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Chapter 5 by Mercadus Mercadus

[à suivre]

Ebene 2

Das Parkhaus neben dem alten Einkaufszentrum. Wände aus Beton und Stahl, Graffitis und Werbeschilder. Es ist 01:43 Uhr. Keine Kameras, das wissen sie.

Thomas trägt eine Anzugjacke und Michelle trägt nichts, das sich ausziehen ließe. Nur ihre schönen rosa Turnschuhe. Neonröhren flackern über ihnen, als würden sie gleich aufgeben, genau wie der Typ im grauen Audi zwei Parkplätze weiter, der schon seit zwanzig Minuten tut, als würde er auf sein Handy schauen.

Michelle stellt sich in den Lichtkegel, ganz vorn an der Rampe direkt am Geländer, beugt sich etwas vor, hinter ihr das Schild Ausfahrt. Sie hebt die Arme, langsam, als wollte sie ein Taxi heranwinken, das es hier nie geben wird.

Thomas lehnt am Pfeiler. Beobachtet. Nicht nur sie, sondern alles: den Typ im Audi, die leeren Dosen unter dem Einkaufswagen, das Licht. Vor allem das Licht.

„Zähl sie,“ sagt er. „Was?“ „Die Blicke.“ Und sie tut es. Zählt jede Pupille, jedes Scheibenwischen, jedes fast-abwendende Gesicht. Drei Jugendliche auf dem Skateboard. Eine Lieferfahrerin mit unentschlossener Bremse. Ein Wachmann, der den Blick senkt. Sie alle sehen. Niemand sagt etwas.

Michelle ist nicht nackt. Aber sie ist offen. So offen, dass es wehtut.

Sie trägt nur das weißes Hemd, das zu kurz ist, um Fragen zu vermeiden. Unterwäsche? Unklar. Vielleicht. Vielleicht nicht. Das ist das Spiel. Die Grenze. Sie könnten es wissen, wenn sie stehen blieben. Aber niemand bleibt stehen. Das macht es schlimmer.

Er lächelt wie ein Chirurg, der weiß, dass der Patient wach ist.

Die Minuten tropfen. Sie wird eine Figur. Der Mythos vom Mädchen im Hemd auf Ebene 2.

Und dann kommen sie. Männer – Zuseher. Über den Treppenaufgang. Drei Taxifahrer, die Pause machen. Dahinter zwei dicke alte Männer. Sie rauchen, schweigen, schauen. Kein Schritt näher, keine Bewegung zu viel. Wie in einem Traum, aus dem man nicht mehr aufwachen kann.

Michelle sieht durch sie hindurch. Dreht sich zu Thomas, öffnet das Hemd, ruhig nicht ängstlich. Prüft mit einem Blick über die Schulter den sicheren Abstand zu den fünf Männern. Zieht ihre Sneaker aus und stellt sie am Geländer ab, ordentlich nebeneinander. Zwei rosa Hasen und Alice im Wunderland.

Sie steht, dreht sich. Alle Augen starren auf ihre nackten Füße, die pinken lackierten Nägel, wandern nach oben. Junge Haut, keine Unterwäsche, nichts Verborgenes. Dichtes blondes Schamhaar, geteilt in der Mitte wie ein Scheitel, der Rest zu erahnen, jungfräulich unberührt schamlos. Sie ist nass, fühlt die geile Hitze, dieses Pochen.

Die schmalen Hüften, der Nabel perfekt, die Brüste mit den dicken angeschwollenen Spitzen, übergroß auf den kleinen Titten. Das Hemd offen. Der Kragen unordentlich, der schöne schlanke Hals, Gesicht unschuldig errötet.

Fasst sich an, streichelt sich, gibt die kleine Kostprobe ihrer Show, seiner Show. Fickt sich mit zwei Fingern tief. Sie schließt die Augen. Thomas steht hinter ihr. Seine Hand wandert von hinten zwischen ihre Beine, Finger tasten den Flaum, das Haar, spielen. Gehen etwas hinein, sie von vorne er von hinten, FUCK alle Augenpaare verfolgen gebannt jede Bewegung. Hände in Hosentaschen und in Reißverschlüssen, kneten reiben.

Michelle bewegt sich, geht an den Zuschauern vorbei. Nichts sagt sie. Kein Blick zurück. Nur das Geräusch ihrer nackten Füße auf dem kalten Boden, als sei jeder Schritt ein Gedicht. Ihr Duft zieht mit ihr, reife Birnen von einem Bouquet weißer Freesien umhüllt, Amber, Patchouli .... hier an diesem Ort.

Thomas folgt. Still. Immer einen halben Schritt hinter ihr.

Am Ende des Ganges wartet der Aufzug. Stahl, matt, fleckig von Jahren und Wetter. Die Tür ist geschlossen, aber sie hören ihn – den Aufzug – ein Tier tief im Bauch des Gebäudes: atmend, keuchend, wach.

Michelle bleibt stehen. Sie spürt es zuerst – dieses Kippen in der Luft, als hätte jemand den Ton rausgedreht. Dann das Geräusch.

Ein mechanisches KLICK. Nicht laut. Eher trocken. Fast beiläufig. Sie dreht sich nicht sofort um. Thomas auch nicht. Nur ihre Augen wandern.

Er steht zehn Meter entfernt. Ein Typ, wie aus einem falschen Film: Kapuzenpulli, alt. Hände in den Ärmeln vergraben. Und zwischen ihnen:

Eine Polaroidkamera. KLICK

Diese dicken, klobigen, wie aus einer anderen Zeit. Mit dem Maul eines Automaten und der Geduld eines Jägers. KLICK . Ein weiteres Bild. Die Kamera spuckt es langsam aus.

Der Mann fängt es auf, als sei es zerbrechlich.. Dann schaut er nicht aufs Bild – sondern nur zu Thomas. Lang. Still. Thomas geht auf ihn zu. Nicht schnell. Ein Schritt, dann der nächste. Die Schuhe machen kein Geräusch.

Michelle atmet flach, schaut zu Boden. Bedeckt mit einer Hand ihr Schamhaar. Sie hat das Gefühl, das Bild gehört nicht ihr. Nicht mehr.

Thomas bleibt vor dem Mann stehen. Keine Worte. Er streckt die Hand aus. Der Mann gibt ihm das erste Bild. Dann das zweite. Noch eins. Drei. Vier. Fünf.

Thomas betrachtet sie nicht. Er dreht sich um – geht zurück zu den Taxifahrern, die an der Rampe stehen wie an einem Grabstein. Sie sagen nichts. Und dann: Thomas verteilt die Bilder. Eins an jeden. Keine Erklärungen. Keine Bedingungen.

Er gibt. Sie nehmen.

Michelle sieht ihre eigene Figur, eingefroren in Chemie und Schatten..Weißes Hemd. Nichts darunter. Schultern offen wie eine Einladung. Die Haut wie eloxiertes Licht unter Neon.

Der letzte Taxifahrer schaut auf das Bild. Dann hebt er den Blick zu ihr. Nicht lüstern. Nicht respektlos. Eher wie jemand, der gerade einem Geist begegnet ist.

Der Typ mit der Kamera ist weg. Einfach verschwunden. Wie eine Störung im Bild. Thomas kehrt zu ihr zurück. Die Bilder sind weg.

Die Aufzugtaste leuchtet. Ein schwaches Orange. Michelle steht davor, ihr Herz schlägt wie auf der Flucht. Doch sie rennt nicht.

Und Thomas...

Thomas sagt nur ein Wort: „Komm.“ Kein Befehl. Aber auch kein Vorschlag. Michelle folgt. Ihre Füße klatschen leise auf dem Beton.

Die drei Taxifahrer stehen da. Zigaretten ausgetreten. Die Fotos in den Händen – diese kleinen, quadratischen Portale, in denen SIE weiter existiert, selbst wenn sie geht. Aber sie ist nicht gegangen. Sie kommt zurück.

Sie sieht es in ihren Blicken. Diese Mischung aus Was passiert jetzt? und Wird sie... wirklich...?

Thomas bleibt neben ihr stehen.

Er sagt nichts.

Michelle spürt den Beton unter ihren Fußsohlen. Sie hebt das Kinn, greift mit beiden Händen das weiße Hemd am Saum – und hebt es an. Langsam. Wie ein Star. Wie jemand, der weiß: Wenn du dich zeigst, dann richtig.

Das Licht der Neonröhren flackert genau in dem Moment, als ihre Brüste sichtbar werden. Dann der Bauch. Dann die Hüfte. Kein Höschen. Die Männer sehen. Und keiner macht einen Schritt. Sie hält das Hemd weit offen.

Ihr Blick wandert von einem zum nächsten. Thomas steht ruhig neben ihr, eine Hand an ihrem Nacken – nicht besitzergreifend. Er hält sie in dieser Welt. Dann sagt er: „Zeig ihnen, was sie schon in den Händen halten.“ Sie dreht sich leicht, sodass sie aus demselben Winkel zu sehen ist wie auf den Polaroids.

Ein Taxifahrer hebt reflexartig das Bild – hält es hoch – und ja: es stimmt. Sie ist es. Die Luft ist dicht. Zu geladen. Michelle lässt das Hemd wieder sinken.

Einer der Männer steckt das Foto in die Brusttasche. Thomas sagt:

„Manche Geschichten brauchen Augenzeugen.“

Michelle schaut ihn an. In ihr brennt es. Nicht wie vorher – kein Zucken, kein Schamnebel. Ein Fragment. Michelle steht noch im Licht. Sie dreht sich zu Thomas

Ihr Blick sagt mehr als Worte: Jetzt. Noch ein Schritt. Er nickt kaum sichtbar.

Sie sagt nichts. Aber sie geht. Zwei Schritte vor, bis zum silbernen Audi – ein neutraler Firmenwagen unauffällig wie ein Schatten mit PS. Michelle legt sich vornüber auf die Haube. Hände flach auf dem Lack, die Wangen glühen, nicht vor Scham – von diesem scharfen Strom zwischen Ausgeliefertsein und Kontrolle.

Sie blickt direkt in die Augen des Mannes am Steuer. Immer noch da, immer noch das Handy. Filmt mit einer Hand. Michelle ahnt an seiner Bewegung was er tut, fühlt seinen Rhythmus. Öffnet ihren Mund, spielt mit der Zunge.

Reckt ihren schönen Hintern hoch, wartet. Thomas tritt gegen ihren Fuß, zwingt sie die Beine weit zu öffnen, ihre Hände greifen in den Spalt zwischen Motorhaube und Scheibenwischer. würde keinen Halt haben. Die schlanken Füße strechen sich. Er schlägt ohne eine Vorwarnung zu, knallhart, scharf. Sie bäumt sich auf. Nochmal, fester, seine Hand in ihrem Fleisch. Sein Blick auf die Zuschauer gerichtet.

Dann, ohne jede Geste, wählt er den Mann aus: der mit dem Polaroid in der Brusttasche. Der, der sie angesehen hat, als hätte er die Bilder nicht nur gesehen, sondern kapiert.

Der Mann zögert. Dann sieht er zu Thomas. Ein stilles Nicken. Er tritt näher, legt die flache Hand an ihre Hüfte. Ein Test. Kein Besitz. Michelle hält den Atem an. Ihre Augen geschlossen. Ihre Haltung klar: "Jetzt. Tu es."

Der erste Schlag ist nicht hart. Eher ein Signal. Ein Ton, auf den man hört. Thomas beobachtet. Arme verschränkt. Der zweite Schlag ist präzise. Das Echo des Aufpralls vermischt sich mit dem Brummen der Lüftung. Michelle zuckt nicht – sie atmet hinein, hält sich an dem Blick des Fremden fest, nicht allein sein.

Der dritte kommt wie ein Satzzeichen. Klar. Fester. Und dann: ihr Stöhnen. Kein Schmerzlaut. Ein JA ohne Buchstaben. Thomas beobachtet. Und – er wählt den nächsten aus.

Klein fett schwitzend, Glatze, die Lippen wulstig, Zunge hin und her. Kalte Augen, kaltes Herz und so sind seine Schläge. Schneller fester, trischt auf das junge Ding. Zielt in die Mitte. Zischt in die Spalte. Genug.

Der Mann tritt zurück. Seine Hand ist rot. Michelle ist rot. bebt keucht hilf mir du Fremder. Überfordert vom ****, den Schlägen – diesem Feuer.

Thomas sieht sie an. Kein Lächeln. Kein Stirnrunzeln. Er hebt die Hand. Eine einzige Geste – und die Männer verstehen..Sie gehen. Langsam. Keiner sagt was. Zigarettenstummel. Fotos in Jackentaschen. Schwänze hart.

Michelle liegt noch immer auf der Haube des Audi. Die Kälte des Metalls hat sich tief in ihre Oberschenkel gebrannt. Ihre Hände vibrieren. Ihr Arsch glüht.

Dann kommt der Moment, den sie nie geplant hatte. Kein Orgasmus. Kein lauter Schrei. Sie beginnt zu zittern. Und dann – ihr Körper gibt nach. Ein einfacher Reflex. Überwältigt. Zu viel. Zu echt.

Ein warmer Strom an ihrem Oberschenkel. Sie merkt es erst, als es schon passiert.

Urin.

Michelle steht da..Die Beine auseinander. Die Schultern zu schwer für Haltung. Der warme Strahl hat längst nachgegeben. Kein Zucken. Kein Versuch, es aufzuhalten. Ein letzter Reflex, der sich nicht mehr an Regeln hält.

Der Urin läuft leise an ihrer Innenseite hinab, findet seinen Weg über die Knie, über den Knöchel, sammelt sich an der Ferse und tropft dann – fast rhythmisch – auf den Betonboden. Ihre Füße sind nackt, schmutzig. Staub, jetzt kommt noch Feuchtigkeit dazu.

Die Flüssigkeit rinnt über ihre Zehen, läuft in die feinen Rillen des Parkhausbodens, hinterlässt ihre Spuren.

Thomas sagt nichts. Michelle hebt den Blick. Kein Entsetzen in den Augen, sieht den Typ im Audi zucken, weiß dass sie der Grund ist.

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