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Chapter 9
by
SorlAc
What's next?
Handtuch weg und rein da!
Michelle schob die schwere Glastür auf und trat ein. Sofort schlug ihr eine Wand aus feuchtwarmer Luft entgegen, so dicht, dass sie für einen Moment das Gefühl hatte, gegen einen Körper zu laufen. Der Raum war größer, als sie dachte – ein Gewirr aus Steinbänken, Nischen und sanft beleuchteten Ecken, die im Dampf verschwammen. Stimmen murmelten, Wasser tropfte irgendwo, ein leises Klatschen, als jemand sich auf eine Liege legte. Voll. Jeder Platz schien besetzt, doch die Konturen der Menschen lösten sich im Nebel auf. Sie konnte nur Schemen erkennen: ein Bein, das sich streckte, ein Arm, der sich über ein Gesicht wischte, ein Rücken, der sich im Dampf krümmte.
Sie musste nach hinten, weiter hinein in die Hitze. Mit jedem Schritt wurde die Luft schwerer, der Dampf dichter. Bald sah sie ihre eigene Hand nicht mehr, als sie sie vor ihr Gesicht hielt – nur ein verschwommener Fleck, der im Nichts verschwand. Die Hitze kroch in ihre Lungen, ließ ihre Haut brennen. Sie spürte, wie der Schweiß zwischen ihren Brüsten hinablief, wie das Pochen zwischen ihren Beinen wieder stärker wurde, fast schmerzhaft. Warum bin ich hier? Der Gedanke verflüchtigte sich sofort, als sie gegen etwas stieß – eine Schulter, ein Knie. „Entschuldigung“, flüsterte sie, aber die Antwort war nur ein unbestimmtes Grunzen.
Sie wusste es nicht mit Sicherheit, aber sie fühlte es. Irgendwo hinter ihr, in diesem undefinierbaren Abstand, der weder Nähe noch Distanz war, bewegte sich jemand im Gleichtakt mit ihr. Immer wenn sie stehen blieb, hörte sie ein Rascheln, ein kaum hörbares Verschieben von Füßen auf Stein. Immer wenn sie weiterging, folgte das Geräusch – nicht aufdringlich, aber präsent. Wie ein Raubtier, das seine Beute umkreist, ohne sie zu berühren.
Einmal – war es Absicht? – streifte etwas ihre Hüfte. Ein Handtuch, ein Arm, ein Zufall? Sie erstarrte, doch als sie sich umdrehte, war da nur der Dampf, der sich in ihrem Gesicht verfing. „Hallo?“, sagte sie leise, aber ihre Stimme verschluckte sich in der feuchten Luft. Keine Antwort. Nur dieses Warten.
Plötzlich – ein Husten, ganz nah. Sie fuhr herum, doch wieder nur Nebel.
Michelle tastete sich weiter, bis ihre Finger endlich glatte, warme Fliesen berührten – eine freie Sitzniesche.
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