Wird er die Idee umsetzen?
Darauf verzichtet er doch lieber
Malias Vorschlag war natürlich nicht ernst gemeint, und Alex nahm sich auch definitiv vor, das nicht zu tun. Statt dessen planten sie noch ein bisschen die eigentliche Kampftaktik zusammen durch, und schließlich sah der bald bevorstehende Einsatz in ihren Köpfen nicht mehr ganz so selbstmörderisch aus wie noch zuvor. Nach etwas Hin und Her war auch klar, dass Pandora sie nicht von zuhause aus unterstützen würde, sondern vor Ort mit ihnen unterwegs war, um so sicher Zugriff auf das Funknetz vor Ort zu haben. Zwar würde sie geschützt im Auto bleiben, aber ganz der Gefahr entziehen konnte sie sich auch hier nicht.
Der besseren Flexibilität wegen entschieden sie sich dazu, sich auf gleich drei Autos zu verteilen, und Alex würde separat auf seinem Motorrad fahren. Das machte sie als Team weniger angreifbar, und wenn wirklich eins ihrer Vehikel streikte oder ausgeschaltet wurde, war immer noch genug Platz für die anderen da. Die einzige Herausforderung war, dass sich Alex nach dem Einsatz in Windeseile wieder anziehen musste, aber extra hierzu hatten ihm die anderen einen geeigneten Overall besorgt, bei dem er nur noch hineinschlüpfen und den Reißverschluss zuziehen musste, und mit ein bisschen Übung schaffte er das in unter zehn Sekunden.
Und so fühlten sie sich bestmöglich auf den großen Tag vorbereitet.
Von all dem wussten die Verfassungsschutzbeamten nichts, als sie morgens ihren Gefangenen aus der Hochsicherheitseinrichtung in Cottbus herausführten und ihn in den Transporter nach Marburg setzten, zusammen mit sechs Beamten der Bundespolizei und einem weiteren Mannschaftswagen als Eskorte. Für 'Vorbild', wie der Codename des Gefangenen lautete, galt die höchste Sicherheitsstufe, und so hatte man ihm Hand- und Fußfesseln angelegt, ihn geknebelt und noch zusätzlich eine blickdichte Kapuze aufgesetzt, um ihm auf keinen Fall irgend eine Chance auf Flucht zu geben. Das hier würde seine letzte Reise sein, sowohl die Beamten als auch er selbst wusste das, und so hatte man alle Maßnahmen getroffen, die Überführung abzusichern - sowohl durch Abschreckung als auch durch nicht so offensichtliche Maßnahmen.
Die Fahrt war auf etwa sechs Stunden angesetzt, und für diese Zeit war auch tatsächlich höchste Aufmerksamkeit angesagt. Die Koordination lief über den Gefangenentransporter selbst, der mit einem Autopiloten ausgestattet war, was den Polizisten im Inneren die Möglichkeit gab, ihre volle Konzentration auf die Überwachung der Umgebung zu fokussieren. Da das durchaus eine ermüdende Aufgabe war, hatten sie sich im Vorfeld darauf verständigt, das in drei "Schichten" von jeweils zwei Stunden zu machen, bei denen immer zwei Leute aktiv vorne in der Fahrerkabine saßen und die vier anderen in der Zwischenzeit hinten im Transportraum den Gefangenen bewachten. So war sichergestellt, dass sie nichts übersahen.
Und tatsächlich lief die Fahrt auch über den größten Teil der Strecke glatt. Der Verkehr hielt sich in Grenzen, und mit dem Mannschaftswagen neben ihnen, der permanent das Blaulicht anhatte, kam ihnen auch niemand zu nahe. So kamen sie gut voran, ließen irgendwann Göttingen rechts liegen und steuerten dann durch einen kleinen Streifen Wald hindurch.
Als plötzlich und vollkommen unerwartet der Gefangenentransporter langsamer wurde und an den Straßenrand fuhr.
Überrascht nahm einer der Beamten in der Fahrerkabine Kontakt zu dem Begleitwagen auf, oder besser, er versuchte es, musste aber feststellen, dass das Kommunikationssystem des Bordcomputers keine Eingaben zuließ. Sein Kollege wollte nach hinten zu den anderen und ihnen Bescheid sagen, musste aber feststellen, dass die Durchgangstür in den Transportbereich plötzlich verschlossen war und auch die Gegensprechanlage nicht funktionierte. Irgend etwas Unerwartetes war passiert, etwas mit dem System stimmte nicht, und jetzt bog der Transporter auf einen Wirtschaftsweg direkt hinter dem Waldstück ab und fuhr die Straße entlang. Das Begleitfahrzeug, das konnte man im Rückspiegel sehen, folgte ihnen weiterhin, sie waren also nicht ganz alleine-
In diesem Moment traten plötzlich fünf seltsame Gestalten auf die Straße, bauten sich vor ihnen auf, und das Fahrzeug hielt vor ihnen an. Und die beiden Polizisten in der Fahrerkabine dachten, sie wären im falschen Film.

Die Gestalten sahen aus, als wären sie einer schlechten Vormittags-Superheldenserie entsprungen. Und allem Anschein nach hatten sie es auf den Gefangenen abgesehen.
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