Wie geht es weiter ?
Ein erster Ausflug mit Jasmina
Zu meiner Überraschung wohnte Julia in einer einfachen Wohnung im dritten Stockwerk eines mehrstöckigen Mietshauses. Es war ein warmer, sonniger Vormittag, perfekt geeignet für einen Ausflug ins Grüne mit unserer gemeinsamen siebenjährigen Tochter. Julia öffnete mir auf mein Klingeln hin die Tür. Im nächsten Augenblick hing ein bildhübsches, kleines Wesen mit langen, dunkelblonden Haaren an mir und schlang ihre dünnen Arme und Beine besitzergreifend um mich. „Kommst du denn nicht mit?“ fragte ich Julia ein wenig erstaunt, weil sie mir einen kleinen, zartrosa Prinzessinen-Rucksack hinhielt. „Ich muss heute leider arbeiten“, schüttelte sie verneinend den Kopf und sah mich dabei wieder sehr traurig an.
Ich behielt Jasmina auf dem Arm und trug sie bis zu meinem vor dem Haus geparkten Alfa Romeo hinunter. Auf dem Beifahrersitz hatte ich bereits einen passenden Kindersitz für meine Tochter vorbereitet, in den ich sie vorsichtig hineinsetzte. Jasmina genoss die gut halbstündige Fahrt mit mir in dem roten Sportwagen ganz offensichtlich. Als Ausflugsziel für unseren ersten gemeinsamen Tag hatte ich einen Schlosspark ausgesucht, der unter anderem auch für seine vielfältige Blumenpracht bekannt war. Jasmina kam aus dem Staunen beinahe nicht mehr heraus, als sie die unzähligen Blumen in leuchtenden Farben bewunderte.
Zu Mittag aßen wir eine Kleinigkeit auf der Sonnenterrasse eines romantisch an einem See im Schlosspark gelegenen Ausflugslokals. Janina war jedoch viel zu aufgeregt, um viel zu essen. Am Nachmittag sahen wir uns dann die umfangreichen Tiergehege im Schlosspark an, wo Janina die Möglichkeit hatte, erstmals in ihrem Leben auf Ponys zu reiten und auch Tiere zu streicheln. Nach einem erfrischenden Eis schlenderten wir auf dem Weg zum Parkplatz gemütlich durch die vielen aufgebauten Verkaufsstände, um neben einem kleinen Souvenir für Jasmina auch ein Geschenk für Julia zu suchen.
Als ich Jasmina nach einem Abendessen in ihrem Lieblings-Fast-Food-Restaurant schließlich wieder nach Hause brachte, war die Siebenjährige zwar überglücklich, aber auch so todmüde, dass sie kaum noch ihre kleinen Äuglein aufhalten konnte. Julia nahm sie mir ab, badete sie nur kurz und brachte sie dann gleich ins Bett. Auf Jasminas Wunsch hin musste ich noch ihre Hand halten, bis sie eingeschlafen war. Kurz vor dem Einschlafen musste ich ihr noch hoch und heilig versprechen, dass ich am nächsten Tag wiederkommen sollte, und sie fragte mich außerdem noch, ob ich mich nicht mit ihrer Mama wieder vertragen wollte.
Ich konnte nichts auf ihre Frage antworten, denn schließlich war es Julia gewesen, die sich von mir hatte scheiden lassen und die mir darüber hinaus die Existenz meiner Tochter verschwiegen hatte. Glücklicherweise schlief Jasmina unmittelbar vorher ein, bevor ich ihre Frage beantworten musste. „Du hast Jasmina heute sehr glücklich gemacht“, bedankte sich Julia, als sie sich von mir an der Tür verabschiedete. „Heute weiß ich, dass es ein Fehler gewesen war, dir nichts von ihr zu sagen. Dabei sehnt sie sich so sehr nach ihrem Vater. Ich bitte dich nur, dass du sie mir nicht wegnimmst, denn meine Tochter ist das Einzige, was mir noch geblieben ist …“
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