Chapter 6
by
Papas_Liebling
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Zwei Gespräche
Das Restaurant war makellos. Poliertes Holz, feines Porzellan, Kristallgläser. Gedämpftes Licht, Musik, die nicht stören wollte.
Marie setzte sich. Über den Vorfall im Schminkraum hatte sie vergessen, dass sie hungrig war. Erst nach ein paar Minuten merkte sie, dass ihr Magen sich wieder meldete, als habe er gezögert, weil er Angst vor ihrer Wut hatte.
Der Bodyguard nahm ihr gegenüber Platz. Er beobachtete den Raum, aber nicht alarmiert. Als wäre Wachsamkeit sein Grundzustand.
Der Kellner wendete sich mit einer Selbstverständlichkeit an ihn, als seien seine zwei Begleiterinnen nicht mehr als Dekoration.
Nachdem er bestellt hatte, erklärte der Bodyguard beinahe entschuldigend: „Allein essen zu gehen, ist für Frauen nicht erlaubt. Ich hoffe, du magst, was ich bestellt habe.“
„Ich lasse mich gerne überraschen“, antwortete Marie ehrlich, denn die Überraschung bestand hauptsächlich in seiner offenen, freundlichen Art und seiner angenehmen Stimme. Nach seinem bisherigen martialischen Auftreten hatte sie eher einen knurrigen Rambo erwartet.
Er streckte seine Hand aus. „Steve.“
„Freut mich, dich kennenzulernen.“
Steve sprach ruhig und klar, und legte ein natürlich wirkendes Interesse an den Tag. Er fragte Marie, wo sie herkam, was sie bisher gemacht hatte. Er hörte zu. Unterbrach nicht. Er machte keine Anspielungen, keine Bewertungen. Für einen Moment vergaß Marie, in welchem Land sie war. Hätte sie ihn bei einem Date in Berlin getroffen, hätte mehr daraus werden können, dachte sie.
Das Essen schmeckte hervorragend. Sie aß bewusst langsam, um sich zu beruhigen. Die Anspannung ließ etwas nach, ohne ganz zu verschwinden. Soraya und sie bekamen Wein. Steve trank Wasser.
„Du bist nicht das, was man hier von einer Frau erwartet“, sagte er irgendwann.
Marie hob eine Augenbraue. „Ach? Was erwartest du denn von mir?“
Steve lächelte schmal und ließ die Bemerkung im Raum stehen.
Nach dem Essen führte er sie ins Freie zu einer Limousine.
Das Büro des amerikanischen Verhandlungsführers Mr. Jenkins war groß, kühl, auf eine unangenehme Weise nüchtern. Glas und Stahl dominierten. Eine überdimensionale Flagge bedeckte fast die gesamte Rückwand. Er stand nicht auf, als Marie eintrat. Sein Blick war prüfend, kalkulierend.
„Marie Lehnert“, sagte er. Keine Begrüßung. Er las von dem im Schreibtisch eingelassenen Monitor: „Master in Politikwissenschaft, Schwerpunkt Europäische Sicherheit. Thesis zum Thema Gender und Recht. Erste Berufserfahrung im Auswärtigen Amt. Derzeit Referentin für kulturelle und humanitäre Fragen bei der Europäischen Union.“
Er hob die Augen, musterte sie. „Erklären Sie mir, wie jemand mit diesem Profil nur als kleine Protokollantin mit einer Delegation reist.“
Sein Ton war brüsk, fast spöttisch. Marie meinte zu erkennen, dass es Unsicherheit war, die sich als Überlegenheit tarnte.
Gleichzeitig wurde ihr flau im Magen. Stellte er diese Frage, weil er glaubte, sie sei als Spionin eingeschmuggelt worden? Oder fürchtete er, dass sie als Agitatorin auftrat, um amerikanische Frauen aufzuhetzen?
Marie hielt seinem Blick stand und hoffte, dass man ihr die Nervosität nicht ansah. Sie überlegte gründlich, bevor sie antwortete.
„Die EU hat der Bedeutung dieser Gespräche angemessen eine hochrangige Delegation mit sehr qualifizierten Spezialisten zusammengestellt. Ich bin hier, um von ihnen zu lernen.“
Ein kurzes, trockenes Lachen. „Offensichtlich.“
Sie ließ eine Sekunde verstreichen. „Nun, Sie haben auch Frauen im Team. Soraya zum Beispiel.“
Jenkins’ Gesicht veränderte sich kaum. Nur ein Mundwinkel zuckte nach oben. Seine Augen flackerten zu der schwarzhaarigen Schönheit, ehe er sie wieder auf Marie heftete.
„Soraya“, sagte er langsam und seltsam betont, „hat andere Aufgaben.“
„Darf ich erfahren, welche?“
Er lächelte, aber es wirkte nicht freundlich. „Aufgaben, die für Frauen geeignet sind.“
Keine weitere Erklärung. Marie wagte nicht nachzufragen. Sie war verunsichert und verstand, dass Jenkins genau das erreichen wollte.
Er lehnte sich zurück, legte die Fingerspitzen beider Hände aneinander.
„Sie sind hier ausnahmsweise geduldet, Ms. Lehnert, weil Ihre Regierung darauf bestanden hat. Verwechseln Sie das nicht mit Akzeptanz. Sie müssen lernen, wo ihr Platz in der Gesellschaft ist.“
Marie antwortete entwaffnend: „Das habe ich vor.“
Ein Moment Stille. Jenkins musterte sie intensiv, als prüfe er, wie gefährlich es war, sie gehen zu lassen.
Dann wandte er sich ab. „Das wäre alles.“
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Amerika 2075
Eine dystopische Zukunft ... oder doch nicht?
**Diese Geschichte ist reine Fantasie und hat keinen Bezug zur Realität und stellt keinen Kommentar zu tatsächlichen Ereignissen oder Personen dar.** - Die USA haben gewählt und einen Präsidenten an die Macht gebracht, der das Land Zug um Zug in eine frauenfeindliche Diktatur umwandelte. Internationale Handelsbeziehungen wurden gekappt, die Grenzen abgeschottet. Fünfzig Jahre in unserer Zukunft lässt das Regime einige Ausländer ins Land, um ein Handelsabkommen auszuhandeln. Was werden sie vorfinden? Werden sie Amerika verändern oder wird Amerika sie verändern?
Updated on Jun 12, 2026
by Papas_Liebling
Created on Dec 29, 2025
by Papas_Liebling
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