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Chapter 22 by Meister U Meister U

What's next?

Interessant wurde es mit dem Jungen

Liv hätte ihn so einfach selber verführen können. Emil, blass, mit einer unsichtbaren Kette aus Unsicherheit und jugendlicher Hormonlast um den Hals. Sie hatte ihn im Eriksdalsbadet beobachtet, wie er den Mädchen nachsah, die ihn nie beachteten.

Sie sprach ihn an. Unter dem Vorwand einer Umfrage für ihr Psychologiestudium an der Universität Stockholm. Sie fragte nach seinen heimlichen Fantasien, seinen Ängsten, seiner Einsamkeit. Sie hörte zu, wie kein Mensch ihm je zugehört hatte. Sie baute Vertrauen auf, Schicht für Schicht.

Sie lud ihn ein. An einem Freitagabend vor Midsommar, wenn die Stadt merkwürdig leer und die Nacht kaum dunkel wird. Sie brachte ihn in die Wohnung in Södermalm. Den drei älteren Studentinnen hatte sie einen "königlichen Gast" versprochen, mit Happy End.

Elin trug nur ein offenes Seidenhemd. Maja kniete nackt auf dem Ikea-Klippan-Sofa und beobachtete ihn mit gierigen Augen. Linnea, in Lederhose und Bustier, reichte ihm eine Flasche Pripps Blå.

Liv setzte sich in eine Ecke, zog ein Notizbuch hervor und beobachtete.

Es dauerte keine zehn Minuten. Elin begann, seinen Nacken zu küssen, während sie ihm das Bier aus der Hand nahm. Maja kroch zu seinen Füßen und öffnete seinen Hosenstall. Linnea befahl ihm mit sanfter, unnachgiebiger Stimme, still zu halten.

Sie fielen über ihn her. Nicht wild, sondern mit der trägen, überlegenen Grausamkeit von Luchsen, die mit einer Maus spielen. Elin führte seine Hand an ihre Brust. Maja nahm ihn tief in den Mund. Linnea dirigierte das Ganze, strich ihm durch die blonden Haare, flüsterte ihm demütigende, aufreizende Worte ins Ohr.

Er war steif, er stöhnte, er kam innerhalb von Minuten. Doch sie hörten nicht auf. Sie drehten ihn um, ließen ihn Maja lecken. Sie benutzten ihn, wechselten die Positionen, forderten seine Leistung, sein Stöhnen, seine völlige Hingabe.

Liv sah alles. Sie sah, wie seine anfängliche schüchterne Erregung in blanke, überforderte Panik umschlug. Wie sein Körper, überstimuliert und erschöpft, einfach weitermachte, ein willenloses Instrument für ihren Appetit. Wie seine Seele aus seinen Augen wich und nur ein geiles, leeres Tier zurückblieb.

Erst als er, nach über einer Stunde vollkommen fertig auf dem Holzdielenboden lag, trat Liv aus dem Schatten der Mittsommer-Dämmerung. Sie half ihm hoch, zog ihm die Hose an, führte ihn hinaus in die helle Nacht. Sie redete ihm ein, er habe eine einzigartige, aufregende Erfahrung gemacht, ein richtiges Midsommar-Abenteuer. Und er dankte ihr auch noch dafür.

Liv wurde mit der Zeit Expertin darin, die Partys zu identifizieren, an denen die Stimmung in sexueller Hemmungslosigkeit enden würde. Eine Fähigkeit, die sie nicht zuletzt ihrem Talent verdankte, genau dies aktiv mitzugestalten.

Das zweite Mädchen: Svea, naiv und beeinflussbar.

Von der schüchternen Svea blieb in jener Nacht kein Funke übrig. Liv, die Puppenspielerin, hatte eine andere Saite ihres Wesens zum Klingen gebracht – die der sanften, formbaren Masse, die sich dem Druck der Gruppe nicht zu entziehen vermochte.

Liv führte sie in einen Partykeller in Södermalm, eine Unterwelt aus betäubendem Bass, flackerndem Neonlicht und stickiger, von Schweiß und süßem **** geschwängerter Luft. Ein überschäumender Mädchenüberschuss erfüllte den Raum, ein summender, lachender Schwarm, in dem Sveas Individualität sofort zu verschwimmen drohte. „Alle machen das hier“, hauchte Liv ihr ins Ohr, und ihre Worte waren wie ein Zauber, der sich durch das Trommelfell bis in den willenlos werdenden Kern ihres Freundins fräße. „Wir spielen 'Kulen' – alle Jungs in den Heizungskeller!“, rief eine Stimme durch den Raum. Ein kollektives, aufgeregtes Kichern erhob sich, und Svea ließ sich mitreißen, ein Blatt im Strom des schwedischen „gå-med-strömmen“-Drucks.

Kaum schnappte das schwere Schloss der Stahltür zu, legte sich eine neue, elektrisierende Stille über die lärmende Meute. „Das ist hier kein Kindergeburtstag“, rief dieselbe Stimme, nun mit scharfer Autorität. „Alle nackt. Wer gefunden wird, bläst den Finder. Hart.“ Ein Moment der Stille, dann das Rauschen von Kleidung, die zu Boden fiel, das leise Knacksen von BHs, das Rascheln von Slips. Liv, die sich an den Rand gedrückt hatte, beobachtete mit der Genauigkeit einer Wissenschaftlerin, wie in Sveas Augen der innere Widerstand einen verlorenen Kampf kämpfte. Ihr Körper zitterte leicht, als ihre zitternden Finger den Saum ihres Kleidchens hoben, dann den ihres Slips. Die Scham, die sie überflutete, wurde von der schieren Masse der Begeisterung um sie herum erstickt. Sie war nur noch eine von vielen, ein nackter, weißer Körper im flackernden Dunkel.

Schlank und geschmeidig wie eine Elfe schlüpfte Svea in den schmalen Spalt zwischen einem abgenutzten Ledersofa und der kühlen Betonwand. Sie presste sich in die Enge, spürte das grobe Gewebe an ihrer nackten Haut, roch Staub und den erdigen Geruch des Mauerwerks. Um sie herum jagten Stöhnen, Lachen, triumphierende Rufe und das feuchte Geräusch von Küssen durch den Raum. Eine nach der anderen wurden die Mädchen gefunden, und mit jedem Fund steigerte sich die ausgelassene, hemmungslose Stimmung. Die Orgie begann sich zu formen, ein lebendiges, atmendes Kunstwerk aus verschränkten Gliedern und vereinten Atemzügen.

Da, mitten im Taumel, erhob sich Livs Stimme, klar und schneidend wie Glas. „Svea fehlt noch.“

Die Jagd begann von neuem, nun mit einem einzigen, klar definierten Ziel. Irgendwann, nach einer Ewigkeit des Zitterns und Lauschens, wurde ein Vorhang zur Seite gerissen, und ein triumphierendes „Där är hon!“ hallte durch den Keller. Hände zogen sie sanft, aber bestimmt aus ihrem Versteck. Die Blicke aller – der nackten Mädchen, der erregten Männer – lagen auf ihr, nicht spöttisch, sondern anfeuernd, begehrend.

„Als Belohnung darfst du sie alle nackt machen“, verkündete Liv, und ein jubelnder Beifall brach los. Unter dem frenetischen Klatschen und den aufmunternden Rufen der anderen Mädchen ging Svea von Mann zu Mann. Ihre Hände zitterten kaum noch, als sie Knöpfe öffnete, Reißverschlüsse herunterzog, Hosen über schmale Hüften oder kräftige Oberschenkel gleiten ließ.

Das Adrenalin schoss ihr wie süßes Feuer durch die Adern. Dieser Rausch war neu, aufregend, betäubend. Der Jubel der anderen Mädchen, ihre bewundernden Blicke, fühlten sich wie ein Orden an, den sie für ihren Mut erhielt. In diesem Taumel aus Licht, Lärm und nackter Haut war die Welt auf einmal simpel geworden: Es ging ums Gewinnen, um Anerkennung, um diesen atemberaubenden Kick.

Liv trat dicht an sie heran, ihr Lächeln ein silberner Sichelmond in dem flackernden Dunkel. „Välj en.“

Der Befehl klang wie die Krönung des Spiels. Die ultimative Belohnung. Sveas Blick, glasig vor Erregung und einem Hauch von Angst, glitt über die Reihe der wartenden Männer – über Björn, Lars und andere. Sie sah nicht die individuellen Gesichter, die lüsternen Blicke oder die angespannten Körper. Sie sah Staturen, Haltungen – Versprechungen von Stärke oder Sanftmut, die sie nicht einordnen konnte.

Ihre Hand, die eben noch gezittert hatte, war jetzt ruhig. Sie deutete auf einen – einen mit breiten Schultern und einem entspannten Lächeln, der ihr am wenigsten bedrohlich erschien. Es war eine Wahl, die sie traf, wie man eine Spielkarte zieht; intuitiv, ohne die Regeln des eigentlichen Spiels zu kennen.

Ein neuer, aufpeitschender Jubel brach los. Sie lächelte, ein seliges, trunkenes Lächeln, während Liv ihr zunickte – ein stummes, triumphierendes Signal, das Svea als Zustimmung missdeutete.

Sie verstand nicht, dass sie nicht den Preis, sondern sich selbst ausgewählt hatte. Sie spürte nur das pochende Echo des Adrenalins, die berauschende Gewissheit, dazuzugehören und diesen aufregenden Abend zu gewinnen. Was danach kommen würde, war ein unbeschriebenes Blatt, eine vage, ferne Möglichkeit, die in dem grellen Rausch des Hier und Jetzt keinen Platz hatte.

Der Mann, den sie gewählt hatte, war kein Zufall. Sein Blick hatte sich, noch ehe Sveas fingerzeigende Hand sich gehoben hatte, mit dem von Liv getroffen – eine stumme, brutale Absprache, die in Sekundenbruchteilen stattfand. Ein kaum merkliches Nicken von Liv, ein ebenso flüchtiges Zurücknicken von ihm. Er war ihr Komplize, ein Werkzeug, das sie bereitgestellt hatte. Als er sich nun über sie beugte, war sein Lächeln nicht mehr entspannt, sondern erfüllt von einer kalten Gier, die sie in ihrem Rausch nicht erkennen konnte.

Seine Hände, die sich auf ihre Haut legten, waren besitzergreifend und fordernd. Er führte sie nicht, er schob sie mit unverhohlener Zielstrebigkeit weg von der Menge, hin zu einer alten Matratze in der Ecke. Der Jubel der anderen wirkte plötzlich wie eine bedrohliche Kulisse, die jede Fluchtmöglichkeit abschnitt. Bevor sie ihren Protest formen konnte, war die Last seines Körpers auf ihr, drückte sie in den beißenden Geruch seines Schweißes. Ein kurzer, schneidender **** – kein liebevolles Entjungfern, sondern ein gewaltsames Eindringen – riss sie jäh aus ihrem Taumel. Ein ersticktes "Nein" erstarb in ihrer Kehle, erstickt von seiner Hand, die sich nun über ihren Mund presste. Sie blickte starr, voller panischer Ungläubigkeit, über seine Schulter und sah Liv. Liv, die nicht wegschaute. Liv, die mit der prüfenden Genauigkeit einer Regisseurin zusah, wie ihr Plan sich erfüllte. In diesem Moment zerriss der letzte Schleier. Das war kein Spiel. Es war eine Falle. Jeder Stoß ein brutaler Akt, der nicht ihrer Lust, sondern Livs kalkuliertem Willen und der rohen **** des Fremden diente. Das pochende Adrenalin wich einer eisigen, alles auslöschenden Leere. Sie spürte, wie etwas in ihr brach, unwiderruflich. Die Tür zu ihrem alten Leben war nicht einfach zugefallen, sie war von Liv zugeschlagen worden, und sie war diejenige, die ahnungslos durch sie hindurchgegangen war.

Liv waren die Mädchen egal. Ihre Namen - Svea, Johanna, Elin - waren nur Klänge, austauschbare Laute in ihrem persönlichen Drama. Die Jungen mit ihren aufgeblasenen Egos und ihrer vorhersehbaren Geilheit waren ebenso bedeutungslos. Es ging nie um die Personen, diese fleischlichen Hüllen. Es ging um den exakten, unwiederholbaren Augenblick der Kapitulation. Um den Bruch. Sie war die Puppenspielerin, die mit unsichtbaren Fäden die Seelen der anderen so lange zerrte und drehte, bis sie mit einem fast hörbaren Knacksen nachgaben. In diesem Moment, wenn die Individualität aus den Augen wich und nur noch das blanke Tier zurückblieb, das sich dem Willen eines anderen beugte - in diesem Moment fühlte Liv sich lebendig.

Sie wollte den exakten Augenblick sehen, in dem die Unschuld brach. Nicht wie eine Glasscheibe, die splittert, sondern wie ein Eissee im März, wenn die letzte Festigkeit weicht und alles in eine tückische, schwarze Tiefe gezogen wird. Sie wollte diesen Übergang bezeugen, wenn ein Mensch zu einem bloßen Objekt fremder Begierde wurde – einer wildfremden Begierde, die sie selbst nie würde fühlen können, deren Mechanik sie aber meisterhaft zu inszenieren verstand.

Dabei ging es ihr nicht ums Zuschauen. Das konnte sie als gutaussehende Frau in den stickigen, teuren Swingerclubs der Stockholmer Innenstadt zu Genüge. Es fand sich immer ein Solomann, der sie als Begleitung mitnahm um sich dann mit anderen zu vergnügen. Das war Alltag, langweilig und durchchoreografiert. Der wahre Rausch, der Einzige, der den leeren Raum in ihrer Brust für Sekunden füllte, war die Kunst, Paare intim zu verschweißen, die nicht zusammengehörten. Die sich, unter normalen Umständen, niemals auch nur angefasst hätten. Sie war die Architektin der perversen Symbiose, die Regisseurin eines Stücks, dessen Schauspieler nicht wussten, dass sie in einem Drama der Erniedrigung spielten. Homo-, heterosexuell – das war nebensächlich. Hauptsache, es ging ordentlich zur Sache. Hauptsache, es war roh, laut und ließ Narben zurück.

Und morgen? Der Gedanke fuhr ihr wie ein eisiger Dolch in die Eingeweide. Morgen früh würde sie die Sexpuppe sein müssen, die glatte, gefügige Hülle für unersättliche Triebe. Dann würde sie ein Lächeln aufsetzen müssen, während sie sie benutzten, als wäre sie nichts weiter als warmes, williges Fleisch. Ein Schaudern lief über ihren nackten Körper, der plötzlich nicht mehr ihr zu gehören schien, sondern nur noch ein Vorhängeschloss für die Begierden anderer war. Wie zum Teufel sollte sie da schlafen?

Ihr Blick, gepeinigt und wach, fiel auf Johanna, die friedlich und satt neben ihr im kleinen Bett schlummerte. Das sanfte Licht der Mitternachtssonne, das durch die Jalousien drang, tauchte Johannas Gesicht in einen Schein unschuldiger Seligkeit. Eine Lüge. Eine perfide Heuchelei. Denn selbst im Schlaf, in dieser vermeintlichen Wehrlosigkeit, suchte Johannas Hand mit tierischer Instinktsicherheit Livs entblößten Körper. Ihre Finger tasteten, fanden die feste Spitze von Livs Brust, krallten sich fest und kniffen zu – ein fordernder, besitzergreifender ****, der sich durch Livs Fleisch fraß und ihre Haut zum Brennen brachte.

In dieser Berührung, in diesem schmerzhaften Griff, verdichtete sich alles. Sie war nackt, körperlich wie geistig. Ausgeliefert. Die Architektin der Erniedrigung, die sich selbst in den eigenen Fallstricken verfangen hatte. Die Stille in ihr war nicht mehr friedlich, sondern eine dröhnende Leere, gefüllt mit dem Echo von Sveas ersticktem Schluchzen. Sie war der Sturm und das ausgelieferte Schiff zugleich.

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