Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Chapter 9
by
Reyhani
What's next?
Katerstimmung
Im Gegensatz zu mir war Andrea am Sonntagmorgen das blühende Leben. Während ich meinen ersten Schluck Kaffee herunterstürzte, um die Kopfschmerzen zu vertreiben, setzte sie sich für ein zweites Frühstück zu mir.
Und sie war erschreckend gut gelaunt und kommunikativ: „Also ich weiß ja nicht, wie es bei dir war, aber ich hatte einen tollen Abend. Fast alle Weiber aus der Nachbarschaft waren da. Doro ist ja gut vernetzt. Wir mussten in zwei Schichten in die Sauna. Das wird dich interessieren, da haben einige noch größere Titten als Doro. Und ich war auch nicht die einzige, die gepierced war. Die Nachbarinnen wirken immer so bodenständig, dabei muss man nur mal die Kittelschürze anheben und schon blitzt die Fetischwäsche hervor.“
Andrea biss lustvoll in ihr Croissant, auf das sie vorher einen dicken Klecks Nutella geschmiert hatte. Sie musste wirklich früh aufgestanden sein, um zum einzigen offenen Bäcker in der Gegend zu gelangen, bevor alles ausverkauft war. Noch kauend fuhr sie mit ihrem Bericht fort:
„Und dann haben wir alle zusammen den Film über das letzte Sommerfest geguckt. Da waren wir grade erst eingezogen, deshalb haben wir davon nichts mitgekriegt. Aber ich sage dir, wenn es im nächsten Jahr auch wieder so wird, dann steht uns was bevor. Das kann ich dir nachher noch alles genau erzählen – aber sag mal, wie war es denn bei dir? Habt ihr auch so viel Spaß gehabt?“
„Also ...“
„Ich hab ja schon gehört, dass es hoch hergegangen sein soll. Und du warst bis zum Schluss dabei, stimmts?! Melanie hat mir heute morgen getextet, dass sie dich noch getroffen hat, als sie ihren Mann da rausgeholt hat. Ich erwarte einen detaillierten Bericht. Besonders über die Sache, die Nicole heute Morgen in ihrer Nachricht angedeutet hat. Die anderen hatten schon erzählt, dass ihre Partys legendär sind. Aber so was Krasses ... Jetzt spann mich nicht auf die ****, wer war’s?“
„Also ...“ Ich musste mich erst einmal sammeln, also stellte ich eine Gegenfrage. „Was war denn das für eine Nachricht?“
“Na, im Nachbarschaftschat. Sag bloß, da hast du dich immer noch nicht registriert?!“
Mit einem vorwurfsvollen Blick reichte mir Andrea ihr Handy und goss sich einen Kaffee ein, während ich las. Zuerst war da Nicoles Dankeschön an alle für den schönen Abend und die reichlichen Spenden. Ganz normal. Auch die Antworten waren mehr oder weniger harmlos weil hirnlos.
Ich scrollte weiter nach unten bis zu einem Foto, auch von Nicole gepostet. Es brauchte einen Moment, bis ich die Nahaufnahme von drei glänzenden Kondomtütchen, eine davon leer, erkannte. Unter das Foto hatte Nicole geschrieben:
Herzlichen Dank auch an den Unbekannten, der mein Mädchen zur Frau gemacht hat. Wurde ja auch mal Zeit ;-)
Ich starrte Andrea mit offenem Mund an.
„Krass, nicht?!“, erwiderte sie, wobei ihre Augen vor Neugier funkelten.
Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte. „Ja, krass geschmacklos und distanzlos. Das arme Mädchen bekommt bestimmt ein Trauma, wenn es je rausfindet, was ihre Mutter da über sie verbreitet.“
„Ja schon, hab ich auch gehört, dass diese Nicole ein bisschen überdreht sein soll. Aber viel interessanter ist doch die Frage, wer das war. Du warst doch die ganze Zeit auf der Party. Ist dir irgendwas aufgefallen? Hat sich da jemand an Nicoles Tochter rangeschmissen? War sie die ganze Zeit anwesend oder auch mal länger weg? Hast du gesehen, mit wem sie so geredet hat? Du musst mir alles erzählen. Wir rekonstruieren das Geschehen gemeinsam und dann kriegen wir raus, wer es gewesen sein muss. Am besten ich hole mal Papier und was zum Schreiben, dann kann ich mir gleich Notizen machen.“
Andreas Enttäuschung war riesig, als sie erfuhr, dass ich der Unbekannte war. Mir war schnell klargeworden, dass es unmöglich war, ihr etwas vorzulügen. Ich konnte nicht wirklich beschreiben, was auf der Party passiert war, denn ich hatte ja die ganze Zeit mir Fabi geredet und war dann mit ihr verschwunden. Sicher hatten das auch andere wie z.B. Frank bemerkt und es würde rauskommen, sobald Andrea Nachforschungen anstellen würde.
Und außerdem schaltete sich mein Sturkopf ein. Ich hatte streng genommen nichts zu verheimlichen. Andrea hatte mich schließlich auf die Party geschickt, damit ich meine Fühler nach der Nachbarschaft ausstrecke. Nun gut, ich hatte sie nach dem Geburtstagskind ausgestreckt, das obendrein noch Jungfrau war. Aber das konnte doch keiner ahnen. In dieser Nachbarschaft – völlig unwahrscheinlich.
Am meisten tat es mir leid, dass ich meiner Frau den Sonntagvormittag verderben musste. Andrea hatte sich schon so auf das Rätsel gefreut. Hat der Doktor die Jungfrau im Kaminzimmer mit dem Dildo geschändet? Oder war es der Klempner mit der Rohrzange im Heizungskeller? Das musste ich dringend wiedergutmachen. Wo war nur die verdammte Kiste mit den Brettspielen abgeblieben?
Ich sah ein, dass ich unter diesen Umständen auf keinen Fall bockig auftreten konnte. Ich gebe zu, das war schon mal meine Art und es brachte Andrea zur Weißglut. Also blieb ich defensiv und beichtete alles, so wie es geschehen war.
„Wir werden ja wahrscheinlich nicht so oft mit Fabi zusammentreffen“, fasste ich zusammen. „Sie ist ja keine direkte Nachbarin von uns wie Doro. Und sie hat auch bei weitem nicht so viel zu bieten. Ich meine, ihre Tittchen sind eher klein. Du kennst ja meinen Geschmack. Also ich muss sie nicht unbedingt wiedersehen. Ich schreibe Fabi sofort, dass das alles ein Missverständnis war.“
Während ich so vor mich hinstammelte, wurde die Falte zwischen Andreas Augenbrauen immer tiefer und ihr Blick immer finsterer. Zuletzt hielt sie meine Hand fest, als ich grade zu meinem Telefon greifen wollte.
„Untersteh dich“, zischte sie. „Willst du dem armen Mädchen den Todesstoß versetzten. Erst ihre Mutter und dann du?! Nachher erzählst du ihr noch, dass du sie nicht wiedersehen willst, weil ihre Brüste zu klein oder ihr Hintern zu groß ist. Und überhaupt ist das ganz schlechter Stil, jemanden so mit einer Textnachricht abzuservieren. Du benimmst dich ja wie ein Teenager. Handle doch einmal wie ein Erwachsener. Du hast dir die Suppe eingebrockt, jetzt musst du sie auch auslöffeln.“
Ich war vollkommen überrascht von diesem Ausbruch und stammelte nur etwas, was totale Zustimmung signalisieren sollte.
„Du hast Recht, Schatz, ich gehe nachher rüber und versuche Fabi zu trösten, dass sie jetzt für die nächsten Wochen das Nachbarschaftsgespräch ist. Sie ist ja eigentlich auch ein ganz süßer Käfer. Auf der Party haben wir uns super unterhalten ... also ich meine geredet. Mach dir keine Sorgen, ich kriege das schon hin, dass wir zum Schluss alle gute Nachbarn sind.“
Andrea guckte immer noch skeptisch, aber ihre Zornesfalte war zum Glück verschwunden. Im Gehen murmelte sie halblaut: „Na, immerhin hat sie dich ****, mal Kondome zu benutzen.“
What's next?
Disable your Ad Blocker! Thanks :)
Auf gute Nachbarschaft
Neu in der Vorstadtsiedlung
„When in Rome, do as the Romans do“, heißt es ja so schön. Das gilt auch für meine Frau Andrea und mich. Wir haben uns ein Haus in der Vorstadt gekauft und versuchen uns zu integrieren. Zum Glück sind unsere Nachbarn alle sehr aufgeschlossen und nehmen uns mit offenen Armen auf.
Updated on Mar 15, 2026
by Reyhani
Created on Dec 18, 2025
by Reyhani
- All Comments
- Chapter Comments