Chapter 11
by
Rotstiftakrobat
Stimme ich zu?
Ja
Mich überrascht sein Vorschlag. Ich habe heute mit dem Outfit schon deutlich meine Komfortzone verlassen. Ich meine: Irgendwie ist mein Work and Travel Jahr in Australien ja genau dafür da, aber ich mag meine Haare. Ich mag sie sogar sehr und habe noch nie darüber nachgedacht sie zu färben. Und jetzt denke ich doch irgendwie darüber nach. Mir gegenüber befindet sich ein Ganzkörperspiegel, in dem ich mich nicht nun betrachte und mir versuche vorzustellen, wie ich in dem knappen Kostüm mit fast silbern/weißen Haaren aussehen könnte. Er hat recht. Zum Kostüm würde es perfekt passen, aber was ist nach diesem Abend? Bis die Farbe aus meinen langen Haaren wächst wird es ewig dauern.
Ein Moment der Stille vergeht, in dem Brad mich erwartungsvoll anblickt. Mein Mund öffnet sich, während in meinem Kopf eigentlich noch keine Entscheidung gefallen ist. Mit zittriger und unsicherer Stimme antworte ich: „Wenn du du meinst, dass das Cosplay dann besser ist okay. Du bezahlst aber dafür. Das geht nicht von meiner Gage runter.“
Erleichtert lacht Brad auf: „Natürlich bezahle ich dafür. Wenn du dich irgendwie vorbereitet müsstest und zum Beispiel Make-up benötigst oder so, dann zahle ich.“ Er greift nach seinem Handy und beginnt zu telefonieren, während ich weiter nervös durch den Laden schleiche und mir die unterschiedlichen Verkaufsartikel anschaue.
Meine Gedanken zu den Artikeln werden von Brad unterbrochen, der mich nach hinten in den vollgestellten Lagerraum, der auch als Pausenraum dient, führt. An einer Wand befindet sich ein kleines Waschbecken und ein fleckiger Spiegel. Neben dem Waschbecken steht ein klappriger Metallstuhl, auf dem Brad mich bittet Platz zu nehmen. Er verlässt den Raum und ich scrolle ein wenig durch TikTok und Insta. Mal sehen was meine Freundinnen so treiben.
Plötzlich öffnet sich die Dicke Brandschutztür mit einem heftigen Schwung. Eine Frau mit langen schwarz gefärbten Haaren tritt ein. Sie hat eine große Oberweite, die sofort auffällt, trägt HighHeels und ein kurzes, enges, pinkes Kleid, dass ihre Figur betont. Ihre Haut ist von der Sonne gebräunt und fast schon Ledern. Britney ist das komplette Gegenteil von mir. Ihr Gesicht ist perfekt konturiert, ihre Wimpern so lang, dass sie beim Blinzeln fast Wind erzeugen, und sie trägt mehr Make-up, als ich wahrscheinlich in meinem ganzen Leben in besessen habe.
Eigentlich fühle ich mich auf dem Fußballplatz zu Hause. Wenn ich den Ball am linken Flügel annehme, an der Abwehr vorbeisprinte und den Abschluss suche, bin ich in meinem Element. Da bin ich schnell, wendig und sicher. Aber hier? Hier fühle ich mich wie eine völlig andere Person.
Britney kommt auf mich zu und umarmt mich überschwänglich. Als sie den Raum betritt folgt ihr ein Schwall aus süßlich riechendem Parfums. Für meinen Geschmack viel zu intensiv. Sie lächelt und begrüßt mich. Dann mustert sie mich von Kopf bis Fuß und bittet mich kurz aufzustehen. Ich richte mich auf. Ihre Blicke fliegen über meinen Körper. Es ist etwas beklemmend so begutachtet zu werden. Hier geht es nicht um meinen Charakter und wer ich eigentlich bin. Hier geht es rein um meine Äußerlichkeiten. Britney pfeift kurz anerkennend: „Wow, Brad, da hast du ja jemanden an Land gezogen.“ Dann schaut sie zu mir rüber und richtet ihre Worte an mich: „Süße, du hast richtig Potenzial! Dein Gesicht, süß, irgendwie unschuldig. Du warst bestimmt der heimliche Crush aller Boys in der Schule. Dann dein Körper. Bauch, Po, Beine. Ich weiß nicht was du an Sport machst, aber du musst es mir zeigen.“
Ich flüstere fast zurück, dass ich Fußball spiele und nehme wieder Platz auf dem klapprigen Stuhl. Britney spricht abwechselnd mit mir und Brad und diskutiert über die Farbe und den gewünschten Style. Bei der Diskussion werde ich allerdings außen vor gelassen.Sie beginnt damit kleine Flaschen aus ihrer großen, schwer wirkenden Tasche zu holen und eine Paste anzurühren.
Die schwüle Luft im Lagerraum von Brads Comic-Store riecht nach altem Papier, Plastikfiguren und jetzt – ganz intensiv – nach Chemie. Sitzend presse ich meine Beine fest zusammen, und versuche, mich so klein wie möglich zu machen, was bei meinen 1,57 Metern zum Glück nicht schwer ist.
„Süße, entspann dich mal ein bisschen. Du bist ja total verkrampft“, flötet Britney und drückt meine Schultern nach unten. Ich werfe einen kurzen, unsicheren Blick in den beschlagenen Spiegel, der gegen ein Regal mit Batman-Sammelfiguren lehnt. Das Kostüm ist... wahnsinnig. Brad hat nicht übertrieben, als er sagte, es sei echte Handwerkskunst. Die grünen Pailletten glitzern bei jeder meiner flachen Atmungen, und der Stoff schmiegt sich an meinen Körper wie eine zweite Haut. Das Oberteil ist geschickt konstruiert; es hält alles an Ort und Stelle, obwohl es sich anfühlt, als bestünde es nur aus ein paar strategisch platzierten Blättern. Durch den ovalen Ausschnitt in der Mitte sticht mein Bauch **** hervor. Das harte Training im Verein hat Spuren hinterlassen – mein Sixpack zeichnet sich unter dem hellen Neonlicht des Lagers fast schon einschüchternd ab.
„Der Kontrast wird unglaublich sein“, murmelt Brad, der mit verschränkten Armen im Türrahmen steht und zuschaut. „Dieses zierliche, feenhafte Äußere und dann diese athletische Präsenz. Aber die Haare, Jette... die Haare sind der Schlüssel.“
Ich nicke nur schüchtern. Normalerweise würde ich niemals zustimmen, meine dunkelblonden Haare radikal zu verändern. Ich mag mein unkompliziertes Aussehen. Aber es ist etwas an Brads Art – er ist so überzeugt von seiner Vision, und der Job wird so gut bezahlt, dass mein Protest einfach im Hals stecken geblieben ist. Irgendwie fühlt es sich seltsam gut an, dass er genau weiß, was er will, und ich einfach nur Ja sagen muss.
Britney rührt die Farbe weiter an. Der beißende Geruch von Ammoniak steigt mir in die Nase. „Wir ziehen das jetzt durch. Wasserstoffblond. Fast weiß, mit einem kühlen Silberschimmer. Du wirst aussehen, als kämst du direkt aus dem Nimmerland geschlüpft.“, verdeutlicht sie.
Ich spüre, wie sie die erste Strähne abteilt und die kalte Paste auf meine Kopfhaut pinselt. Ein Schauer läuft über meinen Rücken, und ich ziehe die Schultern hoch. Der Saum des Kleides rutscht dabei noch ein Stück weiter nach oben, kaum eine Handbreit unter meinen Po. Ich fühle mich unglaublich exponiert, so fast ohne Kleidung in diesem vollgestopften Lagerraum, während meine Identität gerade unter einer Schicht Bleichmittel verschwindet.
„Ganz stillhalten“, sagt Brad leise. Seine Stimme ist ruhig, aber bestimmt.
Ich senke den Blick auf meine Hände, die in meinem Schoß ruhen. Normalerweise bin ich diejenige, die das Tempo bestimmt, die flink über den Rasen jagt und die Entscheidung erzwingt. Aber hier, in diesem Moment, genieße ich es fast schon paradoxerweise, dass andere über mein Aussehen entscheiden. Es ist, als würde ich die Verantwortung für einen Moment an der Tür abgegeben haben.
Während Britney Strähne für Strähne meines Haares in Alufolie einwickelt, starre ich auf meine freien Knie und frage mich, ob mich meine Mannschaftskolleginnen zu Hause überhaupt wiedererkennen würden. Ich bin Jette, die Linksaußen aus dem Norden – und gleichzeitig werde ich gerade zu etwas, das ich selbst noch nicht ganz verstehe.
„Fertig mit dem Auftragen“, verkündet Britney stolz und klopft mir leicht auf die Wange. „Jetzt müssen wir warten. Brad, hast du einen Kaffee für unser Elfchen?“
Brad nickt und lässt mich nicht aus den Augen. Ich sitze da, eingehüllt in Plastik und Folie, mein Bauch glänzt im Kunstlicht. Ich trinke meinen heißen Kaffee und mir bleibt nichts übrig als zu warten.
Britney beginnt damit, die Alufolien eine nach der anderen auszupacken. Das Rascheln klingt in der Stille des Lagers unnatürlich laut. Als sie mich zum Waschbecken führt und das kühle Wasser über meine Kopfhaut laufen lässt, schließe ich die Augen. Ich spüre, wie die schwere Chemie weggespült wird, aber das Gefühl der Veränderung bleibt.
„Bereit?“, fragt Brad. Er ist näher herangekommen. Ich merke, wie mein Herz gegen die grünen Pailletten meines Oberteils hämmert. Mein flacher Bauch zieht sich unwillkürlich zusammen, die Muskeln treten unter dem ovalen Ausschnitt noch deutlicher hervor.
Britney wirbelt mich mit dem Stuhl herum, sodass ich direkt in den Spiegel blicke. Sie föhnt meine Haare trocken, und mit jedem Luftstoß werden sie heller, leichter, fast schon ätherisch.
Ich starre mein Spiegelbild an und erkenne mich kaum wieder. Das dunkle Blond, das ich mein Leben lang getragen habe, ist weg. Stattdessen rahmen nun fast weiße, silbrig schimmernde Strähnen mein Gesicht ein. Durch den **** hellen Ton wirken meine Augen viel dunkler und größer, fast schon hungrig. Meine Haut sieht auf einmal viel zarter und gebräunter aus, was einen krassen Kontrast zu meinen definierten Schultern und dem harten Sixpack bildet.
„Oh Gott“, flüstere ich. Meine Stimme klingt klein. Ich hebe eine Hand und berühre vorsichtig eine Strähne. Sie fühlt sich seidig an, ganz anders als das gewohnte Haar, das ich normalerweise einfach zum Pferdeschwanz binde, bevor ich auf den Platz gehe.
„Es ist perfekt“, sagt Brad hinter mir. Ich sehe sein Spiegelbild. Er wirkt zufrieden, fast schon stolz, als hätte er eine Skulptur fertiggestellt. „Du siehst nicht mehr aus wie ein Mädchen aus Deutschland, Jette. Du bist jetzt Tinkerbell. Meine Tinkerbell für das Event.“
Das Wort „meine“ lässt einen seltsamen Schauer über meinen Nacken laufen. In Norddeutschland hätte ich wahrscheinlich etwas Schlagfertiges erwidert, aber hier, in diesem knappen, glitzernden Blätterkleid und mit diesen fremden, hellen Haaren, bringe ich kein Wort heraus. Ich fühle mich entblößt, aber gleichzeitig auch seltsam sicher unter seinem Blick. Es ist, als würde die Entscheidungsgewalt, die er übernommen hat, mir den Druck nehmen, selbst jemand sein zu müssen.
Ich drehe mich langsam vor dem Spiegel. Der Saum des Kleides schwingt etwas mit, mein Tanga blitzt für einen kurzen Moment unter dem Kleid hervor, und die Flügel auf meinem Rücken zittern leicht. Ich bin so klein und zierlich, und mit diesen weißen Haaren wirke ich fast zerbrechlich – wäre da nicht die athletische Härte meines Körpers, die durch das Kostüm so gnadenlos betont wird.
„Gefällt es dir?“, fragt Britney und legt den Föhn beiseite.
Ich blicke zu Brad, dann wieder in den Spiegel. Ich bin nicht mehr die Jette, die Tore schießt. Ich bin etwas Neues. „Ja, es ist ungewohnt, merkwürdig, aber es sieht wirklich toll aus.“, antworte ich leise und senke den Kopf, sodass die hellen Strähnen mein Gesicht verdeckten. „Es ist... lässt das Kostüm ganz anders wirken.“
Ich schaue auf die Uhr und wir haben noch eine halbe Stunde.
Was machen wir mit der Zeit?
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Jette‘s Abenteuer Down Under!
Ein verrücktes Lebensveränderndes Jahr in Australien
Jette ist 18 Jahre und kommt aus einer recht wohlhabenden im Nord-Westen Deutschlands. Sie hat gerade ihr Abi mit hervorragenden Noten abgeschlossen, aber weiß noch nicht so richtig, was sie machen soll, also los: Ab ins Abenteuer. Ein Jahr Work and Travel in Australien. Weit entfernt von ihrer , ihren Freunden und ein echter Neustart in ein selbstbestimmtes Leben und das Ganze in einem Van. Vanlife: Here she cums!
Updated on Mar 14, 2026
by Rotstiftakrobat
Created on Jan 9, 2026
by Rotstiftakrobat
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