Werden sie sich noch über die Namen einig?
Steffen knickt ein
Eine halbe Stunde später hatten sie Steffen endgültig überstimmt: Widerstrebend stimmte er zu, dass die anderen sich eigene Codenamen aussuchen durften, auch wenn er arge Bauchschmerzen mit "Shorty" hatte. Nachdem aber Malia absolut darauf bestand, nahm er auch das hin. Allerdings war er so eingeschnappt, dass er für den Rest der Fahrt kein einziges Wort mehr sagte.
Das war allerdings auch nicht schlimm, denn Malia hatte an die anderen eine Menge Fragen. Wo sie herkamen, wie sich sich gefunden hatten, was sie sonst so machten, wenn sie nicht gerade kleine knuddelige Frauen aus dem Gefängnis befreiten und was sie nun mit ihr vorhatten. Tom hielt die anderen davon ab, zu viel über sich preiszugeben und übernahm ansonsten einen Großteil des Erklärens. Letzten Endes sagte er nicht viel mehr als das, was auch Alex an seinem ersten Tag erfahren hatte und bat Malia, erst einmal in Ruhe anzukommen und sich Zeit zu nehmen, um ihren weiteren Weg zu entscheiden. "Wenn du uns wieder verlassen willst, steht dir das frei", hatte er geendet. "Aber wenn du dich uns anschließen möchtest, werden wir uns sehr darüber freuen."
"Im Moment seid ihr mir alle ganz sympathisch", gab Malia zurück. "Ja, auch du, Eidolon, kuck nicht so! Ihr habt ne Menge drauf - Verwandeln, Singen - und hab ich das richtig gehört? Titania kann riesengroß werden?"
Diana nickte schüchtern. "A-Aber es geht n-nicht so einfach wie bei Eidolon. Ich v-verliere dabei manchmal die Beherrschung."
Malia sah sie nachdenklich an. "Das ist also unten im Gefängnis passiert", sagte sie. "Okay, dann verzichte ich darauf, das jetzt sehen zu wollen. Noch jemand anderes, der mir zeigen will, was er kann?"
"Vielleicht später", schmunzelte Alex. "Ich kann was Ähnliches wie Titania, aber dafür wäre ich lieber raus aus dem Auto."
"Und bei mir gibt's nicht viel zu sehen", fügte Tom hinzu, "wie bei dir. Ich hab einfach nur ein sehr, sehr große Ausdauer. Genau wie du einen sehr, sehr zähen Körper hast."
Malia ließ die Mundwinkel hängen. "Schade. Na ja, warte ich halt noch ein bisschen. Vielleicht sind die anderen, zu denen wir jetzt fahren, ja nicht so langweilig wie ihr."
Ob Malia jetzt Lorena und ihre Töchter auch "langweilig" fand, verriet sie nicht. Dafür aber war das nächste, was sie nach ihrer Ankunft wollte, ein Rechner mit Internetzugang, um sich neue Kleidung bestellen zu können: Nichts von dem, was sich in der Villa fand, passte ihr wirklich. Lorena war gerne bereit, sie surfen zu lassen - allerdings nur unter Toms Aufsicht, damit sie nicht versehentlich irgendwelche Hinweise darauf ausplauderte, wer sich hier an diesem Ort aufhielt.
Alex nutzte die letzten Stunden des Tages noch dazu, weiter an seiner Maschine zu arbeiten. Schließlich war er sicher, das Motorrad auf Herz und Nieren durchgeprüft zu haben und keine Ersatzteile zu brauchen - der Rahmen machte ihm allerdings immer noch Sorgen. Er hätte eine Richtbank gebraucht, die es hier aber nicht gab. Normalerweise hätte er jetzt eine Werkstatt aufgesucht und den Leuten dort etwas Geld dafür gegeben, um ihr Equipment nutzen zu dürfen, aber das wollte er nicht ohne Rücksprache mit den anderen machen. Auch ihm war Sicherheit sehr wichtig, insbesondere, da er ja erfahren hatte, wie skrupellos die Gegenseite vorging.
So beendete er seinen Tag, indem er sich noch einmal ordentlich den Dreck herunterschrubbte und zusammen mit den anderen das Abendessen einnahm. Malia war nach dem Gefängnisessen so glücklich über eine normale Mahlzeit, dass sie sich mit ihren Kommentaren vollkommen zurückhielt. Diesmal waren auch Lorena und Tamara beim Essen mit dabei, und Lorena schaufelte zu seiner Überraschung Unmengen von Nudeln in sich hinein, die er der Frau gar nicht zugetraut hätte. Dafür schien Tamara aber nicht viel Appetit zu haben - sie wirkte recht nachdenklich, und zu Alex' Überraschung ertappte er sie dabei, wie sie immer wieder verstohlen zu ihm herüber blickte, ihren Blick allerdings wieder abwandte, wenn er zurückschaute. Nachdem das drei-, viermal passiert war, sprach er sie einfach an: "Ist was, Tamara? Du wirkst ein bisschen, na ja, abgelenkt auf mich."
"Es ist, weil-" Sie schien einen Moment ihre Worte zu sortieren. "Ich muss nachher mal mit dir reden. Wegen gestern. Und wegen... anderen Sachen."
"Kannst du gerne hier am Tisch machen", warf eine von Lorenas anderen Töchtern ein. "Wir haben hier keine Geheimnisse voreinander, schon vergessen?"
Tamara warf ihr einen bösen Blick zu. "Das ist was Privates, Steffi", fuhr sie sie an - der Himmel wusste, wie sie sie von Fanny unterscheiden konnte. "Steck deine neugierige Nase nicht in meine Angelegenheiten!"
Lorena legte geräuschvoll ihr Besteck auf den Tisch. "Tamara, Liebes, bitte nicht in dem Ton. Ich weiß, du machst dir Sorgen wegen-"
"Gar nichts weißt du!" fuhr Tamara ihre Mutter ungehalten an, dann schien sie plötzlich über ihren eigenen Gefühlsausbruch erschrocken zu sein, blickte betreten zur Seite und stand einen Moment später von ihrem Stuhl auf. "Bitte entschuldigt mich." Mit diesen Worten lief sie aus dem Esszimmer.
"Was hat sie denn?" erkundigte Alex sich bei Lorena. "Ist über den heutigen Tag was passiert?"
Lorena lächelte nur. "Nichts Tragisches. Das ganze Problem spielt sich nur in Tamaras Kopf ab. Eigentlich sollte sie erwachsener sein, aber..." Sie zuckte mit den Schultern. "Na ja, das renkt sich schon wieder ein."
Alex blinzelte verwirrt. "Worum geht es denn bei der ganzen Sache?"
"Das wird sie dir bestimmt noch selbst sagen", gab Lorena zurück, und damit schien die Sache für sie erledigt - sie nahm ihr Besteck wieder auf und machte sich erneut ans Essen.
"Hm." Alex sah noch einmal am Tisch auf und ab, aber niemand schien das Thema aufgreifen zu wollen, auch wenn Steffi und Fanny ihn anschauten und dabei amüsiert tuschelten. Nun gut, dann würde es Zeit bis später haben.
Nachdem er fertig mit Essen war, verabschiedete er sich als einer der letzten vom Tisch und ging zurück zu seinem Zimmer - nur Lorena war damit beschäftigt, auch die letzten Reste noch zu verputzen; sie musste wirklich großen Hunger gehabt haben. Ihm ging der ganze ziemlich verrückte Tag noch einmal durch den Kopf - was alles schiefgegangen war, wie sich er und die anderen trotzdem noch durchgeschlagen hatten, sein wilder Fick mit Diana - alles in allem war das eines der interessanteren Ereignisse in seinem Leben gewesen. Und wenn er bei der Gruppe blieb, würde es wohl noch einige andere interessante Ereignisse für ihn geben. Wie ging noch mal dieser chinesische Fluch? Mögest du in interessanten Zeiten leben?
Als er an seinem Zimmer ankam, fiel ihm auf, dass die Tür nur angelehnt war. Er selbst hatte sie mit Sicherheit zugemacht, und das bedeutete, dass jemand dort gewesen war - oder vielleicht immer noch drinnen war, dachte Alex sich, und er hatte auch schon eine ganz gute Idee, wer das sein konnte. Tamara hatte ja schon angekündigt, mit ihm reden zu wollen, und ungefragt in seinem Zimmer auf ihn zu warten, das hatte sie ja schon einmal gemacht. Dementsprechend lächelte er in sich hinein, als er seine Tür öffnete und zu der Frau blickte, die nackt vor seinem Bett hockte-
-nur war das nicht Tamara. Es war eine andere junge Frau, ausgesprochen hübsch und appetitlich gebaut, mit welligem dunkelblonden Haar und grünblauen Augen, ähnlich wie er selbst. Ihre Brüste hatten kleine, feste Nippel, aber sehr große Warzenhöfe und wippten leicht, als sie sich ihm zuwandte.

"Hi", sagte sie mit einem verführerischen Unterton. "Schön, dich kennenzulernen, Alex."
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