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Chapter 28 by JantheSpider JantheSpider

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Die Vorbereitungen im Betonkubus begannen in der absoluten Stille der Nacht. Während Lydia auf der Edelstahlplattform in ihrer fixierten Knie-Ellbogen-Position verharrte – ihre geschwärzte Haut glänzte unter dem kalten Licht, die 4K-Kameras an der Decke surrten leise –, vollzog Michael die ersten Schritte der „Rekrutierung“.

Lydia überwachte alles über die hochauflösenden Monitore an der Wand. Sie sah, wie die ersten Einladungen an die fünf Parteien verschickt wurden.

### Die erste Phase: Das Netz zieht sich zu

Sarah und Tim reagierten innerhalb von Minuten. Ihr digitaler Hunger war unersättlich. Sie sahen in der „exklusiven Body-Art-Kollaboration“ nicht das Ende, sondern die nächste Stufe ihrer Popularität. Lydia beobachtete, wie sie via Stream ihre „Bereitschaft zur totalen Entgrenzung“ erklärten. Sie waren bereits verloren, gefangen in ihrem eigenen Narzissmus.

Sandra und Mark hingegen waren die ersten, die den physischen Druck spürten. Michael besuchte sie in ihrem bürgerlichen Heim. Er musste keine **** anwenden; das Dossier, das er auf ihren Esstisch legte – Fotos von Marks Schulden bei den Untergrund-Kredithaien und Aufnahmen von Sandras Affären – reichte völlig aus. Als Michael ihnen das Foto von Lydia auf der Plattform zeigte, sah Lydia durch die Kamera, wie Sandra ihre Hand vor den Mund schlug. Sie wurden für den kommenden Freitag „zur Sichtung“ in die Galerie geladen. Sie wussten, dass sie ihre Ehe dort lassen würden.

Wiebke und Miriam waren ein schwierigeres Kaliber. Sie waren intellektuell, sie hinterfragten. Lydia nutzte ihre eigene Geschichte. Sie schickte ihnen nicht Michael, sondern ein verschlüsseltes Dossier mit einer persönlichen Videobotschaft: Lydia, die in ihrer vollen, tätowierten Pracht vor ihnen sprach, ihre metallischen Lippenbewegungen perfekt, ihre Stimme wie Samt und Gift. Sie appellierte an ihren radikalen Feminismus, an die Idee, dass der Körper der Frau in einer patriarchalen Welt nur durch seine totale, freiwillige Entweihung in einem elitären Kontext wirklich „befreit“ werden könne. Sie bissen an. Der Gedanke, das Tabu der „Schlampe“ als philosophische Kunstform zu besetzen, war zu verführerisch.

### Der persönliche Abgrund

Jolene, ihre Nichte, war am einfachsten. Lydia wusste, dass das junge Mädchen ihre Tante insgeheim bewunderte. Sie lud Jolene zu einem „privaten Besuch“ in die Galerie ein. Lydia hatte die Umgebung so inszeniert, dass alles luxuriös, sicher und exklusiv wirkte. Sie zeigte ihr die Tattoos, ließ sie die Diamanten berühren, schenkte ihr ein Leben in einer Welt, die für das Mädchen wie ein Märchen aus einer anderen Dimension wirkte. Jolene sah nicht die Unterwerfung; sie sah den Glanz. Lydia musste sie nicht zwingen – sie lockte sie in die goldene Falle.

Marie war der Dreh- und Angelpunkt. Lydia hatte Michael angewiesen, das Haus von Marie zu observieren. Marie war die Einzige, die Lydia wirklich hasste. Doch Hass war eine Energie, die man nutzen konnte. Lydia hatte Maries Karriere in der Werbebranche mit einer einzigen, anonymen Mail an ihre Geschäftsführung sabotiert. Marie war arbeitslos, isoliert und am Ende.

Als Michael sie schließlich in den Betonkubus brachte, war sie nicht mehr die stolze, verächtliche Schwägerin. Sie war eine zerbrochene Frau. Als sie Lydia auf der Plattform sah – das absolut geschwärzte Gesicht, die rot-goldene Achse des Lichts, die steilen Absätze –, wollte sie schreien, doch Michael hielt ihren Kopf mit einer solchen **** fest, dass sie nur keuchen konnte.

„Siehst du mich, Marie?“, raunte Lydia über den Monitor. „Siehst du, was aus dem Mädchen geworden ist, das du immer verachtet hast? Du wirst nicht mehr zusehen. Du wirst die nächste sein, die meine Absätze auf ihrer Haut spürt.“

### Das Casting-Wochenende

Die fünf Parteien wurden für den kommenden Samstag in den Kubus geladen. Lydia ließ Michael die Plattformen vorbereiten. Es gab fünf separate Areale im Raum, jedes mit eigenen Fixiervorrichtungen, eigenen Kameras und eigenen Lichtsystemen.

Lydia saß in ihrer Fixierung, das unversiegende Silikonöl lief in glänzenden Bahnen über ihren tätowierten Körper, während die Vorfreude in ihren Venen pulsierte. Sie war nicht mehr die Frau, die vor zehn Jahren vor der Entscheidung gestanden hatte, ihr Gesicht zu entweihen. Sie war die Künstlerin, die nun andere dazu ****, den Weg zu gehen, den sie selbst bis zum Ende durchschritten hatte.

„Die Leinwände sind bereit, Michael“, sagte sie, während sie ihre karminroten Lippen zu einem unnatürlichen Lächeln verzog. „Hol die Farben. Das Wochenende wird die Geschichte der Menschlichkeit in diesem Raum endgültig beenden.“

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