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Chapter 3 by Mercadus Mercadus

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Drachentöter

1338 Worte

Vor der Tür, in diesem schmalen, abgedunkelten Flur, stand Thomas. Die Wand vor ihm atmete – als könnte sie spüren, was drinnen geschah.

Neben ihm: der Beobachter. Florent. Ein Junge der überall half, Atelier, Garten, Küche, unentbehrlich, sich nie vorstellte, schaute, schwieg. Florentius lächelte blühte

Jetzt stand er nah, sehr nah. Sein Atem war warm, sein Duft: feine Seife, jugendlicher Schweiß, Achselhaare

Drinnen dunkel, Michelles Atmung, schwer und schwebend, wie in einem fremden Traum.

Durch die alten Holztür: Bewegung, Schatten, ein Fuß, ein Zittern. Hände Arme im Dunkel. Tentakel von allen Seiten und in der Mitte Michelle und noch ein Arm

Er lehnte sich noch näher zu Thomas, so als wollten sie beide Teil dessen werden, was sich hinter der Tür abspielte, ohne sie zu öffnen. Sein Arm um Thomas’ Schulter – beiläufig zuerst, dann fester.

Ein Flüstern: „Sie ist schön so.“

Die Tür zur Kammer steht einen Spalt offen. Nur ein Streifen Licht schneidet durch das Dunkel. Davor stehen sie. Thomas und der andere. Schulter an Schulter. Ihre Schatten ineinander verschoben wie ein einziges Wesen.

Thomas sagte nichts. Er spürte den Druck des Arms, den Blick des anderen, wie eine weitere Tür, die sich in ihm öffnete. Dann – ohne Übergang sekundenschnell – ein Kuss. Wild tief, verlangend. Kein Zögern, keine Erklärung, es ist ein Riss, ein Stoß durch die Haut der Welt. Es würde etwas explodieren, lautlos, zwischen ihnen.

Und immer: die Farbe auf Michelles Haut, das unsichtbare Spiel von ausgestreckten Fingern, Schatten

Thomas küsst ihn. Er sieht in dem jungen Mann eine Projektionsfläche. Nicht einfach nur Begierde, sondern eine Art Spiegel. Nicht sich selbst, sondern etwas, das er nie war. Jugend ohne Schuld. Reine Lust. Eine Unschuld, die bereit ist, sich ihm zu unterwerfen – oder ihm ebenbürtig gegenüberzutreten.

Drinnen atmet Michelle schnell, stoßweise. Ein Schimmer von Farbe auf ihrer Wange. Man sieht nichts Konkretes. Und doch ist alles da.

Thomas sieht zu, starr, gefangen. Der andere neigt sich, flüstert ihm etwas ins Ohr, etwas wie ein Bekenntnis oder ein Befehl. Vielleicht beides. Seine Hand an Thomas’ Nacken. Nicht fest, nur da – dieses zusammen sein.

Ein Moment lang ist da nichts als das Atmen hinter der Tür. Das Zittern eines alten Heizkörpers. Der Hauch einer anderen Ordnung. Eine Ordnung die Thomas geschaffen hatte.

Und Florent, der an Thomas hing seit der Ankunft auf Montcaud. Schüchtern sehnte, ihn mit Michelle sah am Tag und in ihr in der Nacht

Dann dreht sich Thomas. Ihre Münder treffen sich erneut. Sein Komplize sein heimlicher Helfer, er hätte alles gemacht, seine Liebe seine Michelle sein oder nun dieses hier.

Der Heilige Sankt Florian, der das Haus schützt, Drachen tötet, hatte fünf der Hausgäste zu dieser bizzaren Aufführung in der kleinen Kammer einbestellt. Sie im Dunkeln warten lassen zum Erscheinen dieser Heiligen Jungfrau. Ausgesetzt ihren Blicken, ihren Händen, ihrer Lust.

Gustave um die 40 groß, wild, dramatisch wie seine Bilder. Pierre 65 wie Renoir sein "Garten der Frauen" zarte Hände. Leonell schon fast 70 aber ein gigantischer massiger Pinsel, immer sichtbar, Paul 43 aus Deutschland mit schwarzen kohlestiftekreide Fingern und Nr 5 Benedict der Jüngste, 35 aus Französisch-Polynesien schöne tätowierte Hände, seine Zeichnungen kriechen daraus aufs Papier.

Die Bewegung ihrer Silhouette im Licht flackert wie das Bild eines alten Films.

Drinnen, hinter der Tür, bleibt Michelle still. Ihre Hand bedeckt, warm, zarter bllonder Flaum nicht rasiert. Das einzige Kleidungsstück, die Decke liegt vor der Tür. Ihr Blick auf ein imaginäres Publikum. Alles ist erlaubt. Alles ist möglich. Alles ist jetzt. So wie Thomas es wollte: eintreten, in der Mitte stehen, sich drehen. Augen geschlossen

Die Wand atmet. Die Luft ist dick – mit Lösungsmittel, mit Lust, mit diesem stillen, schwerelosen Rausch, der bleibt, wenn man zu viel gesehen und gefühlt hat. Sie sieht die Bewegungen, fühlt Berührungen, dreht sich, verbrennt.

Sie spürt sich selbst. Hände auf der Brust, auf den Hüften. Dort, wo Spuren von Fingern sind, eingebrannt wie ein Muster. Sie weiß nicht, wessen Hände es waren. Vielleicht war es nur eine Illusion. Geht auf die Knie

Durch den Spalt der Tür sieht sie es, zwei Körper. Nicht mehr getrennt. Schatten über Schatten, Fleisch in Bewegung. Thomas und Florent. Es ist kein Schock. Kein ****. Es ist… schön.

Michelle atmet tief ein. Sie sieht zu. Wie durch ein Milchglas, aber klarer als jede Realität. Ihre Hand wandert über den Boden, streift die feuchte Linie eines Fußes, halb im Dreck, halb im Licht.

Stimmen gedämpft. Ein leises Stöhnen. Jemand flüstert einen Namen – vielleicht ihren. Oder vielleicht einen anderen. Sie lächelt. Ihre Haut brennt nicht mehr, sie glüht.

Dann steht sie langsam auf. Streicht das Haar zurück. Dreht sich nicht um. Der Raum hat sich verändert – sie sieht die Männer, erkennt sie, kennt ihre Aktzeichnungen, war ihr Model. Dicht an ihr, drei suchen ihre Schenkel, ziehen Oberschenkel auseinander, spielen, spreizen, drehen. Eine Zunge schnell an ihrer Brust, eine Hand im Flaum, zieht daran bis es schmerzt und ihre enge Spalte sich noch mehr zusammenzieht, um die beiden langen Finger mit den blaugrünen Tattoos. Als würde eine Zeichnung aus ihrer Vagina gleiten. Benedikt, sein Penis ein Speer aus der Südsee, fremde Muster bis unterhalb der Eichel.

Michelle öffnet die Tür ganz. Licht bricht herein wie ein Vorhang, der fällt. Alle um sie herum im Licht dieser Geilheit.

Er, beobachtet von Michelle. Von allen Männern die er zu dieser Inszenierung eingeladen hat. Sieht, staunt ungläubig, dieser Thomas der Ungläubige der nun selbst im Mittelpunkt steht.

Daß Michelle zusieht, verändert alles. Nicht, weil er sie besitzen will. Sondern weil sie ihn kennt. Weil sie weiß, wie tief dieses Spiel geht. Und weil er weiß: Sie will das sehen. Seine Grenzübertritte. Seinen Hunger.

Thomas fühlt sich stark – aber nie unverwundbar. Und das macht den Reiz aus. Sein Begehren galt immer älteren Männern – erfahren, kontrolliert, mit einer gewissen Schwere. Männer, die wissen, was sie wollen, und oft zu viel davon verlangen. Es war ein Begehren, das aus Sehnsucht nach Führung kam, nach Bestätigung durch etwas Väterliches, vielleicht sogar nach Strafe.

Der junge Mann jetzt – dieser zarte, freche Schatten von Lust – ist ein Bruch mit dem Muster. Und genau deshalb zieht es Thomas an. Nicht wegen dem Körper allein, sondern weil es ihn selbst überrascht. Weil etwas in ihm sich nicht an Regeln hält, nicht mal an die seiner eigenen Begierde.

Er ist fasziniert, verwirrt, vielleicht auch kurz beschämt.

Also lässt er sich fallen. Nicht trotz seiner Vorlieben, sondern genau deswegen. Weil das Neue das Alte zerschneidet – und ihn selbst neu zusammensetzt.

Michelle stand da. Die Szene vor ihr war roh, unverstellt – Thomas, entblößt in mehr als nur seinem Körper. Der junge Mann, lag mit ihm verschlungen, ihre Bewegungen nicht aggressiv, sondern suchend, wie zwei Tiere, die sich im Dunkeln ertasten. Thomas hinter ihm, sein Glied steinhart, tief, schmerzhaft erigiert um sich noch weiter vorzustrecken, noch tiefer noch mehr in diesen engen Tunnel, diesen Anus, diesen jungen Arsch.

Der junge Mann stöhnte auf, wandte sich zur Seite, erblickte Michelle – erschrak nicht. Stattdessen streckte er eine Hand nach ihr aus. Einladend, nicht fordernd. Thomas folgte der Bewegung, glitt nochmal tief hinein, so heiß dort, hob den Blick zu ihr. Sieht all die Hände an auf und in ihr – dieser seltene Ausdruck zwischen Hingabe und Kampf, ein Blick, wie sie ihn selbst in den intimeren Stunden mit ihm kaum gesehen hatte.

Hochkonzentriert. Fast ekstatisch. Die Rolle des dominanten Beobachters, vielleicht sogar des Regisseurs, liegt ihm. Er spürt die Gleichzeitigkeit von Kontrolle und Kontrollverlust. Der Nervenkitzel, dass alles kippen könnte.

Ein Lächeln zuckte über ihre Lippen, Thomas bäumt sich auf, stößt bleibt kommt pumpt fällt. Sie ging einen Schritt näher, löst sich aus der Umklammerung der aufgegeilten wichsenden Gruppe. Die Schar der Gläubigen mit dem Heiligen Sankt Florian, Sankt Thomas und Sankt Michelle

Es ist die Macht, die in der Situation liegt – nicht über den anderen, sondern in der Tatsache, dass sie beobachtet werden. Und von Michelle. Und dass sie es will. Dass sie in ihm etwas sieht, das sie mit keinem anderen teilt

Vielleicht ist Liebe mehr als Besitz. Vielleicht ist sie auch Beobachtung, Akzeptanz, Mut zum Teilen.

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