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Chapter 5 by Meister U Meister U

What's next?

Der Hörsaal

Du stehst am Eingang und dein Blick muss sich erst an das surreale Schauspiel gewöhnen. Der Raum, den du betrittst, ist ein riesiger Hörsaal, wie du ihn aus Vorlesungen kennst, doch er wurde von einer wahnsinnigen, genialen Seele für diese Nacht umfunktioniert.

Vor dir erstrecken sich die ansteigenden, halbmondförmigen Reihen mit den typischen klappbaren Sitzbänken. Doch statt mit müden Studenten sind sie gefüllt mit einer vibrierenden, jubelnden Menge in weißen Kitteln, die im Dunkeln fast gespenstisch leuchten. Das Licht ist düster, durchbrochen von scharfen, rotierenden Spots, die wie Skalpelle durch den Dunst aus Nebel und Körperwärme schneiden.

Deine Augen werden sofort zur rechten Seite gezogen. Dort stehen jetzt mehrere hochglanzpolierte Edelstahl-Seziertische. Sie sind kalt, funktional und unheimlich. Auf einigen sitzen bereits Menschen, ihre Körper werfen verschwobene Schatten an die kahlen Wände, während sie sich zum Beat der Musik recken und winden. Der Anblick ist befremdlich und unheilvoll erregend zugleich – eine schamlose Feier des Fleisches genau dort, wo es sonst seziert und analysiert wird.

Doch der unbestrittene Mittelpunkt des Raumes ist der Dozententisch. Die große, schwere Holzplatte ist mit einem riesigen DJ-Pult belegt. Statt eines Professors beherrscht hier der DJ den Raum, sein Pult von einem Gewirr aus Kabeln und blinkenden Lichtern umgeben. Die Basslines, die er auflegt, donnern durch den Raum und lassen den alten Holzboden unter deinen Füßen beben. Es fühlt sich an, als würde das Wissen von tausend Vorlesungen mit jeder Vibration aus den Wänden geschüttelt.

Und dann siehst du es: Rechts vom DJ wurde eine provisorische Bühne aufgebaut. Ihr kahler, weißer Untergrund wird von einem riesigen, neon-roten Andreaskreuz an der Rückwand dominiert. Es leuchtet wie ein heiliges, paradoxes Zeichen in der Dunkelheit, ein Versprechen auf Rettung und eine stumme Warnung zugleich. Du kannst dir sofort vorstellen, was dort später passieren wird: "Behandlungen", Performances, demütigende und ekstatische Spiele, alles unter diesem Zeichen.

Du spürst eine Gänsehaut. Schon bevor es so richtig losgegangen ist verstehst du, warum diese Party so legendär ist. Du stehst in der Kathedrale der hemmungslosen Ausschweifung, und jeder Atemzug verspricht, dass diese Nacht alles wird, was du dir erhoffst.

Ein Typ mit wild zerzausten Haaren schnappt sich ein Funkmikrofon von der DJ-Anlage. Ein markerschütterndes Feedback heult durch den Raum, bevor er mit einer Stimme, die vor Energie und Vorfreude überschäumt, in den Saal brüllt.

"Meine sehr verehrten Patientinnen und Patienten! Meine hochgeschätzten Kolleginnen und Kollegen!" Seine Worte hallen von den kahlen Wänden des Hörsaals wider. "Willkommen in dieser ganz besonderen Nacht! Wir haben uns wieder einiges für euch ausgedacht, um eure... äh... klinische Langeweile zu behandeln!"

Er grinst breit und wedelt mit einem Stoß Klemmbretter in der Luft. "Zuerst die wichtigen Infos: Die Bar ist ganz oben in der letzten Reihe. Wer es nicht mehr bis nach oben schafft, braucht auch nichts mehr zu **** – der ist dann schon ausreichend therapiert!"

Gelächter brandet auf.

"Die intensiveren Behandlungen finden später in den Behandlungszimmern statt. Ihr werdet aufgerufen – hört also gut auf eure Namen!" Er hält eines der Klemmbretter hoch, als wäre es eine Trophäe.

"Doch damit die Party auch zügig in Schwung kommt, gibt's eine kleine Aufwärmübung!" Seine Stimme wird zu einem aufreizenden Flüstern, das durch das Mikrofon in jeden Winkel dringt. "Alle Herrschaften, deren Kittel keine Knöpfe mehr haben, haben sich sofort auf der Bühne einzufinden! Das erste Lied gehört euch. Zeigt uns, was für ein Fieber in euch steckt!"

"Und ansonsten gilt, wie immer!" brüllt er und seine Stimme bekommt einen strengen, chefärztlichen Unterton. "Keine Penetration vor 22 Uhr! Bis dahin gilt: Nur schauen und anfassen! Alles andere ist Hausverbot wert! Verstanden?"

Ein einheitliches, lachendes "Jaaa!" schallt ihm entgegen. Du beginnst den Reiz dieser Party zu verstehen. Zwei Stunden anheizen und dann...

Das Mikrofon wird abgestellt, der DJ legt einen hammerharten Beat auf, und die ersten Kittelträger bewegen sich in Richtung Bühne.

Was machst du?

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