernd hob Alex die Schultern. "Dabei kann ich dir aber leider nicht weiterhelfen. Das ist nämlich nicht meine Entscheidung."
Ishtar hob ihre Augenbrauen. "Und wessen Entscheidung ist das?"
"Letzten Endes die von Hathor - die ist sozusagen unsere Anführerin." Alex presste die Lippen zusammen. "Und ehe du mich fragst: nein, ich bringe dich nicht zu ihr. Das wäre zu riskant. Wir müssten erst überprüfen, ob wir dir auch trauen können."
"Oh." Ishtar wirkte etwas betroffen. "Okay. Kannst du dann wenigstens mit ihr sprechen, dass ich zu euch will? Ihr könnt mich dann gerne überprüfen."
Alex seufzte. "Meinetwegen. Ich geb's weiter. Wie können wir dich kontaktieren?"
Ishtar lächelte wieder ein wenig. "Ich schreib dir eine E-Mail-Adresse auf. Einfach ne kurze Notiz da hin. Und-" Sie stockte etwas.
"Und?"
"Vielleicht sagst du Eidolon erst mal nicht, dass die Anfrage von mir kommt", sagte sie leise. "Wir... haben ein bisschen Historie miteinander."
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