Was hat denn Pandora damit zu tun?
Sie hätte es vielleicht verhindern können
"Du?" Alex sah zu ihr. "Jetzt sag bloß nicht, du wusstest, was die beiden vorhatten!"
"Natürlich nicht!" Pandora sah irritiert zu ihm. "Aber ich hätte Anna gegenüber misstrauischer sein sollen. Da lass ich mich einmal von meinem Bauchgefühl leiten, und dann passiert so was!"
Steffen sah sie einen Moment nachdenklich an, ehe sich seine Miene etwas klärte. "Stimmt", sagte er, "du warst sehr schnell dafür, dass wir sie hier aufnehmen. Wir hatten das Kennenlernen online, und du bist recht früh gegangen, weil du sie für vertrauenswürdig hieltest."
Pandora nickte niedergeschlagen. "Wie gesagt, man sollte nie auf seinen ersten Impuls hören. Ich hätt ihr doch noch mehr auf den Zahn fühlen sollen. Aber sie hat so einen guten Eindruck gemacht, einmal weil sie online so gut wie nicht zu identifizieren war, und dann noch-" Sie unterbrach sich selbst. "Ich hätte nie gedacht, dass sie irgendwie mit Ikarus gemeinsame Sache machen würde. Ganz im Gegenteil."
"Na ja, wir haben Ikarus aus den Augen verloren", meinte Steffen. "Sogar du hast ihn nicht mehr finden können. Du hattest also keine Chance, sie irgendwie mit ihm in Verbindung zu bringen."
"Leider doch", gab Pandora zu. "Ich wusste sogar, dass es zwischen den beiden eine Verbindung gab. Die beiden sind Bruder und Schwester."
Einen Moment herrschte Stille im Zimmer. Dann war es Tom, der als erster die Worte wiederfand. "Was?" krächzte er.
Pandora nickte. "Bruder und Schwester. Es ist mir klargeworden, als mir Anna das mit ihren Kindern und Panacea erzählt hat."
"Wie konntest du das für dich behalten?" stieß Steffen fassungslos hervor. "Wenn wir gewusst hätten, dass sie die Schwester von Ikarus ist, wären wir doch alle viel vorsichtiger bei ihr gewesen!"
"Genau darum hab ich auch nichts gesagt", gab Pandora zurück. "Weil ich nicht wollte, dass ihr sie deswegen irgendwie vorverurteilt. Und weil Ikarus immer noch mein Problem ist, und nicht eures!"
Wieder herrschte einen Moment Stille im Raum, und wieder war es Tom, der sie brach: "Jetzt aber ist er das Problem von uns allen", gab er von sich.
Steffen nickte. "Wie konntest du nur denken, dass Ikarus' eigene Schwester uns keine Probleme machen würde?"
"Weil Ikarus sie nicht ausstehen konnte", sagte Pandora. "Die beiden hatten sich vollkommen zerstritten; er hat nur über sie abgelästert: sie mit ihrem dämlichen Kult, hält sich selbst für eine Gottheit, verantwortungslos- Nie im Traum hab ich mir vorstellen können, dass die beiden irgendwann mal zusammenarbeiten, so wie er geredet hat."
"Tja, und jetzt haben wir den Salat", meinte Alex trocken. "Offenbar arbeiten die beiden doch zusammen, und jetzt haben sie noch Asha, Fanny und Dao auf ihrer Seite, und Steffi ist zumindest eine Informantin für sie. Mensch, warum musst du so was auch für dich behalten?"
Pandora lächelte etwas geknickt. "Need-to-know-Basis?"
Aber Steffen schüttelte düster den Kopf. "Das hier hätten wir erfahren müssen, Pandora. Wie Alex sagte, jetzt haben wir den Salat, und die haben alle Informationen, die wir über Shangri-La beschafft haben. Viel schlechter hätte das nicht laufen können."
"Also bezüglich der Daten aus dem Ministerium..." Pandora richtete sich wieder auf. "So schnell werden die da nicht rankommen. Meine Hardware ist gut gegen Zugriff geschützt; da brauchen die schon einen Profi. Und wenn sie rankommen, komm auch ich wieder ran. Ich hab nämlich auf allen meinen Systemen Backdoors installiert. Wobei-" Ein leichter Schatten fiel über ihr Gesicht. "Wenn die die Backdoors finden, könnten die auch bei mir reinkommen; da muss ich mir was überlegen."
"Im Moment fehlen uns vor allen Dingen Informationen", ließ sich Tom schwach vernehmen. "Wir wissen zwar jetzt, dass Ikarus eine eigene Untergrundzelle hat, aber wir wissen nichts über deren Ziele, Aktivitäten, Mitglieder oder sonst was. Das könnte uns echt Probleme machen, wenn die jetzt auch noch hier rumpfuschen."
Von der Tür kam ein leises Räuspern. "Vielleicht kann ich da helfen", sagte eine helle Stimme.
Alle drehten sich um und erblickten Ria, die sich an den Türrahmen gelehnt hatte.
"Richtig", sagte Steffen nach einem Augenblick, "er hatte was erwähnt, dass du eigentlich hättest mitkommen sollen. Weißt du was über seine Pläne?"
"Och, so ziemlich alles." Sie grinste. "Was dieser Ikarus so für Ziele verfolgt, wie sie vorgehen und auch, was sie als nächstes vorhaben."
Tom sah sie verwirrt an. "Warum sollte Viktor dir das alles verraten? Du hättest ihn auffliegen lassen können, wenn du nicht auf seiner Seite gewesen wärst."
Ria nickte. "Hätte ich. Aber er hat mir eine besondere Rolle zugedacht: Während er verschwindet, soll ich hierbleiben und rauskriegen, was ihr plant. Damit er vorbereitet ist, falls ihr was gegen ihn unternehmen wollt."
"Ähm..." Steffen trat etwas näher an sie heran. "Und du redest so offen über den ganzen Plan, weil...?"
"Wegen ihm hier." Ria sah zu Tom auf dem Bett und seufzte. "Wir hatten nämlich eigentlich vereinbart, dass ich jetzt wieder seinen Schwanz bekomme, wenn Ishtar nicht mehr hier ist. Aber ihr seht ja, sie hat mich verarscht." Eine Zornesfalte erschien auf ihrem Gesicht. "Und ich lass mich nicht gerne verarschen!"
Alex blinzelte verwirrt. "Noch mal zum Mitschreiben", bat er. "Eigentlich solltest du hierbleiben, um uns weiter auszuspionieren?"
Erneut nickte Ria. "Das war die Idee. Ich behaupte, ich will nicht bei ihm mitmachen, ihr seid heilfroh, dass überhaupt noch wer bei euch mitmachen will, darum vertraut ihr mir immer noch, und ich sorg dafür, dass Papa weiterhin weiß, was bei euch abgeht."
"Für wie dämlich hält er uns, dass er glaubt, wir würden dir vertrauen?" gab Alex zurück. "Vor allem jetzt, wo du uns ganz offen gesagt hast, dass du uns infiltrieren sollst?"
"Für ziemlich dämlich", gab Ria zurück, "obwohl ich ihm schon die ganze Zeit sage, dass ihr das nicht seid. Aber auf meine Meinung gibt er nicht so viel, oder auf meine Bedürfnisse." Sie sah wieder enttäuscht zu Tom. "Ishtar wollte dich eigentlich nur bewusstlos rammeln, hat sie gesagt. Dass sie dich total aussaugt, war nicht abgemacht."
Steffen, der inzwischen neben ihr stand, legte ihr eine Hand auf die Schulter. "Dass wir dir trotzdem nicht so ohne weiteres vertrauen, wird dir hoffentlich klar sein", sagte er. "Alles, was du sagst, werden wir mit Sicherheit erst mal prüfen, ehe wir es dir glauben. Auch, dass du uns überhaupt helfen willst."
Ria sah lächelnd zu ihm auf. "Gut", meinte sie. "Damit beweist ihr nämlich, dass ich recht hatte und ihr nicht so doof seid, wie Papa dachte."
5 comments
No comments yet
The story has no discussion yet. Leave a note here when a branch gives you something to say.
No chapter comments yet
No one has commented on this branch yet. Add the first note above.