Sein Zimmer, Seine Regeln
Es ist nur die andere Seite des Zimmers
1. Ruhe auf dem Campus
Die Nachmittagssonne des Freitags brannte angenehm auf den Campus, während das Semester langsam in die Sommerpause kam. Kendra saß mit ihren drei besten Freundinnen auf der großen Wiese vor der Bibliothek, die Taschen und Proteinshakes bereits griffbereit für die tägliche Gym-Session. Eigentlich war es ein perfekter Moment, doch Kendra hatte ein nervöses Flattern im Magen.
Kendra war eine klassische Schönheit mit einem Gesicht, das direkt aus Hollywood kommen könnte. Mit tiefschwarzem, dichtem Haar, smaragdgrünen Augen, hatte sie diese seltene Mischung aus Eleganz und einer Präsenz, die jeden Raum einnahm, sobald sie ihn betrat.
„Also, Mädels“, unterbrach Alyssa, die wie immer die Rolle der vernünftigen Mutter einnahm, die Stille. „Pläne fürs Wochenende? Ich muss morgen arbeiten, aber heute bin ich frei.“
Alyssa hatte etwas Wildes an sich. Ihr langes, dunkelbraunes Haar war oft leicht zerzaust, und ihr Blick hatte diese gewisse Intensität.
„Ich fahr zu meinen Eltern“, sagte Naomi ruhig, während sie etwas in ihr Tablet tippte. „Grillen, Garten, absolute Ruhe.“
Naomi war die Ruhe in Person. Mit ihren feinen, asiatischen Gesichtszügen und dem glatten, schwarzen Haar, wirkte sie immer konzentriert. Sie schien immer alles zu registrieren was um sie herum geschah.
„Langweilig!“, platzte Tessa heraus. Sie war das genaue Gegenteil von Kendra. Mit Ihre blonden Mähne, den schläfrigen, blauen Augen und ihren Kurven, die selbst in lockerer Kleidung alle blicke um sie herum bändigte wusste sie genau, wie sie ihren Körper einsetzte um Ihr Selbstbewusstsein als Waffe zu benutzen. Sie ließ keine Party aus und war oft das „laufende Skandal“ des Campus.
„Ich gehe feiern. Es gibt eine House-Party bei den Sigmas. Kendra, was ist mit dir? Bist du wieder als Ehefrau unterwegs?“
Kendra lächelte leicht. „Jake führt mich heute Abend aus. In mein Lieblingsrestaurant. Er meinte, ich soll mich schick anziehen.“
„Uhhhhh!“, kam es im Chor in der Gruppe.
„Er ist wieder der hoffnungslose Romantiker, was?“, scherzte Alyssa. „Du hast echt den Hauptgewinn gezogen, Kendra. Ein Freund wie im Film.“
„Ja“, sagte Kendra. „Er ist die Liebe meines Lebens.“
Tessa lehnte sich mit einem bösen Grinsen vor. „Schade eigentlich. Ich wünschte, du könntest dieses Wochenende wieder mit mir feiern gehen. Du könntest ja das beenden, was du letztes Wochenende im Club angefangen hast...“
Kendra fror für einen Moment ein. „Tessa!, wir haben gesagt, wir reden nie wieder darüber.“
„Ach komm schon“, stichelte Tessa weiter. „Du fandest es in dem Moment so geil...“
„Nein!“, unterbrach Kendra sie direkt. „Es war ein dummer Fehler. Ich war betrunken, okay? So betrunken war ich noch nie. Es passiert nie wieder. Wir löschen es emotional, digital, alles. Niemand darf es wissen.“
Sie dachte an die verschwommenen Bilder in ihrem Kopf, der Geruch ihres Ex-Freundes, das Gefühl seiner Lippen auf ihrem Hals, wie sie sich beim Tanzen eng an seine Hose gepresst hatte, während seine Hände ihren Hintern packten. Es war nur ein Slip-up gewesen, ein Ausrutscher durch den Alkohol. Bevor es weitergehen konnte, hatte sie abgebrochen.
„Ja, ja, ich verstehe“, sagte Tessa lachend und zwinkerte Naomi zu. „Ein kleiner Slip-up... direkt in seine Hose!“
Kendras Augen weiteten sich.
,,Tessa! Ich bin niemals so weit gegangen, ich hab vorher abgebrochen!“
Tessa zog nur eine Augenbraue hoch und grinste Naomi wissend an. „Schätzchen, du hast nur aufgehört, weil Naomi dich im letzten Moment von ihm weggezogen hat, bevor ihr beide in der VIP-Lounge verschwunden seid. Alleine hättest du gar nichts abgebrochen“
Alyssa und Naomi konnten sich das Lachen nicht verkneifen, doch Kendra fühlte sich einfach nur schlecht. „Es ist nicht witzig. Jake vertraut mir. Wenn er wüsste, dass ich meinen Ex auch nur berührt habe...“
„Wenn du wirklich daraus gelernt hast, ist es nicht so schlimm“, versuchte Naomi sie zu beruhigen „Fehler passieren.“
„Ganz ehrlich, wäre ich an deiner Stelle gewesen, keine Ahnung, ob ich hätte stoppen können. Dein Ex sieht nämlich immer noch so unfassbar geil aus... dieser Körper, dieser Blick... ich glaube, ich wäre mit ihm direkt auf dem Klo verschwunden, Jake hin oder her." fügte Tessa hinzu.
Kendra rollte die Augen und stand auf. „Naja, ich habe gestoppt. Und es bleibt ein einmaliger Fehler. Ich hab meinen Traumtypen bereits gefunden. Gym-Time?“
„Ja“, stimmte Naomi zu und reichte ihr den Shake. „Lass uns die schlechten Entscheidungen wegtrainieren.“
„Oder rausschwitzen“, ergänzte Alyssa.
Die vier machten sich auf den Weg zum Gym. Sie lachten und redeten viel, doch während Kendra hinter den anderen lief, wollte sie am liebsten Jake schreiben, wie sehr sie ihn liebt, als würde das ihre Taten des letzten Wochenendes gut machen.
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