What's next?

Flurfunk

Chapter 27 by Levantin Levantin

Das dumpfe Scheppern des Staubsaugers im Wohnzimmer war längst verstummt, doch Arisas trockener Klaps brannte mir gefühlt immer noch auf der Haut.

Ich saß auf der Kante meines Schreibtischstuhls, stützte die Ellenbogen auf die Knie und atmete schwer aus. Mein Zimmer war abgedunkelt; die schweren Vorhänge sperrten das Nachmittagslicht aus, nur die LED-Leiste hinter meinem Monitor warf einen matten, bläulichen Schimmer an die Wand. Ich brauchte jetzt genau eines: absolute Ruhe. Keine Gerüche nach Zitrusreiniger, kein süßes Rosenparfum von Emma, keine Anspielungen auf Taschentücher und vor allem keine Regeln. Einfach nur das Headset aufsetzen, den Kopf abschalten und mich für zwei Stunden in irgendeinem virtuellen Gefecht verlieren, in dem man Probleme mit einem Klick lösen konnte.

Das vertraute, metallische Ploppen im Discord riss mich aus den Gedanken. Unten rechts blinkte Timos Name auf, und noch bevor ich mich überhaupt richtig zurechtgesetzt hatte, knisterte seine tiefe Stimme im Hörer.

„Na, bequemt sich der Meister auch mal an den Start? Ich dachte schon, du bist heute komplett verschollen.“

Ein leises Klacken begleitete seine Worte – er legte gerade eine Hantel zur Seite. Typisch Timo. Selbst wenn er auf dem Server rumhing, musste er zwischen den Runden noch pumpen.

„Ganz sicher nicht“, erwiderte ich matt und rückte das Mikrofon zurecht, während ich das Spiel startete. „Ich hab den ganzen verdammten Nachmittag das Haus sauber gemacht. Lass einfach starten, okay? Ich brauch heute echt nur Ablenkung.“

„Jaja, ‚saubergemacht‘“, lachte Timo trocken, und in seinem Ton schwang dieses typische, gereizte Ziehen mit, das er immer bekam, wenn das Gespräch auf zu Hause kam. „Bruder, du musst mir echt keine Märchen erzählen. Ich hab doch das Foto gesehen, das gestern Nacht von deinem Handy kam.“

Ein kalter Schauer lief mir über den Nacken, und mein Magen krampfte sich augenblicklich zusammen. *Das Foto.*

Loona. Natürlich Loona. Sie hatte mein entsperrtes Handy auf dem Nachttisch entdeckt, sich zu mir gebeugt, während ich halb weggedämmert war, und abgedrückt: Ihr nacktes Schlüsselbein knapp über der Bettdecke, ihr Gesicht nah an meinem, mein Arm so um sie gelegt, als hätte ich sie mir gerade genommen. Völlig harmlos für jeden Filter, aber für jemanden wie Timo die reinste Provokation.

Timo, ich hab dir schon tausendmal gesagt, dass da nichts läuft—“, setzte ich an, doch er schnitt mir sofort das Wort ab.

„Halt einfach die Fresse, John. Als ob ich blind wäre.“ Seine Stimme kippte ins Neidische. „Sie ist deine Stiefschwester, biologisch ist da gar nichts, also tu nicht so scheinheilig. Loona ist eine glatte Zehn. Ich hab hier weiß Gott genug Mädels am Start, aber für sie würde ich mich sofort in den Zug setzen. Und ausgerechnet du hockst da jeden Tag mit ihr unter einem Dach, ziehst sie ab und tust auf Unschuldslamm. Du bist so ein verdammter Heuchler, Alter.“

Ich starrte auf den Ladebildschirm, die Finger auf den Tasten WASD wie festgefroren. Die Ironie schnürte mir die Kehle zu. Ausgerechnet Timo beneidete mich. Er dachte, ich wäre der skrupellose Macho, der sie sich nachts nimmt – während die Realität war, dass ich seit Tagen nicht einmal meine eigenen Hände an mich legen durfte, weil sie es mir schlichtweg untersagt hatte. Sie fütterte Timo gezielt mit diesen Bildern, um vor ihm den Schein zu wahren, während sie mich daheim mit einer einzigen Geste dressierte.

„Können wir jetzt einfach spielen?“, presste ich hervor. Meine Figur spawnte auf der Map, doch ich verpasste den ersten Schritt, lief blind gegen eine Kiste und fing mir direkt die ersten Treffer ein.

„Mann, John, raff dich mal! Du zielst wie ein Blinder“, maulte Timo genervt. „Bist du vom Vögeln so fertig oder was? Heb dir mal ein bisschen Saft auf.“

Sein Lachen dröhnte mir in den Ohren und fraß sich wie Gift durch meine Konzentration. Es gab hier kein Entkommen. Nicht vor dem Spiel, nicht vor Timo und erst recht nicht vor Loona.

In diesem Moment knarrte die Zimmertür hinter mir leise. Kein Anklopfen. Nur das vertraute, lautlose Gleiten der Klinke.

Ich erstarrte. Über den Rand des Monitors sah ich im Dämmerlicht des Flurs Loonas Silhouette. Sie trug ein schlichtes, weites Shirt, die Haare locker hochgesteckt, und musterte mich mit diesem kühlen, souveränen Blick, der mir jedes Mal den Boden unter den Füßen wegzog.

„Mit wem redest du?“, fragte sie leise in den Raum – exakt laut genug, dass mein hochempfindliches Mikrofon es glasklar übertragen musste. Ihre Stimme klang rau, fast schläfrig, wie gerade erst aus dem Bett aufgestanden.

Im Headset brach Timos Lachen augenblicklich ab. Totenstille. Dann ein heiseres, fassungsloses Flüstern: „Ist… ist sie das?“

Loona trat lautlos hinter meinen Stuhl, würdigte den Bildschirm keines Blickes und legte ihre Fingerspitzen leicht auf meine Schulter. Die Berührung brannte durch den dünnen Stoff meines T-Shirts. Mein Körper spannte sich an, und tief in der eng sitzenden Pyjamahose regte sich der pochende Druck erneut – vollkommen unbeeindruckt von dem Versuch, einfach nur normal zu sein.

Sie beugte sich ein Stück vor, sodass ihre Wange fast meine Schläfe berührte, und warf einen beiläufigen Blick auf das leuchtende Sprach-Symbol auf meinem Monitor. Sie wusste ganz genau, wer in der Leitung war.

Ein kaum merkliches Lächeln umspielte ihre Lippen, bevor sie sprach – mit einer samtigen, gedehnten Trägheit, die Timo den Verstand rauben musste:

„Mach den Rechner aus, John“, hauchte sie dicht an meinem Ohr, aber perfekt im Radius des Mikrofons. „Du hast mir drüben noch was fertigzumachen. Und ich habe keine Lust, ewig auf dich zu warten.“

Ihre Fingernägel bohrten sich für den Bruchteil einer Sekunde warnend in mein Schlüsselbein – der unmissverständliche Befehl, parieren zu müssen, anzutreten und ihre To-do-Liste abzuarbeiten. Doch für Timo klang es nach purer, unersättlicher Aufforderung.

„Fuck, Alter…“, stöhnte Timo fassungslos durch die Leitung. „Geh einfach. Geh sofort.“

Loona strich mir noch einmal betont langsam über den Nacken, drehte sich wortlos um und schlenderte aus dem Zimmer, während ich wie gelähmt dasaß, mit zitternden Fingern das Headset absetzte und spürte, wie die Schlinge um meinen Hals sich wieder ein Stück enger zog.

Start your own immersive adult AI roleplay story
Ad

What's next?

Back Start Over View Story Map

0 comments