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Chapter 6 by Daemony Daemony

What's next?

In Flagranti

Karin saß auf ihrem Lieblingssessel. Die Füße eng nebeneinander auf dem Boden, Knie im rechten Winkel, Rücken gerade. Sie sah ihm ernst entgegen. Entgegen ihrer Gewohnheit stand sie nicht auf und kam ihm entgegen, um ihm einen Kuss zu geben, wie sie es sonst immer tat.

Wusste sie es? Womöglich war die Polizei, die echte Polizei schon hier gewesen und hatte nach ihm gesucht. Bestimmt hatte Frau Dr. Keller längst Anzeige erstattet.

„Martin, wir müssen reden.“

Ihre Stimme klang streng, ein wenig gepresst, als wäre es mühsam, die Worte zu formulieren. War sie wütend? Vielleicht. Wenn, dann eiskalte Wut. Sie hätte jeden Grund dazu.

Martin stand in der Mitte des Zimmers, die Hände ineinander verkrampft. Wie der Delinquent vor dem Richterstuhl.

„Karin, ich muss … ich habe …“

„Ich weiß“, unterbrach sie ihn. „Wir müssen da etwas klarstellen.“

Das Klacken hochhackiger Schuhe kam von hinten näher. Martin lief es kalt den Rücken herunter. Er hatte eine Ahnung, wer der Besucher war, den er noch nicht sehen konnte.

Dann trat sie aus dem toten Winkel in sein Gesichtsfeld.

„Simone?“

„Ich muss euch einander nicht vorstellen. Ihr kennt euch ja schon.“ Karin klang schnippisch.

„Allerdings habe ich weder einen Doktortitel - leider“, ergänzte die Frau, die er als Psychologin kennengelernt hatte, in beiläufigem Ton, „noch ist mein Familienname Keller. Mein echter Name tut nichts zur Sache.“

Martin glotzte sie verständnislos an. Was war hier los?

„Ich habe Simone beauftragt“, nahm Karin den Faden auf. „Sie ist Mitinhaberin einer Treuetest-Agentur.“

Es dauerte eine kleine Ewigkeit, bis die Nachricht in seinen Verstand gesickert war. Treuetest? Sie war keine Psychologin. Sie war keine Verdächtige, die er in eine Falle locken sollte.

Es war umgekehrt. Sie hatte ihm eine Falle gestellt. Jetzt ergab auf einmal vieles einen Sinn. Ihre provokante Kleidung. Ihr verführerisches Auftreten. Sie hatte ihn getestet. Aber nicht auf seine vermeintliche Diensttauglichkeit. Sondern auf seine eheliche Treue. Ein heimlicher Test.

Und. Er. Hatte. Bestanden.

Hatte.

Bis…

Ihm wurde übel. Seine verdammte Wut! Wie sollte er Karin erklären, warum das passiert war? Und gegenüber Simone war mindestens eine Entschuldigung angesagt.

Er stammelte herum, brachte keinen vernünftigen Satz zusammen. Erst musste er verstehen, weshalb er in diese Klemme geraten war. Er sah seiner Gattin in die Augen.

„Hast du wirklich gedacht, ich betrüge dich?“

Tränen tropften über ihre Wangen. Sie klang ehrlich verletzt, als sie erzählte: „Da war diese Frau. Sie hatte Fotos dabei. Fotos von sich in… in eindeutigen Situationen. Der Mann auf den Bildern ist nicht zu erkennen, aber sie schwor, dass du es bist. Sie sagte, sie wolle mir ersparen, es als Letzte zu erfahren, so wie es bei ihr der Fall gewesen war.“

Sie warf eine Handvoll Abzüge auf den Tisch.

In Martins Kopf ratterte es. Puzzlesteine fielen an die richtigen Stellen. Plötzlich ergab alles ein stimmiges Bild.

„Schatz, an der Geschichte ist nichts dran. Sie ist die Frau eines meiner Klienten. Die Fotos sind echt, ich habe sie selbst geschossen. Aber der Mann ist ihr Liebhaber, mit dem ich sie in flagranti erwischt habe. Ich liebe dich!“

Sie sah ihn mit großen Augen an. Dann wurde sie bleich. Ein Weinkrampf schüttelte sie und sie schluchzte haltlos.

Martin warf sich ihr zu Füßen und ergriff ihre Hände.

„Ich liebe dich.“

ENDE

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