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Chapter 3 by Papas_Liebling Papas_Liebling

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Lieblings Lesezimmer

Mein Lesezimmer ist ein Ort, an dem ich Bücher nicht nur lese, sondern mich von ihnen verführen lassen möchte.

Die Regale reichen ringsum bis zur Decke, vollgestopft mit Bänden, die man besser nicht in einer Sonntagsandacht aufschlägt – schön gebunden, mit dezenten Schutzumschlägen, die Titel in Silber, Kupfer oder Messing eingeprägt.

Ja, man braucht schon eine Leiter, um an die oberen Schätze zu kommen. Ich mag es, die Leiter langsam hinaufzusteigen, wissend, dass manche Geschichten ein wenig Anstrengung und Hingabe erfordern, wenn man sie erobern will. Besonders mag ich das, wenn ich Besuch habe; aus den Augenwinkeln kann ich dann beobachten, wie sie damit ringen, ob sie hinschauen sollten, um zu entdecken, was ich unter meinem kurzen Röckchen trage.

Wenn ich in diesen geschützten Raum eintrete, lasse ich die Welt draußen, streife meine hochhackigen Pumps bereits direkt hinter der Tür von den Füßen, um es bequemer zu haben. Und vielleicht auch noch das eine oder andere Stückchen mehr.

In der Mitte des Zimmers wartet mein roter Samtsessel – tief und gemütlich weich. Darin kann ich wunderbar versinken und mich räkeln. Meist liege ich quer hineingeschmiegt, die Beine über die Lehne geworfen, ein Glas duftenden Rotwein in Reichweite. Das Licht ist gedämpft, keine Deckenleuchte, nur eine antike Leselampe neben dem Sessel. In vielen, wie zufällig im Raum verteilten Haltern flackern Kerzen und verbreiten eine intime Atmosphäre. Und mit jedem Tropfen Wachs, der langsam herabrinnt, kann ich mir einbilden, dass auch die Geschichten in meinen Händen immer heißer werden.

Und wenn es ganz besonders aufregend wird, schlage ich das Buch manchmal zu, lehne mich zurück und genieße dieses süße Sehnen zwischen Ungeduld und Lust – soll ich gleich weiterlesen oder mich lieber noch ein wenig zappeln lassen?

Zu Füßen des Sessels liegt ein großer orientalischer Teppich, so tief und weich, dass man unwillkürlich die Zehen hineingraben möchte. Sein Muster wirkt auf den ersten Blick traditionell: verflochtene Ranken, leuchtende Rot-, Blau- und Gelbtöne, feine abstrakte Ornamente. Doch wer genauer hinsieht, erkennt darin die eingeknüpften Szenen: dass die geschwungene Linie gar keine florale Dekoration ist, sondern der Rücken einer Frau, die sich in Ekstase windet. Paare in inniger Umarmungen, Gestalten wie aus dem Kamasutra, die zwischen den verschlungenen Mustern eingeflochten wurden. Manche Besucher brauchen eine Weile, bis es ihnen auffällt. Er ist wie eine Metapher: Wer oberflächlich liest, sieht nur das Muster einer Geschichte. Wer tiefer schaut, findet die verborgene Bedeutung.

Ich mag diesen Teppich noch aus einem anderen Grund. Er ist weich und einladend, um sich darauf auszustrecken, wenn die Geschichten zu mitreißend oder erregend werden, um sie sitzend noch aushalten zu können.

So lese ich: neugierig, hemmungslos, mit einem Gesichtsausdruck, das mehr als nur andeutet, was dabei in mir vorgeht. Manchmal mit hochgezogenen Augenbrauen und manchmal mit einem leisen Seufzer. Wer mich erreichen will, muss mich reizen – geistig und körperlich. Geschichten, die mich berühren, dürfen gerne frech sein, erregen, verführen – aber niemals plump werden. Denn was mich fesselt, ist das Kopfkino, das zwischen den Zeilen entsteht.

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