Chapter 5
by
Reyhani
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Gastfreundschaft
Annika kam mit einer ernsten Ermahnung durch Alois davon. Ihr Führer hatte es eilig, endlich aufzubrechen. Sie wanderten noch eine ganze Weile durch den Wald, dann stiegen sie einem Bach folgend höher. Schon von Weitem konnte man den einsamen Hof sehen, mehr ein bescheidene Almhütte mit einem Stadel neben dran. Davor stand eine Gestalt, die sich beim Nähern als die Bäuerin entpuppte. Sie stellte sich als Susanne vor, nahm Alois vertraulich in den Arm und dann drückte sie Annika an sich. Susanne war eine beachtliche Erscheinung, ein dunkler Typ, groß mit einem massigen Leib und einem lustigen Gesicht.
„Schön wieder mal ein Alm-Madl zu haben, auch wenn es nur für so kurze Zeit ist.“
Nach dem Marsch waren Alois und Annika froh, sich vor dem Haus niedersetzen zu können und die schweren Schuhe loszuwerden. Dabei tauschten Alois und Susanne Neuigkeiten aus. Bauer Benedikt war mit dem Knecht im Dorf, Besorgungen machen und nach den Kindern sehen, die nicht mit auf die Alm gekommen waren. Deshalb drängte die Bäuerin Alois, über Nacht zu bleiben, was der Führer sofort annahm. Er gab seiner freudigen Überraschung Ausdruck, indem er Susanne einen Kuss auf die Stirn gab. Er konnte froh sein, dass er heute nicht mehr den langen Weg nach Hause gehen musste, dachte Annika. Sie selbst wäre dazu jedenfalls nicht in der Lage gewesen, so erschöpft war sie.
Susanne und Alois unterhielten sich weiter, während die Bäuerin nebenbei Haushalt und Hühner versorgte. Annika saß stumm dabei, und genoss das vertraute Miteinander. Niemand erwartete von ihr, dass sie sich groß am Gespräch beteiligte. Es war ihr wohl anzusehen, dass sie ziemlich müde war. Gleich nach dem Abendessen verkündete Susanne, dass die Bettzeit angebrochen sei. Annika hatte nichts dagegen, obwohl es draußen noch ziemlich hell war.
Wegen der beengten Verhältnisse war die Verteilung der Schlafplätze einfach. Das Häuschen wurde nur im Erdgeschoss bewohnt und bestand aus der großen Wohnküche im vorderen und zwei Schlafkammern im hinteren Teil. Die große war für die Bauersleute, die kleine für den Knecht. Annika würde eh mit dem Ehepaar schlafen und Alois als Ehrengast könne man unmöglich die winzige Kammer des Knechts zumuten. Ihm stünde der leere Schlafplatz des Bauern zu.
„So ist es recht und billig“, schloss Alois Susannes Erklärung.
Doch bevor man sich zur Ruhe legen konnte, mussten die müden Körper vom Schweiß und Staub des Tages gereinigt werden. Susanne führte die Gäste um das Haus herum, wo ein Brunnen plätscherte. Der Bereich rings um den Trog, in den das Wasser sich ergoss, war mit glattgeschliffenen Felsplatten ausgelegt.
Hier begann Susanne, den Ehrengast mit einem feuchten Tuch, das sie in eine Schüssel mit Wasser tauchte, und ein wenig Seife zu waschen. Sie fing mit den Armen und dem Rücken an, um sich dann über das Gesäß zu den Beinen vorzuarbeiten. Susanne arbeitete schnell und gründlich. An Alois’ Vorderseite widmete sie sich mit besonderer Sorgfalt seinem Glied und den schwer herunterhängenden Hoden. Zum Schluss wusch Alois sein Gesicht mit den Händen am Trog und nahm dankbar ein Handtuch von Susanne entgegen.
Dann winkte die Bäuerin Annika heran. „Komm, Madl, jetzt bist du dran. Heute bist du ja auch noch irgendwie Gast. Aber ab morgen musst du dich selbst waschen.“
Annika wurde derselben Prozedur unterzogen und als sie sich abtrocknete, glühte ihre Haut am ganzen Körper von der Kombination aus eiskaltem Wasser und rauem Leinentuch. Sie folgte Alois ins Haus und fand die offene Tür der großen Kammer. Trotz des Namens war hier nicht viel mehr Platz als für ein Bett und eine Kommode. Das Bett war jedoch so groß, dass es wohl für drei Personen reichen würde.
Der Führer lächelte Annika aus der Mitte des Bettes an. „Hab ich’s nicht gesagt, ist schön auf der Alm. Wir werden schlafen wie die Babys.“
Annika zögerte, sich dazuzulegen. Vielleicht wäre es möglich, wenigstens heute Nacht allein in der kleinen Kammer zu schlafen? Als Eingewöhnung. Da kam Susanne herein und schob Annika von hinten aufs Bett. Es gab wohl keine andere Option. Zu Annikas Erleichterung bekam jeder von ihnen ein eigenes Bettlaken zum Zudecken. Nachdem sie sich eingewickelt hatte, entspannte Annika sich sofort. Es dauerte keine zwei Minuten, da war sie auch schon eingeschlafen, eingelullt von dem Gespräch, das Alois und Susanne nun fortsetzten.
Als Annika wieder aufwachte war es stockdunkel. Es roch nach Holz und es knackte in allen Ecken. Wo war sie? Ach ja, die Alm ... In der Dunkelheit ganz nah unterhielten sich die Bäuerin und ihr Gast immer noch ... oder schon wieder? Aber der Ton hatte sich geändert. Sie tuschelten und kicherten und ab und zu hörte Annika das feuchte Geräusch eines Kusses. Jetzt war Annika hellwach, sie lag ganz still und horchte ins Dunkel. Mit einem Mal spürte sie das Band um ihren Hals und hatte das Gefühl, dass es ihr das atmen schwer machte.
Die Bäuerin und ihr Gast hingegen waren alles andere als still: die Laken raschelten, das Bett knarrte, Glieder bewegten sich und über allem ihre Stimmen. Alois knurrte leise und Susanne stöhnte sanft und höflich. Anders konnte Annika es nicht auf den Begriff bringen. Nach einer Weile erstarben Geräusche und Bewegungen und es war wieder stille Nacht.
So hörte sich also Sex an. Annika war positiv überrascht von der freundschaftlichen Atmosphäre. Und obwohl sie so nah dabei gewesen war, hatte sie sich weder bedrängt noch bedroht gefühlt. In gewisser Weise hatten Alois und Susanne sie sogar einbezogen. Immer wieder hatte Annika ein ausgestreckter Fuß, eine Hand oder ein Ellenbogen an der Seite oder am Bein berührt. So als würden ihre Bettgenossen nebenbei kontrollieren, ob es ihr gut ginge.
Mit einem Gefühl des Behütetseins schlief Annika schließlich wieder ein.
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Das Dorf
Ein Ort versteckt in den Bergen
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