What's next?
In ihren Armen
Emma stieß mich grob vorwärts ins Schlafzimmer. Meine Knie protestierten bei jedem Schritt mit einem tauben Brennen, während der schwere Zylinder gegen die geschundenen Sehnen schlug.
„Auf die Knie vor das Bett. Sofort“, zischte sie.
Ihre Stimme war nicht so schneidend kühl wie noch im Institut; sie klang fahrig, gehetzt, fast schrill. Sie riss sich den Mantel von den Schultern, schleuderte ihn achtlos auf den Sessel und trat dicht hinter mich. Ich sank auf das Parkett, die Oberschenkel zusammengepresst, den Blick auf die Kante des Bettes geheftet.
Emma kniete sich nicht neben mich. Sie stand hinter mir, nervös von einem Fuß auf den anderen tretend, während ihre Finger sich in mein T-Shirt krallten.
„Glaubst du wirklich, du bist etwas Besseres, weil sie dich verschont?“, flüsterte sie dicht an meinem Ohr. Ihr Atem ging schnell, ungleichmäßig. „Du hast gestern zugesehen. Du hast gedacht, ich bin erledigt. Aber ich habe dir in der Kabine gezeigt, wer hier den Ton angibt. Du bist nur ein armseliger kleiner Wicht, der ohne Erlaubnis nicht einmal atmen darf.“
Ihre Hand fuhr herab, ihre Finger bohrten sich tief in die geschwollene Stelle über dem Schambein. Ein schneidender Schmerz fuhr mir durch das Becken, und ich keuchte auf. Doch in ihren Augen lag keine souveräne Überlegenheit, sondern nackte Panik. Sie wusste, dass sie die Grenze überschritten hatte. Sie wusste, dass Loona jeden Moment durch diese Tür treten konnte – und genau diese Gewissheit trieb sie zu einer hilflosen, verzweifelten Grausamkeit.
Mitten in dieser Bewegung schnappte im Flur das Schloss.
Kein vorsichtiges Herantasten. Ein harter, zielstrebiger Ruck, gefolgt von schnellen Schritten, die durch die Dielen hallten.
Emma zuckte zusammen. Ihre Hand riss sich von meiner Hüfte los, als hätte sie glühendes Eisen berührt. Sie trat hastig einen Schritt zurück und versuchte, die Arme zu verschränken, doch ihre Schultern blieben verkrampft.
Die Tür flog auf.
Loona stand im Rahmen. Ihr Mantel war durchnässt, der Saum tropfte auf den Boden, die Haare klebten an ihren Schläfen. Doch ihr Gesicht war absolut starr. Keine Wut, kein lautes Poltern. Nur eine messerscharfe, eisige Kälte.
Ihr Blick streifte Emma nicht einmal. Er senkte sich direkt auf mich – auf meine zitternden Knie, die bleichen Lippen und die dunkelblau verfärbte, teigige Schwellung, die über dem Basisring hervorquoll. Sie sah den Bolzen, der schief und mit roher Gewalt in die letzte Raste gewürgt worden war.
Für den Bruchteil einer Sekunde blitzte in Loonas Augen etwas auf, das wie reines Entsetzen wirkte – das Echo einer Grenze, die niemals hätte fallen dürfen. Dann schloss sich ihre Miene wieder wie eine Panzertür.
Sie wandte den Kopf langsam zu Emma um.
„Du hast gestern Abend kein einziges Wort verstanden“, sagte Loona. Die Lautstärke war kaum mehr als ein Flüstern, doch die Worte trugen das Gewicht von Granit.
Emma schluckte trocken, ihre Wangen röteten sich fleckig. „Loona, hör mir zu, er hat im Seminar—"
„Schweig.“
Das Wort schnitt durch die Luft wie eine Klinge. Loona trat vor, ohne Hast, bis sie eine Handbreit vor Emma stand.
„Ich habe dir gestern eine Lektion erteilt. Ich habe dir vor seinen Augen klargemacht, wo deine Grenze verläuft“, sagte Loona mit einer tödlichen Ruhe, die jeden Widerspruch im Keim erstickte. „Du hast geglaubt, du könntest meine Anweisung nutzen, um deine eigene gekränkte Eitelkeit an ihm abzuarbeiten. Du hast geglaubt, du könntest mein Eigentum ruinieren, um mir zu beweisen, dass du noch Macht besitzt.“
Emma wich einen halben Schritt zurück, ihre Augen weiteten sich vor nackter Angst. „Es war nicht so… ich wollte nur—"
„Den Schlüssel“, verlangte Loona und streckte die Hand aus.
Emma zögerte eine Sekunde zu lang.
„Wenn dieser Schlüssel nicht in drei Sekunden in meiner Hand liegt“, fuhr Loona ohne jede Hebung der Stimme fort, „schicke ich das Protokoll und die Bilder von gestern an den Prüfungsausschuss und deinen Institutsleiter. Du wirst keinen Fuß mehr in dieses Gebäude setzen, Emma. Dein Studium ist vorbei. Deine Karriere ist vorbei. Du existierst an dieser Universität nicht mehr.“
Emmas Hände bebten so heftig, dass sie kaum in ihre Manteltasche greifen konnte. Das leise Klimpern von Messing hallte durch den stillen Raum. Sie legte den Schlüssel auf Loonas offene Handfläche.
Loona schloss die Finger darum, drehte sich um und deutete mit dem Daumen zur Wohnungstür.
„Raus. Aus dieser Wohnung. Und aus unserem Leben. Wenn du dich ihm am Campus noch einmal auf weniger als zehn Meter näherst, mache ich ernst.“
Emma wartete keinen zweiten Befehl ab. Sie riss ihren Mantel an sich, stolperte an Loona vorbei in den Flur und hastete zur Tür. Das Klacken ihrer Absätze klang gehetzt, erbärmlich. Wenige Sekunden später fiel die schwere Wohnungstür ins Schloss, und der Riegel schnappte endgültig zu.
Stille. Eine tiefe, lähmende Stille senkte sich über das Zimmer.
Loona rührte sich zunächst nicht. Sie stand mit dem Rücken zu mir, die Schultern angespannt. Dann entwich ihren Lungen ein langer, zittriger Atemzug – als würde die eiskalte Maske mit einem Schlag von ihr abfallen.
Sie drehte sich um und ließ sich direkt vor mir auf die Knie sinken.
Ihre Augen waren dunkel, vollkommen frei von Hohn oder Verachtung. Sie sah mich an, musterte die tiefen Ringe unter meinen Augen, das krampfhafte Beben meines Körpers. Ihre Hände griffen nach dem Schlüssel, und ohne ein Wort setzte sie ihn an das Schloss.
Der Boden unter meinen Knien schien sich aufzulösen.
Als das Messingschloss aufsprang und dieser verdammte Stahl von mir abglitt, war es nicht einfach nur das Weichen eines physischen Drucks – es war, als würde eine meterhohe Welle aus kochendem Wasser durch mein gesamtes Nervensystem brechen. Das gestaute, pochende Blut schoss zurück in die gequetschten Gefäße, brachte jeden einzelnen Nerv zum Glühen. Es brannte wie Feuer, so stechend und grell, dass ich die Zähne zusammenbiss, bis mein Kiefer knackte. Und gleichzeitig war da diese überwältigende, lähmende Erlösung, die mir augenblicklich das letzte bisschen Spannung aus den Muskeln riss.
Meine Arme gaben nach. Ich konnte mich nicht mehr halten. Die Welt kippte zur Seite.
Ein heiserer, rauer Laut brach aus meiner Kehle – halb Wimmern, halb Schrei –, bevor Loonas Hände mich packten. Sie ließen mich nicht auf die harten Dielen schlagen. Ihre Arme schlangen sich um meine zitternden Schultern, zogen mich mit einer erstaunlich festen, unnachgiebigen Kraft nach oben, bis meine Stirn an ihrer Halsbeuge lag.
In mir explodierte ein Chaos, das mich innerlich vollkommen zerfetzte.
Ich schämte mich so abgrundtief. Ich hasste mich dafür, dass ich hier lag, entblößt, zusammengebrochen, weinend wie ein geprügelter Junge. Mein ganzer Stolz, jede Vorstellung davon, wer ich vor diesem Sommer gewesen war, lag in Trümmern auf dem Parkett. Sie hatte mich in diesen Käfig gesperrt. Sie hatte mich erpresst, mich vorgeführt, mich zur Marionette gemacht. Mein Verstand schrie mich an, mich loszureißen, sie wegzustoßen, ihr ins Gesicht zu brüllen, was für ein Monster sie war.
Doch mein Körper weigerte sich zu gehorchen.
Statt sie wegzustoßen, klammerten sich meine tauben Finger in den feuchten, kühlen Stoff ihres Mantels, ballten sich zu Fäusten, als ob ich ertrinken würde und sie die einzige Planke auf offener See wäre. Die heißen Tränen liefen unaufhaltsam über meine Wangen, tropften auf ihre Seidenbluse und vermischten sich mit dem Regenwasser, das noch an ihrer Haut haftete. Jeder Schluchzer riss an meinen Rippen, schüttelte meinen Oberkörper in unkontrollierbaren Krämpfen.
Und das Furchtbarste, das absolut Zerstörerischste an diesem Moment war die rohe, giftige Dankbarkeit, die sich durch mein Herz fraß.
Ich spürte den herben, teuren Duft ihres Parfüms, spürte die gleichmäßige Wärme ihres Atems an meiner Schläfe und das vorsichtige, rhythmische Streichen ihrer Finger über meinen Nacken. Sie hatte Emma vernichtet. Sie hatte die Bestie verjagt. In meiner zermürbten, überreizten Wahrnehmung war Loona nicht mehr die Ursache meiner Qualen – sie war mein Schutzschild. Sie war der sichere Hafen vor der Grausamkeit einer Welt, der sie mich selbst ausgeliefert hatte.
Es war eine perverse, vollkommene Unterwerfung: Ich weinte nicht vor Wut über sie, sondern vor Erleichterung an ihrer Brust. Ich wollte nirgendwo anders sein. Ich wollte mich in dieser Umarmung auflösen, wollte jede Entscheidung, jede Verantwortung, jedes Recht auf mich selbst für immer in ihre Hände legen, solange dieser Schmerz nur aufhörte und ihre Hand mein Haar hielt.
„Ganz ruhig“, murmelte sie, und das sanfte Vibrieren ihrer Stimme an meiner Wange fühlte sich an wie das einzige Reale in diesem Raum. „Ich hab dich. Niemand tut dir mehr weh. Du bist hier bei mir.“
Ich schloss die Augen und grub mein Gesicht tiefer in ihre Schulter, unfähig zu sprechen. Ich war gebrochen – aber zum ersten Mal seit Tagen fühlte sich dieses Gebrochensein nicht mehr wie das Ende an, sondern wie eine unentrinnbare, süße Gefangenschaft, aus der ich gar nicht mehr gerettet werden wollte.
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