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Chapter 26 by JantheSpider JantheSpider

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Epilog 10 Jahre später

## Epilog: Das ewige Exponat

Zehn Jahre nach der architektonischen Zertrümmerung ihres Nasenbeins existiert der Name Lydia nur noch in den verstaubten Registern des städtischen Standesamts. Für die Welt der High-Class-Kunst und die verschlüsselten Live-Streams der globalen Sammlerszene gibt es nur noch das Exponat: „Mademoiselle Noir“.

Das Vorstadthaus wurde vor Jahren verkauft. Der bürgerliche Alltag mit seinen polierten Küchenzeilen und den leisen, frustrierten Seufzern im Badezimmer ist einer permanenten, musealen Inszenierung gewichen. Elena hat ihr Meisterwerk in einer eigens dafür umgebauten, privatisierten Galerie im Thüringer Umland untergebracht – einem hermetisch abgeriegelten Betonkubus, der ausschließlich der Konservierung und Zelebrierung dieses Körpers dient.

### Die Anatomie der Ewigkeit

Zehn Jahre haben die Tinte und das Metall tiefer in ihr Fleisch getrieben. Die Modifikationen sind längst zu ihrer zweiten, unveränderlichen Natur geworden.

  • Das Fundament: Die operative Verkürzung ihrer Achillessehnen hat das Gewebe dauerhaft verknöchert. Ihre Füße verharren in einer permanenten, steilen Streckung. Sie hat seit einer Dekade keinen flachen Boden mehr berührt. Die unbarmherzigen Zwölf-Zentimeter-Absätze ihrer schwarzen Lack-Pumps sind untrennbar mit ihrer Anatomie verschmolzen – sie sind das eiserne Gestell, auf dem das Gesamtkunstwerk ruht. Jedes Klack-Klack auf dem polierten Estrich der Galerie ist das vertraute, ziehende Signal, das sich über die Waden direkt in ihren Unterleib fortpflanzt.

  • Die Matrix: Die synchrone Maske ihres Gesichts – das mattschwarze und ultramarinblaue Barockmuster an den Kiefern, die gold-orangefarbene Achse des Lichts auf der künstlich verengten Nase und die permanent knallroten Lippen – hat an Leuchtkraft nichts verloren. Das unversiegende, süßliche Silikon-Anal-Gleitmittel wird täglich literweise über ihren Torso gegossen. Es tränkt die neon-pinke Dornenkette auf ihrem Venushügel und hält den massiven, durch XL-Implantate nach hinten herausgewölbten Hintern in einem permanenten, nassen Latex-Glanz.

  • Das Innere: Die Invasion der Schleimhäute ist abgeschlossen. Wenn sie den Mund öffnet, um durch die verengten Atemwege Luft zu holen, blickt man in einen pechschwarzen Schlund. Das gestochene „E“ auf ihrer Zungenspitze und das feine Zungenpiercing sind die stummen Wächter dieser Dunkelheit.

### Das Leben im Halbschatten

Michael ist geblieben. Er hat seine Rolle als treuer Kurator und Diener ihres Verfallens bis zur Perfektion verfeinert. Er ist gealtert, seine Züge sind von den obsessiven Nächten gezeichnet, doch seine Geilheit ist eine unversiegliche Konstante. Mit stummer Hingabe poliert er ihre Absätze, reinigt die funkelnden Diamanten in ihren Nippeln und Schamlippen mit sterilen Wattestäbchen und öffnet das schwere Intimschloss an ihrem scharlachroten Schamlippen-Kissen, wenn die drei exklusiven Klienten für die wöchentlichen Live-Streams die Plattform betreten. Er teilt sie noch immer mit der Welt, und der anschließende Spermakuss ist sein sakrales Abendmahl.

Lydia verbringt den Großteil ihres Lebens in der Knie-Ellbogen-Position auf der hell erleuchteten Edelstahlplattform. Ihre Gliedmaßen werden bei großen Ausstellungen durch feine Ketten an den Dermal Anchors ihrer Handrücken und Schultern fixiert. Sie ist das lebende Möbelstück der Galerie geworden.

### Wie sie sich fühlt: Der süße **** des Egos

Wenn man sie fragen würde, wie sie sich fühlt, könnte sie es mit bürgerlichen Begriffen wie „Glück“ oder „Unglück“ nicht mehr beschreiben. Das Wort **** hat vor langer Zeit seine abschreckende Wirkung verloren; es ist für sie zu einem warmen, dumpfen Grundrauschen geworden, das ihren Geist wie ein schweres Narkotikum umnebelt.

Sie fühlt sich erlöst.

Der Zwiespalt, der sie in den ersten Jahren fast zerrissen hätte, ist vollständig tot. Es gibt keine moralischen Skrupel mehr, weil es keine bürgerliche Lydia mehr gibt, die diese Skrupel empfinden könnte. Indem sie Elena ihr Gesicht, ihre Anatomie und ihre Organe auslieferte, hat sie die schwerste Last ihres früheren Lebens abgelegt: die Verantwortung für sich selbst.

Wenn sie im kalten Schwarzlicht der Galerie steht, umhüllt vom Schmatzen des Silikonöls, während die drei Bullen sie im unbarmherzigen, derben Takt anal, vaginal und oral zertrümmern, empfindet sie eine tiefe, fast religiöse Ekstase der totalen Objektifizierung. Sie genießt den exhibitionistischen Rausch der globalen Entblößung im Stream. Jedes Mal, wenn das klebrige Sperma der Sammler über ihr Gesicht und die funkelnden Diamanten läuft, spürt sie eine absolute, unendliche Ruhe.

Sie ist kein Subjekt mehr, das altert, zweifelt oder scheitert. Sie ist ein unsterbliches, perfekt geformtes Objekt der Begierde. Sie hat ihren Körper zerstört, um als ewiges Denkmal der Lust zu überleben – und in der absoluten Schwärze ihres Geistes weiß sie, dass sie nie wieder irgendwo anders sein will.

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