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Chapter 38 by Meister U Meister U

What's next?

Epilog (Johanna)

Zwei Wochen später. Der Alltag hatte sie eingesogen, wie ein Schwamm verschüttetes Wasser. Die Schule. Die banalen Fragen der Mutter. Doch unter der Oberfläche, unter der Jeans und dem weiten Pullover, pochte die Erinnerung. Die Klammer war längst abgenommen, aber das Gefühl von Metall auf nasser Haut war geblieben.

Dann, an einem trüben Dienstag, kam die E-Mail. Kein Absender, den sie kannte. Der Betreff ließ ihr Blut gefrieren und gleichzeitig in ihren Adern kochen: Ihre Bewerbung wurde positiv geprüft.

Angehängt war ein einziges Bild. Kein Text, keine Erklärung. Ein Schwarz-Weiß-Foto von atemberaubender, unverschämter Klarheit.

Es zeigte den Innenhof eines alten Gutshofs. Kopfsteinpflaster. Mächtige, verwitterte Fachwerkbalken. Und in der Mitte, an einem hölzernen Pranger, eine Frau. Ihr Rücken war dem Betrachter zugewiesen, gebogen, die Hände über dem Kopf gefesselt. Jede Rippe zeichnete sich ab unter der blassen Haut. Ihr Gesäß war von dunklen, verblassenden Striemen übersät.

Aber das war nicht so wichtig.

Es waren die anderen Details, die sich Johanna ins Gehirn brannten.

Im Hintergrund, unscharf, aber erkennbar: ein Stallbursche, nur in Lederhose, die Peitsche lässig über der Schulter. Ein massiver, spanischer Hengst, sein Kopf stolz erhoben, als wüsste er um seinen Wert in diesem perversen Theater.

Und dann, im Vordergrund, an der Wand neben dem Pranger, hing ein Schild. Handbemalt, in verschnörkelter Schrift:

Reiterhof für unartige Mädchen

  • Permanente Nacktheit
  • Schlafen im Stroh
  • Potente Stallburschen (Schwanz & Peitsche)
  • Ausritte in freier Natur (mit Extras)
  • Wilde Hengste
  • Spanische Böcke (Wooden Horse)
  • Festgenagelte Labien
  • Täglich Schießübungen auf Titten & Ärsche
  • Lagerfeuer

Johanna starrte auf das Bild. Auf die gefesselte Frau. Auf das Schild. Ihre Hand, die die Maus hielt, zitterte nicht. Ein tiefer, dunkler Sog öffnete sich in ihrem Bauch. Mächtiger als die Angst. Mächtiger als die Vernunft.

Es war eine Einladung. Eine Herausforderung.

Sie schloss die E-Mail. Stand auf. Ihr Blick fiel auf den Spiegel. Sie sah nicht das Mädchen aus Niedersachsen. Sie sah die Frau am Pranger. Sie sah die Striemen. Sie spürte den kalten Wind auf nackter Haut. Sie hörte das Wiehern der Pferde und das Knallen der Peitsche.

Ein Lächeln, schmal und gefährlich, erschien auf ihrem Gesicht.

Die Reise nach Hamburg war nur das Vorspiel gewesen.

Die eigentliche Jagd sollte jetzt beginnen.

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