Was tut sie?
Am Abend...
Als Julius die Badehalle betrat lag der warme Dunst von heißem Wasser in der Luft und der bunte Mosaikboden strömte eine angenehme Wärme aus. Ein halbes Dutzend großer Steinbecken war in den Boden eingebettet, welche Szenen aus der Geschichte der königlichen Familie zeigte. Julius durchquerte den Raum über seinen Urahnen Lamech der gerade einen feuerspeienden Drachen bezwang und stellte sich an den Rand des dampfenden Beckens. Die Gruppe von Dienern welche das abendliche Bad für ihn vorbereitet hatten standen schweigend neben dem Einstieg. Julius tauchte seine Zehenspitze prüfend ins Wasser und registrierte dass es die angeordnete Temperatur hatte.
"Sind Hoheit zufriedn" fragte der älteste von ihnen, ein kahlköpfiges Faltengesicht, welches seinen fjordischen Nordakzent selbst nach zwanzig Jahren Dienst in der Hauptstadt nicht abgelegt hatte.
"Alles bestens Fiete" meinte Julius tonlos und versuchte sich seine Erschöpfung nicht anmerken zu lassen. Als Prinz darf man keine Schwäche zeigen. Doch an Abenden wie diesen wäre er am liebsten einfach in das heiße Wasser gesprungen wie ein kleines Kind um den Stress des Tages hinfort zu spülen.
Als ob Reitunterricht mit Sir Goldhuf und Geometriestunden mit Rektor Duxis nicht schon anstrengend genug gewesen wären, hatte er wie jeden Dienstag auch noch zusammen mit seinen fünf Geschwistern das Generalstabstreffen seines Vaters mit seinem Beratern beiwohnen müssen. Es war immer die gleiche Prozedur.
Sein Vater hatte das Thema der Piratenplage auf der Morgenrotsee aufgebracht, welche vergangenen Monat erneut eine der südöstlichen Hafenstädte geplündert hatten. Auf die Frage wie man dieser Lästigkeit entgegen treten sollten, bestürmten seine beiden älteren Brüder den König wie üblich, mit einer riesigen Flotte den Seeräubern entgegenzutreten und sie alle in einer epischen Schlacht zu vernichten, womit sie mal wider zeigten dass sie keine Ahnung von Strategie hatten.
Die Tage in der sich die Piraten in einer einzigen Flotte schön zusammen auf einem Haufen versammelten waren Mutergöttin weiß vorbei. Als ob die hunderten kleinen Piratengruppen sich von einer Armada beeindrucken lassen würden.
Julius hingegen hatte sich seiner älteren Schwester Ashley in dem Vorschlag angeschlossen sämtliche Piraten zu begnadigen, ihnen das Behalten ihres Beutegutes der bisherigen Kaperfahrten zu erlauben und sie darin zu unterstützen die Landwirtschaft und Bergbau im Piratenarchipel aufubauen. Nach der Meinung von Ashley und Julius begaben sich die meisten der Piraten nämlich nur auf Kaperfahrten weil sie entweder als Gesetzlose keine andere Arbeit fanden und-oder keine andere Möglichkeit hatten sich und ihre Famillie zu ernähren.
Nachdem man sich eine Weile Vorwürfe der Feigheit, Kurzsichtigkeit oder Dummheit gegenseitig an den Kopf geworfen hatte, endete die Diskussion damit dass der Finanzminister darlegte wie kostenspielig beide Konzepte waren und dass man stattdessen einfach nur die Befestigungen der großen Hafenstädte erneuern sollte und ansonsten alles beim alten lassen sollte.
So war es immer. Ob bei der Diskussion über ein Bündnis mit den magischen Königreichen, die Abschaffung der Albinodikriminierung oder die Unterwerfung der Fjordvöker jenseits des Eisgolfes. Und wie immer stimmte ihr Vater dem kostengünstigeren Vorschlag des Finanzministers zu. Ob dem des Alten, welchen er weggeschickt hatte nachdem er dessen Tochter einmal gefickt hatte oder den neuen, dessen Tochter selbst für seinen Vater zu jung war gefickt zu werden. Der König musste sich daher mit der jungen Frau des jetzigen Finanzministers begnügen. Der Anblick seines Vaters wie er das blonde Flittchen über den Kartentisch des Reiches gebeugt in den Arsch gefickt hatte, war sowohl erregend als auch verstörend gewesen und hatte Julius gelehrt nie wider zu früh zu einem Generalstabstreffen zu erscheinen. Er kam nun stehts als letzter.
Es ist schon hart Prinz zu sein stöhnte Julius innerlich. Er blickte auf die beiden Männer und die jungen Mädchen die in einfaches Leinen gekleidet vor ihm neben dem dampfenden Wasserbecken standen und bekam ein schlechtes Gewissen. Selbst all der Luxus und Reichtum der Welt machten ihn nicht zufrieden. Er war arrogant und verwöhnt.
"Lasst mich bitte für eine Stunde alleine, ich möchte in Ruhe mein Bad genießen." Hatte er sich gerade genervt angehört? Verammte Stimme! dachte er Du hattest einen Job! Er drehte sich zu den Dienern und Dienerinnen zu welche bereits Anstalten machten die dampfumnebelte Halle zu verlassen "Danke für eure Dienste" meinte er und schafte es nicht zu murmeln, was sich kindisch angehört hätte.
"Stehts zu Diensten eure Hoheit, sind froh euch behilflich zu sein" meinte das Faltengesicht mit einer angedeuteten Verbeugung und dem Anflug eines Lächelns im Gesicht. War es so amüsant das sich ein Mitglied der königlichen Familie bedankte?
Die Gruppe entfernte sich und Julius streifte sich sein samtenes Badegewand ab, faltete es zusammen und legt es auf eine geheizte Steibank, weitgenug vom Becken entfernt damit es nicht vollgespritzt werden würde. Er freute sich auf einige entspannende Minuten. Seine Brüder waren auf einer Feier und sein Vater "inspizierte" die Pferdeställe. Nichts war besser als ein einsames entspannednes Bad umgeben von Stille Dampf und den Deckengemälden welche die abenteuerlichen Reisen des Nimrod zeigten.
Als die Gruppe an der marmorsäulengesäumten Tür der Beckenhalle angekommen war, drehte eine der Dienerinnen, ein dünnes rotäugiges Mädchen, sich zu ihm um und musterte ihn eine Augenblick durch den weißen Dunst, welcher die Farbe ihres Haares hatte, bevor sie mit den anderen Dienern die Halle verließ und die kunstvoll verzierte Eichentür hinter sich schloss. Sie war ein Sklavenmädchen von den Albinoinseln und musste ihn dafür hassen dass er zu der Familie gehörte die ihr Volk vor einem Jahrhundert unterwofen hatten. Armes Ding.
Julius gab dem Drang nach und sprang vom Stufenansatz ins Becken hinein. Er spürte wie das angenehm heiße Wasser sich über ihm Schloss und wie die Hitze seinen Körper umspielte. Sich an die plötzliche Hitzte gewöhnend, hatte er die Augen fest geschlossen und genoss wie die Wellen seines Sprunges seinen Körper hin und her wogten und die Strömung ihm sein dunkelbraunes Lockenhaar ins Gesicht spülten.
Was für ein Luxus dachte er. Ich bin echt ein Arschloch.
0 comments
No comments yet
The story has no discussion yet. Leave a note here when a branch gives you something to say.
No chapter comments yet
No one has commented on this branch yet. Add the first note above.