Wie geht's weiter?
Ein Abschied
Ari war bereits aufgestanden und zog sich um, als Jazz aus der Dusche kam. Sie war noch immer nackt. Mit einem blütenweißen Handtuch trocknete sie sich ihre langen, rabenschwarzen Haare ab. Wassertropfen glänzten silbern auf ihrer samtigen, olivfarbenen Haut. Aris Schwanz muckte schon wieder auf.
"Sag mal, Ari," fragte Jazz beiläufig. "Weshalb hast du mich eigentlich angerufen?"
Ari hielt in seinen Bewegungen inne. "Einfach so," log er rasch. "Ich wollte deine Stimme hören." Noch trunken von dem soeben beendeten Sexrausch hatte Ari absolut keine Lust ans Geschäftliche zu denken - auch wenn das reichlich unprofessionell war.
"Oh." Jazz lächelte und widmete sich weiter ihren Haaren.
"Deine Klamotten liegen noch im Schlafzimmer," erklärte Ari hilfreich, um vom Thema abzulenken. Ihr enger Overall und ihre Stiefel algen noch immer genau dort, wo Jazz sich ihrer entledigt hatte, zusammen mit einem hauchdünnen, dunkelroten G-String.
Jazz nickte abwesend.
"Du kannst gerne länger bleiben, wenn du willst. Fühl' dich ganz wie zuhause." Ari schaute auf die digitale Zeitanzeige. In sechs Minuten stand der Gleiter bereit.
"Wie geht's Corey?" fragte Jazz, während sie langsam durch das Wohnzimmer streifte und sich umsah.
"Gut. Er hat wohl viel zu tun und klang geradezu begierig mal rauszukommen. Cageball geht ihm noch immer gut ab."
"Grüß ihn von mir."
"Mach ich." Corey und Jazz hatten sich stets gut miteinander verstanden, auch wenn Corey von Anfang an der Meinung gewesen war, dass sie und Ari sich zu ähnlich waren. Letztendlich hatte Aris alter Freund Recht behalten.
Jazz näherte sich dem Panoramafenster. Sie machte noch immer keine Anstalten ihre Blöße zu verbergen und wickelte sich stattdessen das Handtuch turbanartig um ihr feuchtes Haar. Ari schluckte. Jazz war einfach atemberaubend. Ari war drauf und dran Corey abzusagen. Der Elf biss sich auf die Lippe, durchquerte das Wohnzimmer und trat neben sie. Die funkelnden Lichter der Megapole badeten die Nacht in ein aufregendes Farbenmeer.
"Überwältigend, oder?"
"Das kannst du laut sagen."
"Bereust du manchmal nicht, dass wir Schluss gemacht haben?" Ari hatte sich für Frontalangriff entschieden. Trotz der Dusche roch Jazz noch immer nach Sex.
Jazz zögerte mit ihrer Antwort. Aris Lungen füllten sich mit hoffnungsfoher Erwartung. Doch anstatt Jazz eine direkte Antwort gab, hob sie ihr Kinn, als wollte sie in eine bestimmte Richtung zeigen. Ari folgte ihrem Wink. In der Verlängerung lag der Beanstalk, der Porta Murazor mit dem Raumhafen verband. "Ich habe vorgestern mein erstes Kommando erhalten. Zweiter Navigator auf der 'ECS Duque Shapiro'."
"Glückwunsch," erwiderte Ari trocken. Ein Kloss bildete sich in seinem Hals. "Wann?"
"In einer Woche."
"Hmm." Ari blickte in die Weite der Nacht. Auch das war stets eine der Klüfte zwischen ihnen gewesen: Jazz' Beharren auf ihre Karriere im Expedition Corps. Sie hatte stets betont, die Weiten des Weltraums kennenzulernen. Trotz der modernen Sprungantriebe konnten Raumreisen immer noch Monate dauern. Nicht wirklich ein Zeitrahmen, um eine sensible, spannungsgeladene Beziehung nachhaltig zu festigen. Ari war sich stets dessen bewusst gewesen. Dennoch traf ihn die Raschheit ihres Abflugs unerwartet. "Kaum Zeit uns noch einmal wiederzusehen."
Jazz wandte nun den Kopf ihm zu. Ernst blickte sie ihn an. "Nein." Zögerlich legte sie eine Hand auf seine Brust. "Ich..."
Ari schüttelte bedächtig den Kopf. "Keine Worte." Sanft nahm er ihre Finger in seine Hand und drückte sie. Er spürte Jazz' Anspannung und sah, wie sie sich auf die Lippe biss. Vor wenigen Augenblicken wer Ari derjenige gewesen, der den Kontakt gesucht hatte; nun brach er ihn ab. "Es ist besser so."
Jazz nickte. Ari wandte sich ab und richtete seine Montur. Er hatte sich für leichte Unterhaltungskleidung entschieden, die weit genug war, dass eine leichte, automatische Handfeuerwaffe locker darunter verborgen werden konnte. Als öffentlich anerkannter Leibwächter besaß Ari eine Konzession zum Tragen bestimmter Waffen auch in der Öffentlichkeit. Diese Konzessionen waren nicht billig, doch die Kosten waren es einfach wert: Der Stress sich illegale hinreichend zu bewaffnen lohnte sich den ganzen Geiz nicht und lenkte von der eigentlichen Arbeit ab. chließlich war Ari auf dem Weg zur Tür, als Jazz noch einmal das Wort ergriff.
"Ari. Kennst du einen Kerl namens Lars Prem?"
Ari wandte sich um. Soweit zum Thema 'Geschäftliches für später Aufheben'. "Nein. Wieso?"
"'n Kadettenkamerad hat bei dem Typ 'nen Haufen Spielschulden. Ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache und dachte, du kennst diesen Kerl - bei all deinen Kontakten."
Ari runzelte die Stirn. "Hat er die Schulden. Oder du?" Zurückhaltung war bei Jazz fehl am Platz.
Jazz schnaubte. "Shit. Du weißt, ich zocke nicht. Meine Laster liegen woanders."
Ari lachte. "Das ist wohl wahr." Jazz' größes Laster war Sex. Ein Laster an dem Ari jedoch absolut nichts auszusetzen hatte. Ari und Jazz sahen sich an. "Ich muss los, Jazz."
"Ja. Pass auf dich auf."
"Du auch," erwiderte Ari. "Und lass mir einige Drinks im Cooler. Wer weiß, wann ich wieder dazu komme, den Bestand aufzufüllen."
Jazz lachte. Ihr Lachen klang wie das Läuten samtener Engelszungen. "Bis bald."
"Yup."
Ein letztes Mal trank Ari den Anblick der nackten Asiatin und drehte sich abrupt um. Ohne eine weitere Verzögerung schnappte er sich einen langen, lässigen Designermantel und verließ sein Appartement. Dieser Tag schien endlos zu sein. Zeit, ihn endlich zum Abschluss zu bringen.
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