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Chapter 12 by ThormGravis

Was tut Lara?

Lara gibt Gas

Wenn sie hier wegwollte, musste sie schnell handeln. Also trat Lara aufs Gas. Die Räder drehten auf dem weiche Untergrund kurz durch und warfen eine gehörige Menge an Dreck auf, dann schoss der Wagen vorwärts. De Souza und Donohue versperrten ihr für einen Moment den Weg zur Waldstraße, über die sie gekommen waren. Offenbar hegten sie die Hoffnung, Lara hätte Skrupel, sie über den Haufen zu fahren - ein Irrtum, den Donohue als erster bemerkte. Mit einem Hechtsprung warf er sich aus der Bahn. De Souza brauchte einige Augenblicke länger, um seine Fehleinschätzung zu erkennen. Zu spät versuchte er mit einem Sprung den Weg freizugeben. Der Wagen erwischte ihn und er prallte erst auf die Motorhaube, wurde hochgeschleudert, schlug hart gegen die Windschutzscheibe und flog schließlich über das Dach rollten nach hinten. Im Rückspiegel erkannte Lara, dass er hart aufschlug und liegenblieb. Aber auch ihre Windschutzscheibe hatte einen harten Treffer abbekommen und war gesplittert. Zwar hielt die Sicherheitsfolie die Glassplitter zusammen, aber so bildete sich ein Spinnennetz direkt in Laras Sichtfeld, was die Fahrt nicht einfacher machen würde.

Der Hubschrauber hatte inzwischen seinen Landevorgang abgebrochen. Was immer der Pilot und die Insassen sich beim Anblick der halb nackt kämpfenden Entführer gedacht haben mochten - es war ihnen wohl kaum schwer gefallen zu verstehen, dass Lara gerade einen Fluchtversuch unternahm. Der Helikopter setzte sich über ihren Wagen und ging tiefer. Offenbar war der Pilot ebenso mutig wie geübt im Umgang mit seiner Maschine und versuchte Laras Wagen mit Stößen seiner Kufen aus der Bahn zu werfen.

Lara riss das Steuer herum und der Wagen brach - zumindest halbwegs kontrolliert - aus. Er machte einen harten Turn nach links, dann lenkte Lara gegen und schwenkte wieder auf den ursprünglichen Kurs ein. Das Manöver war unkonventionell und sah in diesem träge reagierenden, schwergängigen Wagen nicht sonderlich elegant aus, erwies sich aber als wirkungsvoll, denn während sie nur kurz schlingerte, musste der Hubschrauber erst wieder kurz an Höhe gewinnen und sich erneut über sie setzen, wenn der Pilot abermals versuchen wollte, sie abzudrängen.

Ein schneller Schulterblick verriet Lara, dass sie sich irrte. Statt wiederum näher zu kommen hielt der Hubschrauber einen konstanten Abstand und flog seitlich versetzt. Eine Seitentür wurde aufgeschoben und ein mit einem Gurt gesicherte Mann lehnte sich aus dem Innenraum. In seinen Händen erkannte Lara eine MP oder ein Sturmgewehr, was bei dem flüchtigen Blick nur schwer zu bestimmen war. Schon im nächsten Augenblick prasselte ein Kugelhagel um ihren Wagen herum nieder. Von Einschlägen in den Boden wurden kleine Erdfontänen hochgerissen und ein Gebüsch zu ihrer Linken wurde von einer Salve zerfetzt, aber etliche Kugeln schlugen auch in die hintere Tür auf der Fahrerseite ein.

Lara riss ihren Wagen noch heftiger als zuvor herum und verlor fast die Kontrolle. Der Wagen drehte sich ungeplant um die eigene Achse, bevor sie ihn wieder in den Griff bekam - was sich nachträglich aber als nicht allzu schlecht erwies, denn direkt vor ihr schlug eine lange Gerbe von Kugeln ein, die sie wohl direkt in den Motor oder gar an ihrer Position getroffen hätte, wenn sie einfach weitergefahren wäre. Sie hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, schaltete herunter und beschleunigte. Noch ein paar hundert Meter, dann habe ich den Waldrand erreicht und bin erstmal geschützt, ging ihr durch den Kopf. Die engstehenden Bäume würden eine Annäherung des Helikopters ebenso unmöglich machen wie zielgerichtetes Feuer.

Offenbar hatte auch der Pilot dies erkannt, denn während Lara auf den Wald zuhielt, überholte er sie und setzte sich genau über der schmalen Straße wenige Meter über den Boden schwebend genau in ihren Weg. Dabei drehte er ihr die Flanke zu, so dass der Schütze freie Schussbahn hatte. Lara erkannte, dass sie so nicht weiterkam. Sie riss den Wagen abermals herum und verließ die Straße. Dieses Gefährt war zwar nicht elegant, aber - wie es sich für einen britischen Polizeiwagen gehörte - sehr robust gebaut. Es raste holpernd und springend einen Hang hinunter und Lara musste all ihr fahrerisches Können aufbieten, um die Kontrolle nicht gänzlich zu verlieren. Mehr als einmal war sie kurz davor sich zu überschlagen.

Der Helikopter brauchte eine Weile, bis er gewendet und die Verfolgung abermals aufgenommen hatte. Als er sich Laras Position wieder näherte, hatte sie gerade eine flachere Passage im Hang erreicht und gab Gas. Wenn ich einen Ahnung hätte, wohin ich hier fahre, wäre die Sache viel einfacher, ging ihr durch den Kopf, aber sie hatte keine Zeit das Gelände zu studieren oder zu planen. Sie handelte intuitiv - eine Handlungsweise, die sie erfahrungsgemäß entweder rettete oder erst recht in Teufels Küche brachte. Der Schütze eröffnete wieder das Feuer, aber angesichts Laras wilden Ritts war es wohl nicht sonderlich einfach, sie anzuvisieren, so dass die Kugeln nur rings um sie herum einschlugen.

Scheiße. Laras Augen weiteten sich, als sie den Steilhang einige hundert Meter voraus erkannte, der offensichtlich sehr direkt abfiel, denn dahinter sah sie nur die Spitzen einiger Tannen und unmittelbar dahinter einen großen See. Hastig warf sie einen Blick über die Schulter. Der Pilot rechnete offenbar damit, dass sie abbremsen würde, denn er blieb leicht zurück und ging tiefer. Vielleicht wollte er den Schützen absetzen oder ihr den Rückweg versperren. Lara gingen die Optionen aus. Vor ihr war der Abhang, zu ihrer Linken und hinter ihr stieg das Geländer so steil an, das sie mit ihrem schwerfälligen Gefährt bergauf dem Hubschrauber und dem Schützen sicher nicht entkommen würde, und rechts war dichter Wald.

Wieder handelte Lara instinktiv und gab Gas. Sie schoss auf den Abhang zu und riss den Wagen im letzten Moment herum. Weniger Meter von der Klippe entfernt schleuderte ihr Gefährt und drehte sich nach rechts. Lara konnte den gähnenden Abgrund an ihrer Seite besser erkennen als es ihr lieb war und hielt auf den Wald zu. Krachend durchbrach sie das Unterholz und kam einige Meter weit, bis Äste, Gebüsch und Wurzeln die Reifen und den Motorblock durchbohrten und den Wagen zum Stehen brachten. Lara wurde hart durchgeschüttelt, blieb aber unverletzt. Einen kurzen Moment atmete sie durch, dann versuchte sie die Fahrertür zu öffnen, doch das Unterholz ließ sich nicht bewegen und sie bekam die Tür nur einen Spalt weit auf. Ein Blick durch das Rückfenster verriet ihr, dass sich der Helikopter näherte. Offenbar waren ihre Verfolger von ihrem Manöver überrascht worden, so dass sie noch immer einen guten Vorsprung hatte. Hastig kletterte sie über die auf die Rückbank und trat das gesplitterte Rückfenster heraus. Sie kletterte aus dem Wagen, öffnete den Kofferraum, griff ihre beiden Taschen und rannte in den Wald.

Kann Lara entkommen?

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