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In der Schule

Chapter 24 by Levantin Levantin

Seit Loona mir verboten hatte zu kommen, lag jeder Kontakt direkt unter der Haut. Kein Datum. Kein „Warum“. Nur der Satz, leise, beiläufig, als würde sie nach dem Salz fragen: „Du spritzt nicht, bis ich es erlaube.“ Danach hatte sie mir über den Kopf gestrichen wie einem Hund, der sitzen geblieben war. Genau das machte es schlimmer. Sie zerstörte mich nicht. Sie justierte nur. Immer ein kleines Stück weiter. Immer so, dass ich danach trotzdem nach Hause kam, aß, zur Schule ging und so tat, als gehöre ich noch mir.

Emmas Fuß gehörte nicht zu diesem Spiel. Emma wusste nicht einmal, dass es dieses Spiel gab.

Mein Hirn setzte trotzdem aus. Bildete ich mir das nur ein oder passierte das wirklich?

Ihr Fuß lag leicht in meinem Schoß, als wäre das der selbstverständlichste Platz der Welt. Kein Druck. Kaum Gewicht. Nur Wärme durch den Stoff, und genau das reichte, damit mein Puls sich verschob. Ich starrte auf die Tafel, als stünde dort etwas Wichtiges, und hoffte, dass mein Gesicht nichts verriet.

Emma kicherte leise, mehr zu sich als zu mir. „Du siehst so konzentriert aus. Fast schon erschrocken.“

„Ich bin wach.“

„Das hoffe ich.“ Sie wackelte kaum merklich mit den Zehen, dann wieder nicht. Als hätte sie nur eine bequemere Lage gesucht. „Wenn du nachher halb so wach bleibst, schaff ich die Aufgaben vielleicht sogar.“

Die Lehrerin kam. Tasche, Entschuldigung, Kreide. Ableitungen. Ich schrieb das Datum auf und versuchte, den Satz an der Tafel festzuhalten. Die Zahlen wollten nicht bleiben. Unter dem Tisch war Emmas Fuß immer noch da, unauffällig, fast höflich – und trotzdem pochte es darunter so heftig, dass ich den Stift fester umschloss, nur um irgendetwas festzuhalten.

Sie beugte sich vor, den Stift an die Lippen, und flüsterte seitlich: „Du erklärst mir das nachher, ja? Ruhig. Ohne dass du zwischendurch in Gedanken abhaust.“

„Mach ich.“

„Versprochen?“

Ihr Knie streifte meins, kurz, als würde sie nur näher an mein Heft rutschen. Der Duft nach Rosen hing zwischen uns. Emma lächelte dabei so harmlos.

An der Tafel stand eine Formel, die ich im Schlaf runterbeten konnte. Jetzt war sie nur noch Kreide. Weiß. Bedeutungslos. In meinem Kopf war nur die Wärme ihres Fußes, das leise Rascheln ihrer Jeans, wenn sie die Zehen anzog, und dieser enge, pochende Schmerz, der sich seit Tagen nicht mehr lösen durfte.

„John.“

Ich zuckte zusammen.

Emma grinste offen, diesmal. „Sie hat dich was gefragt.“

Die Lehrerin sah zu uns. Ein paar Köpfe drehten sich. Ich räusperte mich, las die Aufgabe von der Tafel ab und stieß eine Antwort heraus, die hoffentlich richtig war. Irgendwer hinten im Raum schnaubte. Die Lehrerin nickte und schrieb weiter.

Emma lehnte sich zurück, zufrieden wie eine Katze.

Unter dem Tisch verlagerte sie den Fuß nur ein kleines Stück. Nicht absichtlich. Nicht fest. Nur so, wie man den Fuß verlagert, wenn er eingeschlafen ist. Für mich war es trotzdem zu viel. Ich grub die freie Hand in meinen Oberschenkel, so fest, dass es wehtat, nur damit ich nicht die Hüfte entgegen schob. Ein Tropfen Feuchtigkeit machte den Stoff unbequem. Nicht sichtbar. Noch nicht. Aber ich spürte ihn, und das reichte, um mir die Luft abzuschnüren.

„Du bist ganz rot“, flüsterte sie, während sie so tat, als würde sie eine Randnotiz machen. „Soll ich die Füße wieder runternehmen?“

Ich schüttelte den Kopf. Zu schnell.

Ihr Lächeln wurde weicher.

„Gut“, hauchte sie. „Dann pass schön auf. Nachher brauch ich dich wirklich.“

Sie ließ den Fuß liegen.

Und ich verstand für den Rest der Stunde kein einziges Wort.

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