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Chapter 4 by Papas_Liebling Papas_Liebling

What's next?

Letzter Halt

Der Heizkörper zischte und klapperte. Um sie herum lagen zerwühlte Decken, warm vom Echo ihrer Bewegungen und ihres Atems, von Haut auf Haut und von Seufzern, die nirgendwo anders hin konnten. Sophie lag auf der Seite und fuhr mit den Fingern müßig über Lucas Brust.

Lange Zeit sprach keiner von beiden.

Draußen war der Bahnhof still und leer. Die Welt hatte noch nicht aufgeholt.

Ihr Blick wanderte zu der Tätowierung direkt unter seinem Schlüsselbein – eine zarte, geschwungene schwarze Schrift, die sich in Richtung seiner Schulter bog. Sie berührte sie sanft und fuhr mit ihrem Finger die Konturen nach. „Was bedeutet das?“

Luca sah nach unten und lächelte, als hätte sie gerade ein Geheimnis entdeckt. „Das ist Italienisch. ‚Ciò che arde, segna.‘“

„Was brennt, hinterlässt Spuren“, übersetzte er leise. „Es bedeutet: Alles, was es wert ist, gefühlt zu werden, lässt etwas an dir zurück.“

Sie ließ die Worte auf sich wirken. Das Brennen. Die Narbe. Ihre Finger verweilten noch einen Moment länger und glitten dann weg. Er atmete aus, ein Geräusch, das von tiefer Zufriedenheit zeugte.

„Weißt du ...“, begann er mit leiser Stimme, fast wie ein Geständnis, „ich habe immer gedacht, Musik ist wie die Schwerkraft. Sie zieht Menschen an, führt sie auf seltsame Wege. Verkreuzt ihre Spuren. Für einen Moment drehen sie sich eng umeinander. Dann verlassen sie ihre Umlaufbahn und treiben wieder auseinander.“

Sie antwortete nicht. Sie wusste nicht, was.

Also fuhr er fort, mehr zur Zimmerdecke als zu ihr. „Ich spiele, jemand hört zu. Manchmal bleiben sie, manchmal nicht. Aber in diesem Moment ...“ Seine Hand glitt langsam und ehrfürchtig durch ihr Haar. „In diesem Moment haben wir immer eine echte Verbindung.“

Etwas in ihrer Brust spannte sich an – aber nicht auf unangenehme Weise. Es war einfach nur ein Gefühl der Fülle. Überfülle.

Dann drang eine leise, aber unüberhörbare Durchsage vom Bahnsteig herüber:

„Der Zug nach Linz fährt in fünfzehn Minuten vom Gleis sechs ab.“

Sophie setzte sich auf.

Keine Worte. Keine Seufzer. Sie wollte den Moment nicht mit dem Gewicht des Abschieds zerstören. Oder ihn mit Floskeln trivialisieren.

Sie fand ihre Bluse, die noch halb auf links gedreht war, und zog sie an. Sie zog ihren Rock wieder herunter. Ihre Strumpfhose war **** zerrissen, also kümmerte sie sich nicht weiter darum. Sie sah ihn nicht an, als sie ihre Haare zusammenband und ihren Mantel zuknöpfte.

Luca hielt sie nicht auf. Er bat sie nicht, zu bleiben.

Er sah ihr nur zu, auf einen Ellbogen gestützt, ein leises Lächeln auf den Lippen. Die Gitarre lehnte in einer Ecke, jetzt still, doch die Saiten schienen noch immer mit einer besonderen Spannung zu vibrieren.

Als sie zur Tür ging, zögerte sie. Nur kurz. Sie drehte sich nicht um.

Dann war sie weg.

Den Flur hinunter, zurück in die Kälte. Die Bahnsteigbeleuchtung summte über ihr und warf Lichtkreise in den Nebel. Sie stieg in den fast leeren Zug und suchte sich einen Platz am Fenster. Als der Zug losfuhr, starrte sie hinaus auf den verlassenen Bahnhof.

Sie sah ihn nicht. Aber sie spürte ihn.

Seine Hände waren noch immer auf ihrer Haut – sein Atem an ihrem Hals. Eine Hitze, die nicht nachgelassen hatte, ein blauer Fleck, der mit etwas besserem als **** pochte. Ihre Oberschenkel schmerzten vom Reiten auf ihm. Ihre Lippen waren von den wilden Küssen geschwollen.

Sie berührte gedankenverloren ihr Schlüsselbein, als hätte sich sein Tattoo auf sie übertragen. „Was brennt, hinterlässt Spuren“, flüsterte sie sich selbst zu.

Dann wurde ihr klar: Sie hatte ihn nicht nach seinem vollständigen Namen gefragt. Und er hatte ihn ihr nicht genannt.

Und irgendwie fühlte sich das richtig an.

Manche Begegnungen waren nicht dazu bestimmt, zurückverfolgt oder wiederholt zu werden. Sie existierten außerhalb der üblichen Zeit und Raum.

Eine Flamme. Sie lodert auf und erlischt.

Die Schwerkraft. Sie zieht zwei Körper an und stößt sie wieder auseinander.

Ein Lied. Es erklingt und verklingt. Aber sie konnte es noch immer hören, weil es in ihr nachhallte.

Sie lehnte ihren Kopf gegen das Glas und schloss die Augen, als der Zug den Bahnhof verließ.

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