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Chapter 4 by Rotstiftakrobat Rotstiftakrobat

Wie läuft man Tag ab?

Jet-Lag ausschlafen

Der Schlaf war tief und traumlos, ein schwarzer, erlösender Ozean, der die Erschöpfung des langen Fluges und der aufregenden letzten Stunden von mir spülte. Ich hatte keine Träume, keine Gedanken, nur die schwere, willkommene Leere. Doch dieser Frieden wurde jäh zerstört. Ein tiefes, dröhnendes Wummern dringt durch die Wände, als würde ein riesiges Herz direkt neben meinem Kopf schlagen. Darunter mischt sich ein Wirrwarr aus lauten Stimmen, fremdem Gelächter und dem Klirren von Flaschen.

Ich schrecke hoch, mein Herz rast. „Wo bin ich?“ Meine Augen fanden den grünen Vorhang, der mein Bett in eine kleine, private Höhle verwandelt hatte. Und dann erinnere ich mich. Das Hostel. Zimmer 114. Australien. Ein Seufzer entweicht mir, halb Erleichterung, halb Verzweiflung. Die Party draußen scheint in vollem Gange zu sein, und auch in meinem Zimmer ist es nicht mehr still. Die anderen Betten, die leer gewesen waren, als ich einschlief, scheinen nun belegt.

Vorsichtig ziehe ich die Decke bis ans Kinn und öffne den Vorhang einen winzigen Spalt. Mein Blick fällt auf das andere Ende des Zimmers. Dort sitzen vier Männer auf den unteren Betten, ihre Füße auf den Bettkästen, und **** gemeinsam Bier aus Flaschen. Sie lachen laut, schubsen sich und sprechen in einem schnellen, australischen Akzent, den ich nur schwer verstehe. Sie sind definitiv älter als ich, schätze ich. Mitte zwanzig bis Anfang dreißig vielleicht. Eine heiße Welle der Verlegenheit überrollte mich. Ich habe ja nur meinen dünnen Tanga und das weite T-Shirt an. „Oh Gott, Jette! Wie kann man nur so dumm sein?!“, flüstere ich in die Stille meines Bettes. Ich hätte mir wenigstens eine Shorts überziehen sollen.

Ich bleibe starr liegen, die Decke fest umklammert, und hoffe, sie würden bald gehen. Doch meine Blase hat andere Pläne. Ein dumpfer Druck macht sich bemerkbar, der mit jedem Lachanfall der Männer stärker wird. Ich ignoriere ihn. Ich zähe die Sekunden, dann die Minuten. Jede war eine Qual. Nach gefühlten zwanzig Minuten stehen drei von ihnen auf, greifen nach ihren Flaschen und verlassen unter lautem Gekicher das Zimmer. Erleichterung durchströmt mich. Nur einer ist noch da.

Durch meinen Spalt beobachte ich ihn. Er ist anders als die anderen. Muskulös, trägt eine Badeshorts und ein enges Tanktop, das seine definierten Oberarme betont. Seine Haut ist dunkel, fast wie dunkle Schokolade, und sein ganzer linker Arm ist ein Mosaik aus dunklen Tattoos, die sich über seine Schulter und seinen Nacken fortsetzen. Ich tippe ihn auf Anfang dreißig, der älteste der Gruppe. Er scheint die Stille zu genießen, nippt langsam an seinem Bier und scrollt gelangweilt durch sein Handy.

Weitere fünfzehn Minuten vergehen. Der Druck in meinem Unterleib ist jetzt unerträglich. Ich kann nicht mehr. „Scheiß drauf!“, denke ich. Ich reiße den Vorhang auf, springe aus dem Bett und renne los, so schnell meine nackten Füße es auf dem kalten Linoleum erlauben. Ich spüre seinen Blick auf mir, als ich vorbeieile, aber ich schaue nicht hin. Ich rase aus dem Zimmer, über den leeren Flur und direkt in die Gemeinschaftsbäder. Ich stürze in eine Kabine, reiße die Tür zu und lasse mich mit einem Seufzer auf die Toilette sinken. „Endlich.“

Als ich fertig bin, verbringe ich noch ein paar Minuten am Waschbecken, spritze Wasser in mein Gesicht und kämme mit den Fingern durch meine zerzausten Haare. In einer Ecke finde ich ein sauberes, gefaltetes Badehandtuch. Ich wickele es mir fest um die Hüften, es reicht mir fast bis zu den Knien. So würde ich wenigstens nicht wieder halbnackt dastehen. Ich schleiche zurück zum Zimmer, der Flur ist immer noch leer. Ich hoffe, ich hoffe so sehr, dass er gegangen ist. Ich will ihn nicht sehen. Er hat meinen Po nur vom schwarzen sportlichen Tanga bedeckt gesehen, als ich zur Toilette gesprintet bin. Es ist mir unfassbar peinlich.

Ich komme zurück, gehe durch die offene Zimmertür. Und er ist noch da. Er sitzt immer noch auf seinem Bett, sein Handy liegt neben ihm, und er blickt direkt zu mir auf. Diese dunklen, intensiven Augen starren mich an, und ich erstarre mitten im Raum, das Handtuch fest umklammert, gefangen in seinem Blick.

Er lächelt, ein breites, selbstbewusstes Grinsen, das sein Gesicht ausleuchtet. Er steht auf und kommt auf mich zu, seine Bewegungen sind fließend und kraftvoll. Er reicht mir seine Hand, aber meine eigenen Hände verkrampfen sich nur noch fester um das Handtuch, das ich um meine Hüften geschlungen habe. „Ich bin Prince“, sagt er mit einer tiefen, ruhigen Stimme und einem weißen Zahnpasta-Lächeln, das fast schon blendet. Ich spüre, wie das Blut in mein Gesicht schießt. „Ich bin keinen Tag in Australien und schon hat mich ein Fremder Typ in meinem Tanga gesehen. Gott, bitte hole mich hier raus!“, schreit es in meinem Kopf. Er stellt sich vor, erzählt, dass er aus den USA kommt und eine dreimonatige Rucksackreise durch Australien macht. Mit zittriger, kaum hörbarer Stimme erwidere ich, dass ich Jette aus Norddeutschland bin und für ein Jahr mit meinem Van herumreisen möchte, zwischendurch arbeiten. Er lächelt, als ob meine Nervosität das Niedlichste der Welt wäre, und bietet mir ein Bier aus einer kleinen Kühlbox neben seinem Bett an. Ich setze mich auf das Bett ihm gegenüber, das Handtuch immer noch fest um mich gewickelt, und wir ****. Wir reden über unser Leben, unsere Hobbys. Er hat am College American Football gespielt, ich erzähle ihm vom Fußball, von meinem Verein, von Toren als Linksaußen.

Als unsere Flaschen leer sind, fragt er, ob ich mit nach unten zur Pool-Party komme. Ich verneine sofort, sage, dass ich müde vom Flug bin. Er überredet mich, verspricht, er würde den nächsten ausgeben. Ich sage ihm, dass ich mich aber erst umziehen und fertig machen müsse. Er grinst breit. „Klar, kein Problem. Nimm dir dir Zeit.“ Er öffnet zwei neue Flaschen und reicht mir eine. Eigentlich hatte ich gehofft, er würde den Raum verlassen, aber er bleibt einfach da, sitzt auf seinem Bett und beobachtet mich. Ich sitze einfach da, die kalte Flasche in meiner Hand, und weiß nicht, was ich tun soll. Nach einigen Augenblicken der Stille fragt er erwartungsvoll: „Willst du dich nicht fertig machen?“

Ich werde wieder puterrot. Will er wirklich hierbleiben?! Langsam stehe ich auf und gehe zu meinem Schrank. Ich ziehe meinen schweren Koffer heraus, setze mich auf mein Bett und stelle ihn mir vor die Füße. Als ich ihn öffne, bereue ich jeden einzelnen Online-Kauf, den ich getätigt habe. Zehn Bikinis in allen möglichen Farben starren mich an. Alle Höschen sind Strings oder Tangas, die Oberteile sind winzige Dreiecke, die meine Brüste gerade so bedecken und mit dünnen Schnüren am Nacken oder Rücken verknotet werden. Meine Eltern und -zumindest meine männlichen- Freunde hätten die nie sehen dürfen. Ich hatte an einsame Strände gedacht, an eine perfekte Bräune, ohne einen Zuschauer. Jetzt stehe ich hier vor dem Dilemma meines Lebens.

Prince beobachtet mich, er kann den Inhalt meines Koffers perfekt sehen. Er grinst nur noch breiter. Ich Schnappe mir den leuchtend türkisenen Bikini, setze mich wieder auf mein Bett und ziehe den Vorhang hinter mir zu. Mit zittrigen Fingern ziehe ich in der Enge des Betts meinen Tanga und das T-Shirt aus und liege nackt da, während Prince draußen sein Bier trinkt. Ich bin Puterrot und schäme mich zu Tode. Gleichzeitig ist der Gedanke, dass er nur wenige Zentimeter von mir entfernt sitzt, irgendwie aufregend. Mit Mühe und Not schlüpfe ich in den knappen Bikini. Soll ich wirklich?, frage ich mich. Ich atme tief durch und ziehe den Vorhang auf.

Prince starrt mich an. Sein Mund steht leicht offen. Seine Augen wandern über meinen Körper, von meinem Gesicht über meinen Bauch mit dem Sixpack hinunter zu meinen Beinen. Ihm gefällt, was er sieht. Wenn ich vorher schon rot war, bin ich jetzt eine reife Tomate. Beim Fußball habe ich Blicke gespürt, aber so war das nie. Ich war nie so exponiert. Ich würde alles tun, um aus dieser Situation herauszukommen. Ich richte mich auf und Prince kann meinen, für meinen zierlichen Körper wirklich großen, runden Po sehen. Meine Mitspielerinnen haben ihn den „Hammer“ genannt. Jetzt brennt sich sein Blick in mich. Ich sehe in den Koffer, entdecke eine schwarze Jeans-Shorts. Auch sie ist kurz und endet knapp unterhalb meiner Pobacken, aber bei dem Gedanken an die Party ist es wohl besser, wenn ich mich etwas bedecke.

Mit durchgestreckten Beinen, mit dem Po direkt zu ihm gewandt, beuge ich mich vor und ziehe die Shorts aus dem Koffer. Ich steige in sie hinein und ziehe sie langsam die Beine hoch. Der Anblick muss sehr erotisch sein, aber darüber denke ich gar nicht nach, es ist nicht meine Absicht. Ich habe Mühe, den festen Jeansstoff über meinen runden Po zu ziehen und muss dafür leicht wackeln. Dann ist es geschafft. Ich schließe den Reißverschluss und den Knopf und drehe mich um. „Fertig!“, lächle ich.

Princes Augen sind groß und kleben jetzt an meinem Schritt, wo vorher mein Po war. Jetzt wird er rot. In seinen Badeshorts kann ich den Umriss von etwas dickem erkennen. Es dauert eine ganze Weile, bis mir naiven Dummerchen klar wird, was das ist. Meine Kinnlade klappt herunter und ich werde noch roter. Das Ding an seinem Oberschenkel ist locker so dick wie eine 0,5-Liter-Dose Spezi. „Der kann nicht so groß sein“, denke ich und schüttele ungläubig den Kopf. Dann drehe ich mich um und frage mit zittriger Stimme: „Gehen wir?“

Was passiert auf der Party?

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