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Chapter 2
by
Papas_Liebling
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Der Pausenraum
Die Bank war kalt. Sophie zog die Beine unter sich und hüllte sich fest in ihren Mantel. Luca spielte noch ein paar Takte, jetzt langsamer, etwas Rauchiges und Leises, eine Melodie, die sich wie Dampf um sie legte.
Er sah, wie sie zitterte.
„Du frierst“, sagte er. Es war keine Frage.
„Wirklich unglaublich. Wenn ich im April barfuß gehe. Wer hätte das ahnen können?“
Luca lachte leise, legte seine Gitarre vorsichtig ab und stand auf. „Komm mit.“
„Wohin?“
“An einen wärmeren Ort.“
Sophie zögerte. Ihr Instinkt meldete sich in ihrem Hinterkopf – die vernünftige, nüchterne Sophie, die sie daran erinnerte, dass dies ein Mann war, ein Fremder, den sie gerade erst kennengelernt hatte, in einem fast menschenleeren Bahnhof, mitten in der Nacht. Niemand war in der Nähe, der ihr helfen könnte, wenn es nötig würde.
Aber dann sah sie ihn an. Ruhig. Gelassen. Unbewaffnet, bis auf seine Gitarre. Und da war etwas in seinem Blick – keine Einladung, keine Erwartung. Nur ein stilles Angebot.
„Geh voraus“, sagte sie.
Er führte sie zum Ende des Bahnsteigs, hinüber zu einem Wartungsgang. Sophie folgte ihm, neugierig und vorsichtig. Eine der Servicetüren war mit einem ramponierten Holzkeil offen gehalten. Luca trat sie mit dem Fuß auf und duckte sich hinein, wobei er einen Lichtschalter betätigte.
Der Raum war klein – vielleicht war es einmal ein Pausenraum gewesen, der nun in Vergessenheit geraten war. An einer Wand brummte leise ein Heizkörper. In der Ecke hatte jemand einen Haufen zusammengewürfelter Decken und alter Sitzpolster liegen lassen. Auf der Fensterbank standen ein paar leere Teetassen, wie Relikte aus einer längst vergangenen Zeit.
„Ich schlafe manchmal hier“, sagte er und zog seine Jacke aus. „Der Bahnhof schließt um zwei, aber hier kommt nie jemand vorbei.“
Sophie trat langsam ein. Die Luft war wärmer und roch nach Weichspüler und Staub. Luca zog eine dicke, flauschige Fleecedecke aus dem Haufen und legte sie ihr mit einer lässigen Geste über die Schultern.
Sie hielt sie fest. „Du steckst voller Überraschungen.“
„Das höre ich oft.“
Sie setzten sich Schulter an Schulter auf den Stapel. Ihre Knie berührten sich. Er rückte nicht weg.
„Warum spielst du hier am Bahnhof?“, fragte sie leise. „Du bist gut genug, um in einem Club, einer Bar, einem richtigen Konzertsaal zu spielen. Du könntest damit gutes Geld verdienen.“
„Zu laut“, sagte er. „Zu viele Leute, die nicht zum Zuhören kommen, sondern um gesehen zu werden. Ich mag die, die zufällig vorbeikommen. Und die Musik zu schätzen wissen.“
„Wie verlorene, zerzauste Buchredakteurinnen?“
Er warf ihr einen Blick zu. Lächelte warm. „Genau.“
Ein Moment der Stille breitete sich zwischen ihnen aus. Eine Stille, die weder unangenehm noch leer war – sondern voller Spannung. Sophie spürte, wie sich die Luft veränderte, wie seine Nähe sie berührte. Seit Monaten war ihr niemand mehr so nah gekommen. Nicht so – Haut an Haut, der Raum zwischen ihnen elektrisiert wie ein abisolierter Draht.
Seine Stimme wurde leiser, bedächtiger. „Ist dir jetzt warm?“
„Fast“, sagte sie. Aber ihre Stimme klang anders. Leiser. Tiefer. Nicht ganz fest.
Lucas Blick huschte zu ihren Lippen, dann wieder zu ihren Augen. Er beugte sich nicht vor. Noch nicht. Er sah sie nur an.
Und Sophie, eingehüllt in Wärme und regennasse Sehnsucht, spürte, wie ihr Atem stockte. Sie bewegte sich leicht und die Decke rutschte von einer Schulter. Bevor sie sie wieder hochziehen konnte, streckte schon Luca sanft und ohne Eile die Hand aus und legte sie wieder zurecht. Seine Finger streiften dabei ihre Halsseite, nur ein flüchtiger Kontakt, und es lief ihr ein Schauer über den Rücken.
„Dir ist immer noch kalt“, murmelte er.
„Vielleicht“, hauchte sie.
Oder vielleicht war es etwas ganz anderes. Etwas, das damit zu tun hatte, dass seine Berührung einen Bruchteil zu lange nachhallte. Die Art, wie sein rauer, warmer Daumen ihre Kinnlinie gestreichelt hatte.
Sie drehte sich zu ihm um.
Seine Hand hatte sich nicht bewegt, sie lag immer noch leicht auf der Decke auf ihrer Schulter. Ihre Gesichter waren jetzt ganz nah. Nah genug, dass sie die leichten Bartstoppeln an seinem Kinn sehen konnte, die Linie einer Narbe, die sich knapp über seiner Augenbraue hinzog. Nah genug, um die Wärme seines Atems zu spüren.
Und dann – langsam und bewusst – beugte er sich vor.
Er hatte es nicht eilig. Er gab ihr Zeit, sich zurückzuziehen. Aber sie tat es nicht.
Ihre Lippen berührten sich.
Sanft. ****.
Sie hielt den Atem an. Küsste ihn zurück – diesmal tiefer, ihre Hände glitten zu seiner Brust und spürten sein Herz unter dem Baumwollstoff. Er antwortete mit einem leisen Geräusch in seiner Kehle, einem kaum unterdrückten Knurren, und zog sie sanft näher zu sich heran.
Die Decke rutschte vollständig von ihren Schultern, als sie sich nach vorne beugte. Ihr Körper suchte den seinen. Luca zog sie mit geübter Leichtigkeit auf seinen Schoß, und sie ließ ihn gewähren, die Knie zu beiden Seiten von ihm, der Rock rutschte hoch.
Seine Hände legten sich auf ihren Rücken. Ihre fuhren durch sein Haar und zogen gerade so stark daran, dass er stöhnte.
Ihr Kuss wurde hungrig – Monate der Einsamkeit, der Stille, der **** lösten sich mit jeder Sekunde, die er dauerte. Seine Zunge traf auf ihre, langsam und intensiv, und sie drängte sich ihm entgegen.
Hinter ihnen klickte die Heizung. Irgendwo in der Ferne rumpelte ein Zug. Der Rest der Welt verschwand.
Luca lehnte sich gerade so weit zurück, dass er seine Stirn an ihre legen und flüstern konnte: „Ist dir noch kalt?“
Sophie lächelte – ihre Lippen waren leicht geöffnet, ihr Atem zitterte. „Nein“, sagte sie. „Ich brenne.“
Und dann küsste sie ihn erneut – diesmal voller Leidenschaft, voller Verlangen, ohne die Absicht, aufzuhören.
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Der letzte Zug (Terminal Velocity)
Ein Bahnsteig. Sie reden. Sie flirten.
Die ruhige, zurückgezogen lebende Buchredakteurin Sophie verpasst ihren Zug und trifft Luca, einen charmanten Straßenmusiker am Gleis 6.
Updated on Jul 26, 2025
by Papas_Liebling
Created on Jul 13, 2025
by Papas_Liebling
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