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Chapter 2 by Reyhani Reyhani

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Urlaub auf der Alm

Annika setzte ihren Tourenrucksack auf die Bank vor der Talstation. Für einen so langen Urlaub war er angenehm leicht. Das war der unmittelbare Vorteil, wenn man den Großteil der Kleidung zu Hause lassen konnte. Jetzt hatte sie es fast geschafft. Nur noch mit der Zahnradbahn hoch zum Pass, dort würde sie der Fremdenführer abholen. So war es ausgemacht.

Sie kramte nach der Mappe mit den Reservierungen. Drei Wochen Urlaub im Dorf, eine davon auf dem Hof auf der Schwarzbachalm. Sie freute sich schon den ganzen feuchten, kalten Winter auf die klare Bergluft und die Sonne auf der Haut. Diesen Sommer kam Annika alleine ohne ihre Freundin. Julia und ihre **** hatten andere Pläne. Aber sie würde ihnen ewig dankbar dafür sein, dass sie ihr im vergangenen Jahr den verwunschenen Ort gezeigt hatten, in dessen Kultur sie jetzt noch tiefer eintauchen wollte.

Annika hatte diese Atmosphäre der prickelnden Erregung und des intensiven Körpergefühls nie ganz vergessen. Was Blicke und Berührungen in dieser so ganz anderen Umgebung auslösen konnten. Eine Spur der Erinnerung hatte den Alltagstrott und die Hektik ihres erstes Studienjahrs überlebt. Die Zeit war so vollgepackt gewesen, dass ihr selten einmal die Ruhe zum Fühlen und Erleben geblieben war. Das sollte sich jetzt ändern.

Mit der Mappe gleich einem Reisepass im Anschlag betrat Annika die kleine Halle der Talstation. Der Fahrer stand schon an der Tür des Triebwagens. Ein stämmiger, älterer Herr mit weißem Haar und weißem Schurrbart unter der blauen Schirmmütze. Sein Bauch spannte die Uniformjacke mit den goldenen Knöpfen. Schnell war klar, dass er seine Aufgabe nicht im Kontrollieren sah sondern auf ein freundliches Gespräch aus war. Er fragte Annika aus und wünschte ihr zum Schluss einen schönen Aufenthalt. Dann gab er das Zeichen zum Aufbruch.

Der Wagen war spärlich besetzt: zwei ältere Ehepaare, eine Gruppe junger Burschen mit kunstvoll gedrechselten Wanderstöcken und bunten Federn an ihren Filzhüten und ein Mann, der zusammen mit einer jungen Frau unterwegs war – es mochte seine schon erwachsenen Tochter sein. Die beiden waren umringt von Tüten und Kartons.

Der Fahrer war schon halb auf dem Weg zum Führerstand, da drehte er sich noch einmal zu Annika um. „Vorne hat es noch ein kleines Abteil, falls du einen Ort brauchst, um dich ungestört umzuziehen ...“

Doch Annika winkte dankend ab. „Ich komm schon zurecht. Ich bin nicht zum ersten Mal hier.“

Sie hatte das so locker gesagt aber innerlich schlug ihr Herz schneller. Sie erinnerte sich an ihre Ankunft im letzten Jahr. Sie hatte sich lange in demselben Abteil versteckt, das ihr der Fahrer jetzt angeboten hatte. Erst kurz vor Ankunft auf der Passhöhe war sie in den Wagen zurückgeschlüpft. Alle waren schon im Aufbruch begriffen und standen ungeduldig vor den Türen, sodass keiner von ihr Notiz genommen hatte.

Damals war es die richtige Entscheidung gewesen, denn unter all den nackten Körpern hatte sie den ersten Anflug von Scham über ihre eigene Nacktheit nach ein paar Minuten überwunden. Annika musste bei der Erinnerung lächeln und ließ sich auf der Holzbank im Abteil nieder. Der Triebwagen machte einen Ruck und los ging es.

Schnell hatte die Bahn den Ort im Tal hinter sich gelassen und stieg den Berg hinauf, erst durch Felder und Wiesen dann durch den Wald. Annika sah aus dem Fenster, der Duft von Zirben und Heu wehte durch den offenen Spalt herein. Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, wie die Einheimischen, die auf dem Rückweg nach Hause ins Dorf waren, sie neugierig betrachteten.

Plötzlich wurde es dunkel – ein kurzer Tunnel. Mit dem zurückkehrenden Licht kam Bewegung ins Abteil. Die Heimkehrer begannen, sich aus ihren Kleidern zu schälen so als könnten sie es kaum erwarten. Annika, die auf dieses Signal gewartet hatte, machte es ihnen nach. Es kostete sie weniger Überwindung, als sie angenommen hatte. Sie wusste, was von ihr erwartet wurden und musste lediglich dem Beispiel der anderen folgen.

Schon bei der Wahl ihrer Reisebekleidung hatte sie sich auf diesen Moment vorbereitet. Das T-Shirt war schnell über den Kopf gezogen, der Sport-BH ebenfalls. Ihre schweren Brüste fielen heraus und sofort überzog sie eine wohltuende Kühle, als der Schweiß der langen Reise allmählich verdunstete.

Der Wickelrock erwies sich als Geniestreich. Auch ihren Slip bekam sie ohne Probleme über die Wanderstiefel, die sie gleich nach dem Aussteigen aus dem Bus angezogen hatte. Zum Schluss stopfte sie den kleinen Haufen Kleidung hastig oben in ihren Rucksack. Möglichst gelassen hob sie den Blick und ließ ihn durch den Wagen schweifen.

Alle saßen schon wieder ruhig auf ihren Plätzen, ihre Kleidung in kleinen, ordentlich zusammengeschnürten Bündeln neben sich. Es war, als säßen alle ein wenig aufrechter, Brust und Glieder geöffnet, dem Licht entgegengestreckt. Und alle blickten sie unverhohlen an: interessiert und wohlwollend, so wie Annika es in Erinnerung hatte.

Es gab genug zu schauen. Annika war, passend zu ihren rotblonden Haaren, ganz bleich und sie war ihren Winterspeck noch nicht ganz losgeworden. Auch deshalb freute sie sich auf die Bewegung an der frischen Luft. Im Laufe des Urlaubs würde sie sich schon dem Aussehen der Dorfbewohner angleichen. Jedenfalls ein bisschen. Ihr Teint würde wohl nie ganz so nussbraun und ihre Muskulatur nicht annähernd so straff werden.

Unter den offenen Blicken der anderen saß auch sie gleich ein wenig aufrechter und ein Kribbeln begann sich auf ihrer Haut auszubreiten. Sie hatte gelernt, nicht verschämt den Blick zu senken, sondern in den Blicken der Einheimischen zu lesen. Sie taxierten ihren Körper auf die ihnen ganz eigene Art:

Waren die Beine der Fremden stark genug, die nächste Anhöhe zu erklimmen? Konnte sie mit ihren Armen wohl zwei Wassereimer tragen? Zu welcher Arbeit taugten ihre Hände? Wie schmeckten ihre Lippen beim Küssen? Wie fühlten sich die harten Spitzen ihres weichen Busens an?

Annika konnte das Interesse an ihrem Körper in all seinen Dimensionen spüren. Sie verstand, wie es gemeint war: als besondere Form der Wertschätzung und als Versuch, sie als Teil des Lebens im Dorf zu sehen. Sie mochte die offene Art und das Gefühl, willkommen zu sein. Im Gegenzug war sie bereit, die Regeln des Dorfes zu befolgen, auch wenn sie manchmal fremd und archaisch anmuteten.

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