What's next?
Paul's Bierkeller vier
„Ich habe wohl gedacht, das ist weniger warm. Da lag ich wohl falsch“, sagte ich in der Hoffnung, das Thema damit zu beenden.
Der Skatspieler, der meine Getränke übernommen hatte, lachte kurz auf und rief über den Tisch:
„Das hättest du dir aber denken können, oder? Hat das junge Gemüse da etwa keine Erfahrung mit?“
Ich zuckte mit den Schultern und antwortete ehrlich:
„Ja, ich geb’s zu… das war ziemlich blöd von mir.“
Er grinste und hakte sofort nach:
„Ist es denn immer noch warm?“
„Ja“, gab ich zu, „aber hier ist es immerhin besser als draußen auf der Straße.“
Er deutete mit dem Kopf auf meinen geöffneten Reißverschluss.
„Na, da ist ja noch ein bisschen Reißverschluss übrig… falls du mehr kühlen willst.“
Ich lächelte schief.
„Da haben Sie wohl recht.“
Sein Grinsen wurde breiter und etwas frecher.
„Hab ich mir doch gedacht. Du hast das nur angezogen, um deinen Freund heiß zu machen, stimmt’s?“
Irgendwie mochte ich seine direkte Art. Er wirkte trotz seines Alters sympathisch – auch wenn klar war, dass er mich provozieren wollte. Und genau deshalb ließ ich mich mit einer gewissen Begeisterung auf das verbale Spiel ein.
„Und wäre das so schlimm?“, fragte ich zurück.
Er lehnte sich zurück und sagte mit gespielter Weltkenntnis:
„Die jungen Dinger sind doch alle gleich. Denken nur an Sex.“
Ich war einen Moment erstaunt, wie schnell er mich durchschaut hatte – oder zumindest so tat. Ob es nur Provokation war oder ob er wirklich aus Erfahrung sprach, konnte ich nicht sagen.
„Waren Sie denn anders in Ihrer Jugend?“, fragte ich und ging damit in die Offensive.
Er antwortete ganz spontan und trocken:
„Ach, das wird im Alter nicht besser. Aber die Gelegenheiten werden seltener.“
Der ganze Skattisch brach in Gelächter aus. Einer der anderen Rentner rief:
„Ja, fünfmal am Tag abspritzen klappt nicht mehr!“
Wieder lachten die drei herzhaft.
Ich konnte nicht widerstehen und hakte nach:
„Aber viermal klappt noch?“
Die drei lachten noch lauter. Der Wirt und die beiden Männer an der Theke verfolgten das Gespräch inzwischen aufmerksam und mit deutlichem Amüsement.
Mein Getränkebezahler schüttelte den Kopf und sagte:
„Man muss mit seinen Kräften schon haushalten. Das ist nicht mehr so wie mit zwanzig, wo man jeden Moment breit war.“
„Ach so“, sagte ich und lehnte mich etwas über die Theke. „Und wie läuft das heute so… in Ihrem Alter?“
Er hob eine Augenbraue.
„Ganz schön neugierig, das junge Fräulein.“
„Nun“, erwiderte ich, „Sie haben doch angefangen.“
Der Tisch lachte wieder.
„Na, das musst du schon selber rausfinden“, meinte er. „Wirst ja auch irgendwann mal älter.“
Mit dieser Antwort war ich nicht wirklich zufrieden.
„Ach, erst neugierig machen und dann kneifen?“
Ich wartete gespannt auf seine Reaktion.
„Bin ich die Auskunft?“, kam es knapp zurück.
„Das hoffe ich doch“, antwortete ich genauso knapp.
Wieder lachten die drei Rentner.
Dann lehnte er sich vor und sagte etwas provozierend:
„Wir können ja um eine Antwort spielen.“
Ich runzelte die Stirn.
„Ich kann kein Skat spielen.“
Er winkte ab.
„Brauchen wir auch nicht. Wir ziehen einfach Karten. Wer die höhere Karte hat, darf eine Frage stellen – und der andere muss wahrheitsgemäß antworten.“
Ich überlegte kurz. Wohin das führen könnte, war mir nicht ganz klar. Aber mir fiel auch nichts ein, was daran wirklich schlecht sein oder aus dem Ruder laufen könnte. Die Stimmung war derb, aber irgendwie leicht und spielerisch.
Also ging ich die wenigen Schritte zum Skattisch und setzte mich zu den drei alten Männern.
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