Chapter 46 by ThormGravis
Welchen Weg wählt Max?
Max geht nach links
Da sie nicht wusste, was hier unten vor sich ging und welche Strecken trotz des Erdbebens noch passierbar waren, entschied sich Max, ihr Glück mit dem scheinbar schnellsten und direktesten Weg zu versuchen. Mit einem letzten Blick auf die Einschusslöcher wendete sie sich der gegenüberliegenden Tür in der linken Gangwand zu. Sie war verschlossen oder vielleicht auch nur verklemmt, jedenfalls ließ sie sich nicht ohne weiteres öffnen. Das Lesegerät für die Keycard baumelte aus seiner Verankerung gerissen an einigen Drähten auf halben Weg zum Boden hin und her. Max stemmte sich gegen die Tür und versuchte es mit reiner Kraft. Auch wenn ihre vorrangigen genetischen Verbesserungen ihren Sinnen, ihrer Schnelligkeit und ihrer Balance dienten, hatte sie dank der DNS-Manipulation auch deutlich mehr Stärke als ihre zierliche Figur verriet, auch wenn es durchaus Kerle gab, die ihr in dieser Hinsicht überlegen waren.
Dennoch gelang es Max nach mehreren Anläufen, die Tür ein kleines Stück aufzuschieben. Ihr wurde klar, dass die Tür von Innen verkeilt worden war. Jetzt, da sie eine schmale Öffnung geschaffen hatte, schob sie ihren zierlichen Arm hindurch und tastete nach der Ursache der Behinderung. Sie erfühlte eine längliche, metallische Röhre, die direkt am inneren Türgriff ansetzte, sowie einige Kisten, die offenbar hinter der Tür aufgestapelt worden waren. So gut es ging schob und drückte Max daran herum, dann wuchtete sie ihren zierlichen Körper wieder gegen die Tür, bis sie schließlich weit genug offenstand, damit sie ihren zierlichen Körper durch die entstandene Öffnung zwängen konnte.
"Scheiße." Max fluchte, musste aber gleichzeitig gequält grinsen. Offenbar hatte sie sich noch nicht ausreichend an ihre neue Oberweite gewöhnt, denn mit ihrer normalen Statur hätte sie sicher hindurch gepasst, so kam sie nicht vorbei. _Wenigstens bin ich nicht stecken geblieben - eine Titte drinnen, eine Titte draußen. Wenn die Söldner mich so gefunden hätten, hätte ich wohl selbst mitlachen müssen. _Sie schob den Gedanken an dieses bizarre Szenarium wieder zur Seite und mühte sich weiter an der Tür ab.
Einige weitere Versuche waren nötig, bevor sie genügend Platz geschaffen hatte, und schließlich schlüpfte sie trotz ihres massigen Vorbaus hindurch. Der Raum dahinter war nahezu leer geräumt, denn alles Inventar - Stühle, Tischen, Kiste, Bänke und vieles mehr - waren offensichtlich genutzt worden, um sowohl die Tür zu verbarrikadieren, durch die Max herein gekommen war, als um auch die gegenüberliegende zu versperren. Dort hatte sich jedoch schon vor ihr jemand den Zugang erzwungen. Die Tür hing halb herausgerissen schief in den Angeln, dahinter lagen Kisten und andere Möbel wild verstreut. Dutzende Einschusslöcher zeichneten sich rings um den Türrahmen ab. In einer Ecke des Raumes erkannte Max zwei Skelette, die wirkten als habe man sie wild durchgeschüttelt und durch die Gegend geworfen. Ein Arm war abgetrennt, dem anderen fehlte ein Bein, das nirgends im Raum zu sehen war. Eine leergeschossene Waffe mit ausgeworfenem Magazin lag in der Nähe, eine in zwei Teile gebrochene Schrotflinte war unweit gelandet.
"Was für eine Scheiße ist hier nur passiert?" Max fragte sich, ob sie die Antwort überhaupt wissen wollte. Hatte Manticore einige Leute hier unten lebendig eingesperrt, damit sie keine Geheimnisse verraten konnten, und die Leute waren auf einander losgegangen, als die Nahrungsreserven knapp wurden? Oder war irgendein bizarres Experiment fehlgeschlagen? Max verwünschte sich für ihre Arroganz, keine Waffe von den Söldnern angenommen zu haben. Hatte vielleicht der Auftraggeber der Söldner etwas davon gewusst, was im Labortrakt vorgefallen sein könnte, und hatte er seinen Männern daher den Zutritt zu diesem Teil des Stützpunktes verboten? _Na super. Und ich lande natürlich mitten in der Scheiße. _Aber vielleicht hatte sich das Problem ja auch von selbst erledigt. Wenn die Manticore-Mitarbeiter einander gegenseitig erledigt hatten, war jetzt sicherlich keiner mehr am Leben.
Max marschierte vorsichtig weiter in den angrenzenden Korridor. Es gab hier weniger Verwüstung als im ersten Gang, doch irgendetwas hatte kratzende Spuren im metallisch verkleideten Boden und Wänden des Korridors hinterlassen. Max lief ein Schauer über den Rücken. Sie traute Manticore jede Schweinerei zu und konnte sich kaum ausmalen, welche Experimente hier stattgefunden hatten.
Seitlich zweigte eine metallische Treppe vom Korridor ab und führte nach unten, der Weg gerade aus sollte Max hingegen genau zur Schleuse führen, die sie für die Söldner öffnen... _Ach scheiße... Natürlich. Warum sollte ich auch mal Glück haben. _Max schüttelte gefrustet den Kopf. Die Decke war über die gesamte Gangbreite eingebrochen und versperrte den Weg. Es war ein riesiger Haufen aus Beton, Metall und Stein, der locker mehrere Meter tief sein konnte. Selbst mit ihrer Ausdauer und Stärke würde es sehr lange dauern, sich hier hindurch zu graben. Sie inspizierte ein letztes Mal den Trümmerhaufen, als sie einen Stich im Nacken spürte. Instinktiv schlug sie mit der Hand nach der Stelle, als ob sie eine Fliege klatschen wolle. Aber statt eines winzigen Insekts spürte sie etwas festes. Für einen kurzen Augenblick rätselte sie, ob es metallisch oder aus Kunststoff war. Sie zog es aus dem Nacken und betrachtete es: Ein winziges Röhrchen mit einer Nadel als Ende.
"Scheiße", fluchte Max, als sie begriff, was sie da getroffen hatte. Es musste irgendeine Art von Betäubungspfeil sein. _Und das Zeug wirkt schnell... _Schon als sie sich herumdrehte und einen Schritt machte, um sich nach dem Schützen umzusehen, spürte sie eine aufkommende Schwäche. Auch ihr Blickfeld war bereits leicht eingeengt. Einige Meter vor sich, etwa auf Höhe der seitlich wegführenden Treppe schwebte eine kaum männerfaustgroße Drohne im Gang. Ärgerlich schleuderte Max das Röhrchen in die Richtung des Apparates, der jedoch mit einer fließenden Bewegung auswichen. Zur Antwort feuerte das Gerät einen weiteren Schuss ab und Max konnte sich nur mit letzter Mühe aus der Schussbahn drehen. Sie sah wie ein weiteres nadelbesetztes Röhrchen nur Zentimeter an ihrer Schulter vorbeiflog und in den Trümmerhaufen einschlug.
Max sprang vorwärts, rollte sich auf dem Boden ab, um einem eventuell folgenden weiteren Schuss zu entgehen, kam in einer geschmeidigen Bewegung wieder auf die Beine und stürmte auf die Drohne zu. Das Adrenalin pumpte durch ihren genetisch aufgebesserten Körper und überwand für einen Augenblick die betäubende Wirkung des Geschosses, doch sie spürte die Wirkung einer unbekannten Chemikalie, die sich in ihrem Leib bereits ausbreitete. Ihre Sicht wurde leicht trübe und sie war nicht mehr ganz so schnell.
Die Drohne verharrte einige Augenblicke in der Luft, dann feuerte sie abermals. Diesmal war die Distanz zu kurz für Max, um nochmals ausweichen zu können. Sie spürte wie sich eine Nadel zwischen in ihre Schulter grub. Ärgerlich über diesen Angriff und über sich selbst - sie hätte wachsamer sein und schneller ausweichen müssen -, schlug sie das Röhrchen mit einer wischenden Bewegung weg und achtete nicht darauf, ob die Nadel abbrach und stecken blieb. Sie stürmte weiter auf die Drohne zu und wollte danach schlagen, als das Gerät im letzten Augenblick mit einer beinahe schon eleganten Seitwärtsrolle auswich, sich drehte und die Treppe hinunter in den angrenzenden Gang sauste.
Max setzte ihrem Angreifer nach und stieß Verwünschungen aus, die jeden Schleifer der Army hätte schamvoll erblassen lassen. Die Drohne wartete in einiger Entfernung auf sie und ließ sie herankommen. Dann löste sich der nächste Betäubungspfeil, doch diesmal hatte Max damit gerechnet und drehte sich mit einer Pirouette aus der Flugbahn. Sie kam näher, doch begann der Gang sich bereits um sie zu drehen und die Konturen der Drohne verschwammen. Verdammte Scheiße, ich muss... ich muss... Sie wusste nicht genau, was sie tun konnte, doch sie wollte irgendetwas tun. Und wenn sie es nur schaffte, dieses Mistding kaputt zu machen, bevor sie zu Boden gehen würde.
Die Drohne ließ sie wieder näherkommen, feuerte aber nicht wieder. Als Max mit inzwischen leicht taumelnden Schritten kaum noch zwei Meter entfernt war, legte die Drohne abermals eine sichere Distanz zwischen sich und die Latina. Max hatte zunächst angenommen, es handele sich um eine automatisierte Wachvorrichtung, die mit Max´ Eindringen in diesen Teil des Bunkers zum Leben erwacht war, doch langsam kamen ihr Zweifel an dieser Hypothese. Das Ding arbeite nicht wie eine normale militärische KI. Diese wäre immer auf sicherer Distanz geblieben und hätte Max nicht immer wieder herankommen lassen. Und warum feuerte sie nicht mehr? Vielleicht war sie nur mit vier Schuss bestückt gewesen, doch dann hätte sich das Gerät doch ganz zurückgezogen. Überhaupt schien es nicht dem Manticore-Stil zu entsprechen, betäubende Geschosse zu verwenden. Warum sollte das Ding einen Eindringling nicht einfach umbringen? Das alles gab irgendwie keinen Sinn... es sei denn...
Max taumelte ein Stück weiter nach vorne, musste sich dann aber an der Gangwand abstützen. Ihre Beine fühlten sich weich wie Pudding an, sie konnte die Entfernung zur Drohne nur schwer abschätzen und die Konturen des Ganges verschwammen immer stärker vor ihren Augen. Die Drohne hatte wieder angehalten und schwebte wenige Meter von ihr entfernt als wolle sie sie verhöhnen. Oder mich irgendwo hin locken, schoss es Max durch den Kopf. Wenn dieses Ding nicht von einer KI gesteuert wurde, sondern von irgendwem, der sie durch eine Kamera beobachtete. Max fluchte. Der Drohne zu folgen war wohl doch keine so gute Idee gewesen. Sie war mehrmals abgebogen und konnte sich in ihrem betäubten Zustand nicht mehr an den Rückweg erinnern. Lief sie geradewegs in eine Falle?
Max drehte sich um. Sie musste zurück zum Ausgang oder zumindest einen sicheren Unterschlupf finden, bis die Wirkung der beiden Betäubungspfeile nachließ. Sie taumelte einige Schritte vorwärts und sah die Drohne vor sich. Das kann nicht sein. Das Scheißding ist doch hinter mir. Sie drehte sich herum, um sich zu vergewissern. Tatsächlich. Die Drohne schwebte immer noch an Ort und Stelle. Dann spürte Max einen Stich in ihrem Po. Sie tastete danach und spürte einen weiteren Pfeil. Eine verfickte zweite Drohne, fluchte sie innerlich, als sie sich wieder umdrehte - gerade noch rechtzeitig, um zwei weitere Geschosse zu sehen. Wer immer diese Scheißdinger lenkt, will wohl auf Nummer sicher gehen. Verfluchter Bastard. Irgendwie schaffte Max es trotz ihres stark angeschlagenen Zustands, einem Pfeil auszuweichen, doch der zweite bohrte sich in ihre linke Brust.
Bevor sie noch etwas tun oder denken konnte, gaben ihre Beine nach und sie fiel zuerst auf die Knie, dann ganz auf den Boden. Der Korridor um sie herum verschwamm immer stärker. Die beiden Drohnen schwebten über ihr. Max streckte die Hand in ihre Richtung und versuchte sie einem merkwürdigen Impuls folgend mit einer Handbewegung zu verscheuchen, als handele es sich um zwei lästige Fliegen. Die zweite Drohne feuerte ihren letzten Pfeil ab. Max spürte den Kontakt, aber nicht mehr den lästigen, kleinen Schmerz, der die vorhergehenden Treffer begleitet hatte_. _Sie schloss die Augen.
Wo erwacht Max?
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Dark Angel
Dark Angel
Sexy Max wird durch die Genmanipulation mit Katzen - DNS läufig ...
Updated on Jun 5, 2023
by ThormGravis
Created on Apr 18, 2002
by MACC
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