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Chapter 23
by
Reyhani
What's next?
Lückenlose Überwachung
Der nächste Morgen war brutal. Ich hatte nur wenige Stunden geschlafen und war beim Aufwachen nicht mehr sicher, ob der Porno, an den ich mich schemenhaft erinnerte, nicht doch ein wirrer Traum war. Das konnte doch unmöglich alles wirklich passiert sein.
Zum Glück war Homeoffice angesagt. Ich konnte ein wenig durchatmen, doch zumindest musste ich Präsenz in meinen Emails zeigen. Aber selbst dabei nickte ich immer wieder kurz vor meinem Rechner ein. Gegen neun schreckte ich vom Geräusch der Türklingel hoch. War das Bärbel? Sie hatte sich immer noch nicht gemeldet, wie mir ein kurzer Blick auf Handy verriet. Bestimmt mal wieder der Akku leer. Vielleicht hatte Heike sie nach Hause gebracht und sie hatte ihren Schlüssel vergessen.
Bevor ich die Tür öffnete, atmete ich noch einmal tief durch. Nachdem was ich gestern so beobachtet hatte, würde ich meine Frau bestimmt mit anderen Augen sehen. Zwei Schwänze in ihrer Möse, wie konnte ich dieses Bild je vergessen.
Doch als ich die Tür öffnete, war die Enttäuschung groß. Da grinste mir bloß die Visage meines fetten Nachbarn Hans entgegen.
Er begrüßte mich in seiner gewohnt schnoddrigen Art: „Hey, Michael, alles fit im Schritt? Ist deine Holde da? Sie geht nicht ans Telefon. Ich muss sie mal was fragen wegen des nächsten Skatabends ...“
„Bärbel ist unterwegs. Was hat sie mit Skat zu schaffen?“, antwortete ich ziemlich unfreundlich. Ich war müde und der Letzte, mit dem ich jetzt Small Talk machen wollte, war Hans.
Hans und ein paar seiner Kumpels aus der Siedlung trafen sich regelmäßig zum Kartenspielen. Ich war selbst auch schon ein paar Mal dabei gewesen. Doch soweit ich wusste, interessierte Bärbel sowas nicht ... aber meine Frau hatte mich in den letzten Tagen ja schon öfters überrascht.
„Ne klar, ich wollte sie auch nur fragen, ob sie den anderen Mädels Gesellschaft leisten kann, damit die sich nicht langweilen. Ich bin jetzt den ganzen Tag nicht erreichbar. Ich versuche es heute Abend einfach noch mal auf Bärbels Handy.“
Zum Abschied boxte mir Hans scherzhaft gegen die Schulter. „Und du ... schlaf dich mal aus. Du siehst gestresst aus. Bestimmt arbeitest du zu viel, musst auch mal entspannen. Ich fahr jetzt zum Wellness und lass mir von ’ner Thai-Braut die Eier massieren.“
Damit ließ er mich stehen, marschierte pfeifend zu seinem Wagen und fuhr davon. Ich stand noch eine ganze Weile kopfschüttelnd in der offenen Tür. Diese Rentner ...
Langsam wurde mir Hans immer unsympathischer. Früher fand ich ihn mal witzig aber in letzter Zeit forderte mich seine Art irgendwie heraus. Ich erinnerte mich wieder an den Nachmittag, an dem er Bärbel im Bikini zu sich gerufen hatte. Dadurch war mir ja überhaupt erst die Idee mit den Kameras gekommen. Und jetzt diese Andeutungen wegen des Skatabends …
Da fiel bei mir der Groschen. Ich hatte zwar mein eigenes Haus großräumig verkabelt, aber meine Eheschlampe trieb es ja offenbar in der gesamten Siedlung. Wenn ich ein vollständiges Bild ihrer Aktivitäten bekommen wollte, musste ich nachlegen. Und als erster war Hans dran. Jetzt war die Gelegenheit, ihn in die Überwachung einzubeziehen.
Gesagt getan. Ich holte eine der beiden bereits installierten Kameras aus unserem Garten und bestellte zur Sicherheit gleich noch einmal nach. Wer konnte wissen, welche Objekte ich in Zukunft sonst noch überwachen musste. Dann machte mich damit auf den Weg zu Hans. Dazu musste ich mir noch nicht mal feste Schuhe anziehen. Er wohnte drei Häuser weiter die Straße runter. In der Siedlung war es menschenleer. Die arbeitende Bevölkerung war ausgeflogen und die Senioren waren einkaufen, saßen beim Arzt ... oder ließen sich von einer südostasiatischen Masseurin verwöhnen. Niemand würde mich beobachten.
Ich überlegte kurz, ob ich die Kamera im Vorgarten verstecken sollte. So könnte ich kontrollieren, wer bei Hans ein- und ausging. Aber was sollte ich da schon groß sehen?! Ein Blick auf seine Terrasse wäre wahrscheinlich interessanter.
Also ging ich um das Haus herum und machte mich auf die Suche nach einem geeigneten Platz für die Kamera. Wie bei uns war der Garten mit hohen Hecken und Bäumen umgeben und an einem erspähte ich einen Nistkasten. Praktischerweise fand ich neben dem Haus auch eine Leiter.
Alles passte. Weil die Vögel ausgeflogen waren, gab es genug Platz für Kamera 6, wie ich sie nach der Hausnummer von Hans nannte. Kurz prüfte ich ihre Funktion am Handy. Der Blick von der Seite auf die Terrasse war ideal, quasi Vogelperspektive.
Ich war grade dabei, zufrieden von der Leiter zu steigen, da hörte ich wie unmittelbar neben mir ein Auto per remote geöffnet wurde, dann Schritte und Stimmen. Ich lugte vorsichtig um den Baum herum, bog noch einen Ast zur Seite, um besser beobachten zu können, was im Nachbargarten vor sich ging. Ganz ohne nachzudenken. Die Schnüffelei war mir schon zur zweiten Natur geworden.
