Chapter 6
by
Papas_Liebling
What's next?
Erste Entscheidung
Minutenlang stand Samira hinter der Tür und starrte das dunkle Furnier an, nachdem der Techniker die Wohnung verlassen hatte. Wie hatte sie sich vor diesem Termin gefürchtet! Sie war streng gläubig erzogen. Allein mit einem fremden Mann zu sein, ohne Aufsicht durch eine Verwandte, war bis jetzt undenkbar für sie gewesen. Sie hatte keinerlei Muster oder Anleitung, wie sie sich in einem solchen Fall verhalten sollte.
Doch noch schwerer wog die Pflicht ihrem Ehemann gegenüber. Sie musste ihm gehorchen. Bedingungslos. Alles, was sie wollte, war, ihm eine gute Ehefrau zu sein und ihm – so Gott es will – viele **** zu schenken. Sie hoffte, dass sie bald damit gesegnet würde. Auch wenn ihr Mann die meisten Tage unter der Woche abwesend war und am Wochenende so viel arbeiten musste und unter großem Stress stand, dass er kaum Zeit und Aufmerksamkeit für sie erübrigen konnte. Darüber durfte sie sich nicht beklagen. Ihre Aufgabe war es, den Haushalt zu versorgen, ihren Mann nach besten Kräften zu unterstützen und es ihm so behaglich wie möglich zu machen.
Diese Pflicht war der einzige Grund gewesen, weshalb sie sich überwunden hatte, den Fremden hereinzubitten. Und nun, im Nachhinein? Eigentlich war es gar nicht so schlimm gewesen. Er war höflich und zurückhaltend. Sogar richtig nett, soweit sie es beurteilen konnte. Jedenfalls hatte er ihr in kurzer Zeit mehr Aufmerksamkeit geschenkt als ihr Mann in vielen Wochen.
Inzwischen konnte sie sogar darüber schmunzeln, dass er sie ungebeten angefasst hatte. Sie, die Frau eines anderen Mannes. Er konnte ja nicht wissen, dass dies absolut verboten war, entschuldigte sie ihn in Gedanken. Er war ja ein Ungläubiger. Die strengen Regeln, nach denen sie lebte, mussten ihm unbekannt sein.
Und dennoch, nie durfte jemand davon erfahren. Er hatte versprochen zu schweigen. Sie konnte nur hoffen, dass er sich an dieses Versprechen halten würde. Sie selbst würde jedenfalls niemals darüber reden, mit niemandem.
Sie riss sich aus ihren Gedanken. Keine Zeit für Müßiggang. Sie musste die Wohnung putzen. Der Techniker hatte zwar keinen sichtbaren Schmutz hinterlassen. Trotzdem wollte sie die Teppiche saugen, um alle Spuren seiner Anwesenheit zu tilgen. Als sie mit dem Staubsauger ins Wohnzimmer kam und sich bückte, um das Kabel an die Steckdose anzuschließen, fiel ihr Blick auf den Computer. Sie stockte in der Bewegung.
Der Fremde – nein, David, korrigierte sie sich; sie kannte seinen Namen, er war nicht mehr fremd. David hatte ihr gezeigt, wie man das Gerät einschaltet und bedient. Sie glaubte nicht, dass sie es schon beherrschte. Aber die Grundzüge hatte sie verstanden. Im Grunde war es auch nicht schwierig oder kompliziert. Nur neu.
Neues hatte sie schon immer fasziniert. Alles, was sie lernen konnte, was sie lernen durfte, hatte sie aufgesogen wie ein Schwamm. Leider schien ihr Leben als gehorsame Ehefrau eingegrenzt und vorgezeichnet, sodass die Möglichkeiten, Unbekanntes zu entdecken und ihren Erfahrungsschatz zu erweitern, gering waren. Und nun?
Unerwartet hatte sich ein Fenster zu einer unentdeckten, fast magischen Welt aufgetan. Sollte sie diese ignorieren?
Es kribbelte ihr in den Fingern.
Es war der Computer ihres Mannes, sie sollte ihn nicht benutzen. Ausdrücklich verboten hatte er dies nicht, nein. Vermutlich konnte er sich nicht vorstellen, dass sie ein elektronisches Gerät bedienen wollte. Selbstverständlich könnte sie ihn fragen, ob er es ihr erlaubte. Sie müsste ihn sogar um Erlaubnis fragen.
Sie kniff den Mund zu und schüttelte leicht den Kopf. Wenn sie diese Frage stellte, musste sie auch offenlegen, weshalb sie es wollte. Und woher sie wusste, wie man den Rechner bediente, wer ihr das beigebracht hatte.
Das. Wäre. Unmöglich.
Sie rang mit dem inneren Widerspruch zwischen ihrem Wunsch, eine rechtschaffene, treusorgende Ehefrau zu sein, und ihrer ungestillten Neugier. Das Bedürfnis zu lernen und neue Erfahrungen zu machen war für sie so lebenswichtig wie Essen und ****. Sie konnte es eine Zeit lang unterdrücken, aber nicht auf Dauer ignorieren.
Und sie traf eine Entscheidung. Ihre erste eigene Entscheidung, seit sie verheiratet war.
What's next?
Samira und das Internet
Muslima entdeckt Neues
Die verheiratete Muslima Samira scheut den Kontakt zu fremden Männern und moderner Technik, doch eine für sie außergewöhnliche Situation eröffnet ihr neue Welten. Dabei hilft ihr der junge IT-Techniker Daniel.
Updated on Oct 7, 2025
by Papas_Liebling
Created on Sep 28, 2025
by Papas_Liebling
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