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Chapter 73 by Mudley

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Kapitel 73: Der Frühling erwacht im Internat

März. Die ersten warmen Sonnenstrahlen drangen durch die hohen Fenster des St. Elisabeth Mädcheninternats, tauchten die alten Backsteinmauern in goldenes Licht. Der Schnee war geschmolzen, der Park erwachte: Krokusse und Narzissen sprossen aus der Erde, die alten Eichen trieben zarte grüne Blätter, und der kleine See spiegelte den blauen Himmel wider. Die Luft roch nach feuchter Erde und frischem Gras – ein Versprechen auf Neubeginn.

Doch im Internat fühlte sich der Frühling anders an.

Die Mädchen spürten ihn in ihren Körpern – die Uniformen klebten weniger kalt an der Haut, die Sportstunden fanden wieder draußen statt, und die Lehrer schienen noch hungriger zu werden, als wollte die erwachende Natur auch ihre Begierden wecken.

Melanie Berger, nun seit drei Monaten hier, stand am Fenster ihres Zimmers und blickte in den Park hinaus. Ihre kastanienbraunen Locken fielen weich über ihre Schultern, ihre sportliche Figur hatte sich verändert – nicht körperlich, aber in der Haltung. Sie war nicht mehr das unschuldige Mädchen, das im Herbst angekommen war. Die täglichen Rasurkontrollen, die „Lektionen“, die Strafen – alles hatte Spuren hinterlassen. Doch in ihren haselnussbraunen Augen glomm etwas Neues: Widerstand.

Unten im Park trainierten die Mädchen – Leichtathletik bei Richter. Nina sprintete über die Bahn, ihre athletischen Beine flogen, Laura turnte am Barren, Maria übte Ballettsprünge auf dem Rasen. Die Zwillinge Annika und Svenja schwammen im See – das Wasser war noch kalt, aber sie lachten laut, als wollten sie die Lehrer provozieren.

Im Hauptgebäude läutete die Glocke zum Unterricht. Melanie drehte sich um, zog ihre Uniform zurecht. Heute war Biologie bei Schwarz – sie wusste, was das bedeuten konnte.

Die acht – Laura, Maria, Nina, Sophie, Valentina, Annika, Svenja und Melanie – hatten sich in den letzten Wochen enger zusammengeschlossen. Heimliche Treffen, geflüsterte Pläne. Sie sprachen nicht mehr nur von Überleben, sondern von Flucht. Ein echtes Mal. Der Frühling gab ihnen Hoffnung – längere Tage, offene Fenster, weniger Wachen.

Am Abend saßen sie wieder zusammen – in Sophies Zimmer, die Tür verriegelt.

„Der See“, flüsterte Nina. „Im Frühling ist das Tor zum Lieferanteneingang weniger bewacht. Wir könnten nachts...“

Valentina nickte. „E una possibilità.“

Maria hielt Melanies Hand. „Du bist jetzt stark genug.“

Melanie lächelte schwach. „Ich bin dabei.“

Draußen zwitscherten die Vögel, die Sonne ging unter in einem roten Himmel.

Der Frühling erwachte im Internat.

Und mit ihm etwas anderes.

Ein Funke, der zur Flamme werden könnte.

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