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Chapter 9 by Meister U Meister U

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Die Nachzüglerin

Lena stand im Eingang. Ihr Gesicht war aschfahl, die Augen weit aufgerissen vor Entsetzen. Ihre Arme waren vor ihrer Blöße gekreuzt, die Hände umklammerten krampfhaft die eigenen Oberarme, als könnte sie sich so unsichtbar machen. Sie zitterte am ganzen Leib. Ihr Blick irrte panisch durch den Raum, über die nackten Körper der anderen Mädchen, die kargen Holzmöbel, die Reste des Essens.

Dann fiel ihr Blick auf Johanna.

Eine Woche ungläubiger Erleichterung ging über ihr Gesicht. Johanna! Eine Vertraute! Jemand aus der echten Welt! Ihre Hände lockerten sich einen Moment lang, als wollte sie ihr entgegeneilen, bevor sie sich schockiert wieder fester um ihre Arme grub.

"Jo... Johanna?", flüsterte sie, ihre Stimme brach. "Was... was ist das hier? Das ist doch kein Wellness... Das ist..."

In diesem Moment trat der Gutsherr aus den Schatten hinter der Tür. Seine massive Gestalt schnitt Lenas Fluchtweg ab. Er sagte nichts. Er musterte sie nur, dieses zitternde Bündel aus Angst und falschen Hoffnungen.

Lenas Blick wanderte zwischen ihm und Johanna hin und her. Die Hoffnung in ihren Augen war jetzt mit purem Terror vermischt. Sie suchte Halt in Johannas Gesicht, einen Funken von Bestätigung, dass das alles ein schrecklicher Irrtum war.

Johanna hielt ihren Blick ruhig. Sie gab kein Zeichen. Sie lächelte nicht. Sie runzelte nicht die Stirn. Sie war einfach nur da, nackt, mit der Metallklammer zwischen den Beinen und den Striemen von Finns Gerte auf der Brust, ein lebendiger Beweis dafür, was dieser Ort war.

Lenas Hoffnung brach zusammen. Ihr Gesicht fiel in sich zusammen. Sie begann leise zu schluchzen, ein hilfloses, ersticktes Geräusch.

"Das ist Lena", sagte der Gutsherr, seine Stimme ein tiefes, unbeteiligtes Rollen. "Sie hat sich verlaufen. Sie hat noch bis Mitternacht, um zu gehen." Sein Blick streifte Johanna, ein winziges, wissendes Funkeln. "Oder um zu bleiben."

Er deutete auf den leeren Stuhl. "Setz dich. Gewöhn dich an die Luft hier."

Lena wankte vorwärts, ihre Knie schienen nachzugeben. Sie ließ sich auf den Stuhl fallen, zog die Beine an und vergrub ihr Gesicht in den Knien. Ihr ganzes Körper war ein einziger Ausdruck von Scham und Verzweiflung.

Johanna spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Kein Mitleid. Sondern eine kalte, klare Genugtuung. Lena mit ihrem naiven Pferdeglauben und ihrer Wellness-Fantasie. Sie war hier so fehl am Platz wie eine Orchidee auf einem Schlachtfeld.

Und doch war ihr Eintritt die perfekte Bestätigung. Sie, Johanna, gehörte hierher. Lena nicht.

Das machte es nur noch besser.

Eine Erinnerung schoss durch Johanna hindurch, so grell und ungebeten wie ein Blitz.

Eine Party. Irgendein muffiges Wohnzimmer. Bierlachen auf dem Boden. Und Lena, ihre Freundin Lena, auf der abgenutzten Couch. Unter einem Typen mit blonden Strähnen. Lenas Beine, die sich gierig um seine Hüften schlossen. Das rhythmische, feuchte Geräusch ihrer Stöße, das sich durch das dumpfe Musikgedudel fraß. Johanna hatte allein im Sessel gesessen, zur Seite geschaut, weggesehen, während in ihr eine schmutzige, neidische Wut gekocht hatte. Nicht, weil sie den Typen wollte. Sondern weil sie das wollte. Diese Unbekümmertheit. Diese lautstarke, öffentliche Hingabe, die sie damals sich selbst nicht erleben konnte.

Und dann der andere Gedanke: Sie war sich fast sicher, dass sie Lena irrtümlich das Bild geschickt hatte. Zusammen mit den anderen Foros. Die Detailaufnahme ihrer eigenen, triefenden Möse, aufgenommen auf der Elfi vor der Kulisse des Hamburger Hafens.

Jetzt, in diesem kargen Speisesaal, trafen ihre Blicke sich wieder. Lenas Augen, noch immer feucht von Tränen, waren weit aufgerissen. Sie starrte Johanna nicht mehr als Retterin an. In ihrem Blick lag jetzt etwas anderes: Erkenntnis. Und ein ungläubiges Entsetzen.

Du, schien Lenas Blick zu sagen. Du hast das gewusst. Du…

Johanna hielt den Blick aus. Ein langsames, kaum merkliches Lächeln kroch in ihre Augenwinkel. Sie beugte sich leicht vor, nicht um Trost zu spenden, sondern um leise, nur für Lena hörbar, zu sprechen. Ihre Stimme war ein seidiges, gefährliches Flüstern.

"Willst du mir schon wieder die geilen Hengste streitig machen, was?", hauchte sie.

Sie richtete sich wieder auf, ließ den Blick über Lenas zitternden Körper gleiten, dann bewusst über ihre eigenen, bereits gezeichneten Brüste und die metallene Klammer zwischen ihren Beinen.

Johanna spürte, wie die alte Eifersucht sich in etwas Reines, Mächtiges verwandelte: in Genugtuung. Der Kreislauf schloss sich. Sie nahm einen letzten Schluck Wasser und spürte, wie die Erregung in ihr tobte, wilder und dringlicher als je zuvor. Die Woche hatte wirklich begonnen.

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