Wohin führen sie ihre Schritte ?
In ein Stundenhotel
Monika geht mit ihrem schäbigen Koffer in der Hand immer weiter die Straße entlang. Links und rechts reihen sich unzählige billige Sex-Shops, Pornokinos und Striptease-Bars und sogar richtige Bordelle aneinander. Monika starrt die Bilder mit den nackten Frauen in den Schaufenstern mit offenem Mund an. So etwas Verwerfliches hat sie in ihrer Heimat noch niemals gesehen, obwohl sie natürlich schon von ihren Freundinnen gehört hat, dass es im „Westen“ so etwas geben soll! Kopfschüttelnd wendet sie sich ab und sieht sich suchend um. Sie fragt sich, wie sie am besten wieder aus diesem sündigen Viertel herauskommt.
Irgendwann kommt Monika in einer schmalen Seitenstraße an einem älteren, mehrstöckigen Haus mit einer heruntergekommenen Fassade vorbei, an dem neben der Eingangstüre ein rotleuchtendes Schild mit der Aufschrift „Zimmer“ blinkt. Da merkt sie ganz plötzlich, dass sie vom Herumbumsen die ganze Nacht im Zug und vom Herumlaufen in der Stadt todmüde ist. Darum entschließt sie sich einfach mal in dieses Haus hineinzugehen und zu fragen, was ein Zimmer so kostet. Im muffigen Hausflur sitzt hinter einem Schalter eine für Monika´s Geschmack reichlich aufgedonnerte ältere Frau, die ihrerseits das hübsche, junge Mädchen mit dem schäbigen Koffer in der Hand erstaunt ansieht.
„Hast dich wohl verlaufen, Kleine?“ fragt die Frau mit einem Schmunzeln. Monika antwortet nicht auf ihre Frage und erkundigt sich stattdessen in ihrem besten Schuldeutsch zunächst einmal nach den Zimmerpreisen. Als die Frau ihr einen Preis von lediglich15 Euro nennt, nickt Monika sogleich zustimmend. Das ist ja gar nicht mal so teuer, denkt Monika insgeheim. Sie ist aber viel zu müde, um sich darüber Gedanken zu machen. Sie legt einfach ungefragt ihre letzten 15 Euro und ihren Reisepass auf den Schalter und bekommt dafür einen Schlüssel. „Im zweiten Stock!“ brummt die ältere Frau und steckt das Geld und den Reisepass ein.
Monika bedankt sich höflich bei ihr und steigt die alte Holztreppe hinauf. Unterwegs auf der Treppe begegnen ihr ein dicker Mann und ein blutjunges Mädchen, bei dem es sich offensichtlich um seine Tochter handelt, denn er hat seinen Arm zärtlich um ihre Hüften gelegt. Der Mann starrt Monika überrascht an und zwinkert ihr dann zu. Monika ist ziemlich verwirrt, sieht einfach zu Boden und drängt sich rasch an ihnen vorbei. Schließlich schließt sie im zweiten Stock angelangt die Türe zu ihrem Zimmer auf, stellt ihren schweren Koffer einfach in einer Ecke auf den Boden und ist heilfroh, als sie sich einfach auf das weiche Bett fallen lassen und endlich ausruhen kann ...
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