What's next?
Frühstück
Langsam öffnete er den Reißverschluss des Kleides. Seine Bewegungen waren ruhig und vorsichtig, als wolle er mir Zeit lassen, jederzeit zu reagieren. Als der Stoff schließlich zu Boden glitt, trat ich zögernd heraus und blieb für einen Moment unsicher stehen. Die ungewohnte Situation machte mich verlegen, doch zugleich spürte ich, dass nun nichts mehr selbstverständlich war. Der Bedienstete hob das Kleid auf, faltete es sorgfältig zusammen und legte es auf einen freien Stuhl. Ohne ein Wort verließ er die Terrasse wieder, und die Stille, die zurückblieb, wirkte plötzlich lauter als jedes Gespräch.
„Setz dich“, sagte Rainer ruhig. Ich folgte seiner Aufforderung, setzte mich auf den Stuhl und versuchte, gelassen zu wirken. Doch sein aufmerksamer Blick ließ mich meine eigene Nervosität noch stärker spüren. Ich brachte kein Wort heraus, geschweige denn, dass ich etwas essen konnte. Rainer lächelte nur leicht und deutete auf den gedeckten Tisch. „Bitte, nimm dir, was du magst.“ Ich schüttelte den Kopf. „Ich kann gerade nicht“, antwortete ich leise. „Warum?“ fragte er. Ich sah kurz zu ihm auf und senkte dann den Blick wieder. „Weil ich nervös bin“, gab ich zu. „Ich habe noch nie so gefrühstückt. Eigentlich habe ich überhaupt noch nie etwas Vergleichbares erlebt.“
Er lächelte mich an, nicht spöttisch, sondern beinahe sanft. „Du bist schön“, sagte er ruhig. „Und Schönheit sollte man nicht verstecken. Daran wirst du dich gewöhnen müssen. Wie ich schon sagte: Heute und in den nächsten Wochen geht es vor allem darum, Vertrauen zu lernen — Vertrauen in dich selbst, in deine Entscheidungen und darin, dass dir nichts Schlechtes geschehen muss, nur weil etwas ungewohnt ist.“ Während er sprach, aß er weiter, als sei alles völlig selbstverständlich. Ich brauchte noch eine Weile, bis sich die Anspannung in mir löste. Erst dann griff auch ich zögernd nach etwas zu essen.
Nach und nach kamen wir ins Gespräch. Rainer fragte, wie der Termin bei der Typberatung gewesen sei, ob ich mir die Kleider im Schrank angesehen und den Plan gelesen hätte. Ich nickte und erzählte ihm, wie überrascht ich gewesen war — nicht nur über die Kleidung, sondern über die Veränderung, die sie in mir auslöste. Es war, als würde ich eine Seite an mir entdecken, die lange verborgen geblieben war. Nach dem Frühstück sah er mich aufmerksam an. „Möchtest du hier im Gästezimmer schlafen oder lieber nach Hause?“ Ich zögerte nur kurz. „Lieber zu Hause“, sagte ich. Rainer nickte verständnisvoll. „Dann rufe ich die Fahrerin, und du ziehst dich in Ruhe wieder an. Bis Samstag.“ Mit diesen Worten stand er auf und ging. Kurz darauf wurde ich nach Hause gefahren. Dort angekommen, fiel die Anspannung des Morgens langsam von mir ab, und ich sank in einen tiefen, traumlosen Schlaf.
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