Chapter 8
by
Daemony
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Gefesselt
Georg zog zwei dünne Schnüre aus der Seitentasche seiner Shorts – dunkel, glatt, scheinbar ganz gewöhnlich. Aber im stillen Halbdunkel des Zeltes hätten es genauso gut sakrale Gegenstände sein können. Carola stockte der Atem. Ihr Rücken versteifte sich, aber sie rührte sich nicht. Der Befehl, stumm und bewegungslos zu verharren, bis er ihr etwas anderes erlaubte, war immer noch in Kraft.
Die erste Schnur legte er ihr sanft hinter den Rücken. Ohne zu zögern streckte sie ihm ihre Handgelenke hin und er band sie zusammen – nicht grob, aber fest genug, dass sie sich nicht selbst befreien konnte. Das Gefühl ihrer eigenen Verletzlichkeit, sich nicht mehr unkontrolliert bewegen oder sich schützen zu können, ließ sie erschauern.
Die zweite Schnur maß er langsam mit den Händen ab. Sorgfältig. Präzise.
Sie glitt um ihren Hals. Er wickelte sie einmal, zweimal herum, dann band er sie locker fest. Kein Würgehalsband, keine Gefahr, dass ihr die Luft abgeschnürt werden könnte, sondern eine simple Leine, an der man sie herumführen konnte. Und mehr noch: Es war ein Symbol, ein äußeres Zeichen der Anhängigkeit und Zugehörigkeit. Wer immer diese Leine nahm, ergriff Besitz von ihr.
Carola blickte Georg flehentlich an. Sprechen durfte sie nicht. Wie könnte sie ihn überzeugen, sie nicht wie ein Tier an der Leine herumzuführen? Angst und Scham wurden bei dieser Vorstellung fast übermächtig. Aber Georg nahm das nicht wahr. Entweder ignorierte er sie mutwillig oder weil Carola ihm nicht wichtig genug war. Seine Hand griff nach der dünnen Schnur um ihren Hals.
Er stand auf.
Carola folgte instinktiv seiner Bewegung. Sie kämpfte sich auf die Füße, ohne dass ihre hinter dem Rücken gefesselten Hände dabei hätten unterstützen können. Ihre Knie, noch immer steif vom langen bewegungslosen Kauern, protestierten und zitterten.
„Komm“, sagte er leise.
Ihr Puls raste. Ihre Gedanken rasten. Sicherlich war das nur symbolisch gemeint. Sicherlich würde er nicht – ins Freie - wo jeder sie sehen könnte?
Georg fasste den Reißverschluss des Zeltes, öffnete ihn in einem Zug. Kalte Luft strömte herein und streifte ihre bloßliegende Haut wie die Finger eines distanzierten Liebhabers. Sie zitterte vor Kälte, ja. Aber auch in der Erwartung dessen, was gleich passieren würde.
Er ging hinaus in die Nacht und hielt die Schnur locker in der Hand. Und als die Schnur sich spannte, kam sie nach. Carola trat ins Freie, nackt, zitternd, stumm.
Ihre bloßen Füße berührten das weiche, taufeuchte Gras. Das Zelt hinter ihr stand weit offen, leer. Verletzlichkeit umgab ihren Körper wie eine zweite Haut. Sie folgte ihm, jeder Schritt langsam und gemessen, voller Sorge. Noch nie hatte sich die Welt so offen angefühlt. Oder so bedrohlich.
Das Lager lag still. Das Feuer war zu Glut erloschen. Die Sterne glitzerten gleichgültig auf sie herab – so viele, so hell – sie spürte nicht nur die Nacht über sich, sondern dem Himmel selbst. Beobachtete Gott sie jetzt? Verurteilte er sie? Oder vergab er ihr?
Georg ging bedächtig und schweigend vor ihr her. Sie folgte ihm wie ein Geist ihrer selbst. Ihre Brüste hoben und senkten sich mit jedem zittrigen Atemzug, ihre Haut kribbelte in der kühlen Nachtluft. Jedes Knarren einer Zeltstange, jedes Rascheln der Planen, jedes schwache Geräusch eines Schläfers klang bedrohlich. Jemand könnte aufwachen. Jemand könnte aus einem Zelt kommen und sie so sehen.
Und sie konnte nichts dagegen tun.
Ihr Herz schlug wie das eines gefangenen Tieres. Ihre Oberschenkel zitterten nicht vor Anstrengung, sondern vor Scham, Erregung und dem fast unerträglichen Nervenkitzel.
Er führte sie einmal um das Lager herum. Ein langsamer, bedächtiger Rundgang. Wie ein Priester der eine Prozession anführte. War das die Sühne, von der er gesprochen hatte? Würde er sie danach freilassen?
Sie wagte nicht aufzublicken. Wagte nicht zu sprechen. Ihr Körper verriet alles: ihre angespannte Haltung, ihr zitternder Atem, ihre harten Brustwarzen, die Hitze, die in ihrem Innersten pulsierte, der feuchte Schimmer auf ihren Schamlippen.
Als sie den zentralen Platz erreichten, drehte sich Georg zu ihr um. Die verbliebene Glut der Feuerstelle warf einen orangeroten Schimmer über seine Gestalt und verwandelte sie in etwas Unmenschliches, einen Dämon.
Plötzlich wurde ihr kalt. Eiskalt. Die Nacktheit war nichts dagegen gewesen.
Er stellte sich direkt vor sie, ließ die Schnur los und breitete die Arme aus. Eine Geste fast wie ein Segen.
"Darf ich dich anfassen?", fragte er. Carola sah ihn verwirrt an. Weshalb bat der Mann, dem sie voll und ganz gehörte, um Erlaubnis? Trotzdem, ohne das Warum zu verstehen, nickte sie.
Er ergriff ihren Körper mit seinen starken Armen und hob sie auf den improvisierten Felsentisch.
„Leg dich hin, Carola. Auf den Rücken. Schau hinauf in den Himmel und denk darüber nach, welche Strafe für dich angemessen wäre. Bewege dich nicht, bis ich dich wieder abhole.“
Dann ging er zurück in ihr Zelt, die Klappe fiel hinter ihm zu.
Sie sank auf den rauen, unebenen Stein, ihr ganzer Körper zitterte. Nie hatte sie sich schamvoller gefühlt. Oder lebendiger.
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Zelten mit Georg
Eigentlich war sie die Aufsichtsperson
Nach einen unerfreulichen Vorfall im letzten Jahr beschloss die Schulleitung, dass beim traditionellen Zeltlager der Abschlussklasse immer mindestens zwei erwachsene Aufsichtspersonen anwesend sein müssen, ein Mann und eine Frau. Dieses Jahr sind es Pater Georg, Religionslehrer, katholischer Priester Mitte 40, und Carola, Elternbeirätin, Hausfrau und Mutter Ende 30. In der ersten Nacht, größtenteils unter dem Einfluss von , den sie nicht gewohnt ist, „benimmt sich Carola daneben“. Nachdem alle eingeschlafen sind, besucht Pater Georg Carola in ihrem Zelt, um ihr ins Gewissen zu reden.
Updated on Aug 1, 2025
by Daemony
Created on Jul 24, 2025
by Daemony
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